Gold in rauhen Mengen konnten die Forscher um Professor Borg im armenischen Bergland mit einfachsten Methoden gewinnen. Das könnten doch auch schon die bronzezeitlichen Menschen so gemacht haben? (Foto: Danilo Wolf)

Gold in rauhen Mengen konnten die Forscher um Professor Borg im armenischen Bergland mit einfachsten Methoden gewinnen. Das könnten doch auch schon die bronzezeitlichen Menschen so gemacht haben? (Foto: Danilo Wolf)

Armenien III: Eine wahre Goldgrube

Mit seinen zahlreichen antiken und prähistorischen Funden und Denkmalen ist Armenien für Archäologen und Geologen eine echte Goldgrube – und das manchmal nicht nur im übertragenen Sinne.

Auch Gregor Borg, Professor für Petrologie und Lagerstättenforschung an der MLU, hat eine Schwäche für das edle Metall. Allerdings aus rein wissenschaftlicher Sicht. Nahe der Goldmine von Sotk, dem größten Goldvorkommen des gesamten Kaukasus und einem der größten im Nahen Osten, haben er und sein Team im Sommer 2010 im Rahmen eines deutsch-armenischen Kooperationsprojektes die Suche nach Spuren bronzezeitlichen Goldbergbaus aufgenommen.

Die Goldmine von Sotk: Das größte Goldvorkommen im ganzen Kaukasus (Foto: Arsen Bobokhyan)

Die Goldmine von Sotk: Das größte Goldvorkommen im ganzen Kaukasus (Foto: Arsen Bobokhyan)

Anlass für die aufwändige Geländekampagne unweit der Grenze zu Aserbaidschan sind die zahlreichen prähistorische Goldfunde im Raum Türkei-Kaukasus, die bisher keiner eindeutigen Quelle zugeordnet werden konnten. Die Forscher um Borg wollen nun die Bedeutung des Goldvorkommens bei Sotk in der Bronzezeit klären und herausfinden, ob das bisher noch nicht näher untersuchte Vorkommen möglicherweise zur Lösung des Puzzles beitragen kann.

Dafür galt es aber erst einmal zu klären, ob zur damaligen Zeit und mit den damaligen Mitteln überhaupt Goldbergbau hätte betrieben werden können. „Ziel unserer Untersuchungen war es also zunächst, die Seifengoldführung in Flüssen als leicht zugängliches und gewinnbares Gold nachzuweisen und prähistorische Bergbauspuren um das Vorkommen herum sowie die Lagerstättengeologie zu identifizieren“, erklärt Borg.

Projektmitarbeiter Danilo Wolf beim Goldwaschen mit Waschrinne und Waschpfanne (Foto: Arsen Bobokhyan)

Projektmitarbeiter Danilo Wolf beim Goldwaschen mit Waschrinne und Waschpfanne (Foto: Arsen Bobokhyan)

Die großen Mengen an Flussgold, die Borgs Mitarbeiter dann unter Zuhilfenahme simpler Gerätschaften wie der klassischen Goldwaschrinne in verhältnismäßig kurzer Zeit aus umliegenden Flüssen und Hangschutt gewinnen konnten, lassen bronzezeitlichen Goldbergbau bei Sotk wahrscheinlich erscheinen. Während der im Sommer 2010 und 2011 durchgeführten Erkundungen fand das Team zudem kleine Stolleneingänge, diverse Einsturztrichter und vor allem zahlreiche Abraumhalden der Flussgoldgewinnung, die nach ersten Untersuchungen mit einem möglichen Mindestalter von 2500 Jahren datiert wurden.

Die bei begleitenden archäologischen Grabungen entdeckten Siedlungsreste und Artefakte stützen die Vermutung. „Der wissenschaftliche Beweis für den prähistorischen Goldbergbau steht allerdings noch aus“, fügt Borg an. „Wir warten deshalb mit Spannung auf die Ergebnisse der Kollegen am Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim, die das mitgebrachte Gold geochemisch analysieren.“

Die Zeichen früheren Goldabbaus sind heute zum Teil noch deutlich sichtbar: Abraumhalden der Seifengoldgewinnung am Fluss Sotk (Foto: Danilo Wolf)

Die Zeichen früheren Goldabbaus sind heute zum Teil noch deutlich sichtbar: Abraumhalden der Seifengoldgewinnung am Fluss Sotk (Foto: Danilo Wolf)

In einem nächsten Schritt soll das gewonnene Flussgold dann mittels sogenannter Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma analysiert und auf Grundlage der Elementanalyse mit vorhandenen Goldartefakten verglichen werden, um zu rekonstruieren, wann und wie mit dem Gold gehandelt wurde. Hierbei werden die halleschen Forscher von Wissenschaftlern des Tübinger Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters unterstützt, das über eine der umfangreichsten archäometallurgischen Datenbanken für Gold verfügt.

Das Team um Borg hofft zudem, bei einer der kommenden Surveys auch einige der gefundenen Explorationsstollen auf prähistorische Spuren untersuchen zu können. „Zudem haben wir weiter südlich von Sotk ein weiteres Goldvorkommen gefunden, das in moderner Zeit bisher unbekannt war, aber eine potenzielle prähistorische Quelle des Goldes ist“, so der Geologe.

Verstreut im ganzen Land sind die halleschen Forscher aktiv (Quelle: adaptiert nach NordNordWest / Wikimedia Commons)

Verstreut im ganzen Land sind die halleschen Forscher aktiv (Quelle: adaptiert nach NordNordWest / Wikimedia Commons)

Neben Borg gehört auch der prähistorische Archäologen Francois Bertemes zu dem deutsch-armenischen Forschungsgespann, das seit 2010 in Armenien unterwegs ist. Sein Interesse gilt aber nicht dem schimmernden Edelmetall. Nein, Bertemes hat sich in Armenien auf die Spur ganz besonderer Steinformationen begeben. Morgen im Unimagazin berichtet er von den geheimnisvollen Grabanlagen und prähistorischen Steinbotschaften, auf die er im armenischen Hochland gestoßen ist.

(Text: Claudia Misch)

 

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