Mit dem „PIGchip“ kann auf Schlachthöfen die Qualität von Eberfleisch auf Eberfleisch überprüft werden, ohne dass die Schweine dafür kastriert werden müssen. (Foto: Hochschulgründernetzwerk)

Mit dem „PIGchip“ kann auf Schlachthöfen die Qualität von Eberfleisch auf Eberfleisch überprüft werden, ohne dass die Schweine dafür kastriert werden müssen. (Foto: Hochschulgründernetzwerk)

Biochip für Schweine bringt Absolventen Gründerpreis

Pickeldi und Frederick erkunden als glückliche Ferkel unbeschwert die Welt. Doch den beliebten Trickfilmfiguren ergeht es besser als ihren real existierenden Artgenossen. Denn männliche Ferkel werden in ihren ersten Lebenstagen ohne Betäubung chirurgisch kastriert. Längst hat diese Praxis nicht nur empörte Tierschützer auf den Plan gerufen. Künftig kann das neue Verfahren „PIGchip“ Abhilfe schaffen, es wurde beim Ideenwettbewerb Scidea ausgezeichnet. Ein weiterer Preis ging an „i-like.mobi“ mit seinem „Gefällt-mir-Daumen“ für den Alltag.

Dr. Jan Heise (Foto: privat)

Dr. Jan Heise (Foto: privat)

Prämiert wurden beim Ideenwettbewerb des Hochschulgründernetzwerks Sachsen-Anhalt Süd die besten Ideenpapiere kreativer (Nachwuchs-)Akademiker der Region. Zwei Preise gingen an junge Unternehmen, die aus der Martin-Luther-Universität hervorgegangen sind. „PIGchip“ kürte die Expertenjury mit dem „Sonderpreis Forscher“. Verdient hatte die Auszeichnung das dreiköpfige Team: Dr. Jana Heise und Dr. Jan Heise, Wissenschaftler und Absolventen der MLU, sowie Dr. Daniel Mörlein von der Universität Göttingen.

Die Preisträger entwickelten eine Idee für einen Biochip zur Überprüfung der Eberfleischqualität auf Schlachthöfen. Dieser kann künftig die Kastration der Ferkel überflüssig machen. „Im Laufe der Geschlechtsreifung produzieren männliche Schweine Substanzen, die – wenn zu stark ausgeprägt – das Fleisch für den Verbraucher ungenießbar machen“, sagt der Molekularbiologe Dr. Jan Heise.

Zwar entwickeln nur 1 bis 19 Prozent der Eber – je nach Rasse, Fütterung und Haltung – den unliebsamen Geruch. Dennoch werden in Deutschland jährlich weit über 20 Millionen Tiere kastriert, denn ein einziger „Stinker“ erreicht rund 100 Verbraucher. „Mit dem von uns beschriebenen Biochip lässt sich die Qualität von Schweinefleisch online überprüfen“, erklärt Heise. „Das Verfahren basiert auf einem schnellen und kostengünstigen, automatisierten Bluttest.“

Es bietet Schlachthöfen erstmalig die Möglichkeit, zuverlässig die wenigen geruchsauffälligen Eber zu identifizieren und zu selektieren. Deren Fleisch lässt sich zu für den Verbraucher unproblematischen Produkten verarbeiten. „Nachdem ihr Marktpotential erwiesen ist, sind wir bestärkt, unsere Idee weiterzuentwickeln. Mit dem Preis erhielten wir zusätzliches positives Feedback“, freut sich Heise, der als MLU-Absolvent 2007 das Biotechnologie-Unternehmen „NH Dyeagnostics“ auf dem Weinberg-Campus in Halle gründete.

Dass „PIGchip“ Furore machen wird, lässt sichabsehen, denn die europäischen Landwirte haben sich bereits zu einer Abschaffung der Kastration bis 2018 verpflichtet, ohne bisher über gängige Alternativen zu verfügen.

Ausgezeichnet: „Der Gefällt-mir-Daumenfür den Alltag

Mirco Kisser (Foto: Hochschulgründernetzwerk)

Mirco Kisser (Foto: Hochschulgründernetzwerk)

Beim Ideenwettbewerb räumte noch ein zweites aus der MLU hervorgegangenes Unternehmen einen Preis ab: Mirko Kisser, Jan Kursawe und Tim Friedrich belegten mit „i-like.mobi“ den ersten Platz in der Kategorie „Innovative Dienstleistung“. Mit dem ausgeklügelten Projekt wollen sie eine Lücke zwischen realer und vernetzter digitaler Welt schließen und damit ein neues Zeitalter einläuten.

Es ermöglicht künftig, mit mobilem Internet (Handy) und QR-Codes erstmals beliebige Gegenstände, Orte, Lebewesen oder Events direkt in Facebook zu posten, auch wenn dafür noch gar keine Inhalte im Internet existieren. „Der Ideenwettbewerb war für uns ein Motor: Eine Idee, die schon lang im Kopf herumschwirrte, wurde damit konkret und schneller vorangetrieben“, sagt Mirko Kisser, Absolvent der MLU sowie Gründer und Geschäftsführer der celloon GmbH in Halle.

Auf i-like.mobi kann jeder mit wenigen Klicks eine eigene mobile Website seiner Empfehlung mit einem Foto erstellen. Zeitgleich wird ein QR-Code mit dem bekannten „Gefällt-mir-Daumen“ generiert, der zu dieser Seite verlinkt. Die Cellcodes können zum Beispiel auf Poster oder Karten gedruckt oder als Sticker bestellt werden. Wer irgendwo auf einen Sticker trifft, kann sofort mit dem Mobiltelefon eine weitere Facebook-Empfehlung abgeben. Text: Ute Olbertz

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