Auf und nieder, immer wieder …

Kennen Sie das auch – schlechte Erinnerungen an Boden- und/oder Geräteturnen, mangelndes Vertrauen gegenüber dem Sprungbrett vor dem Bock und nackte Panik auf dem viel zu schmalen Balken, den es graziös zu überqueren galt? Was wäre wenn … es eine Sportart gäbe, die all die verhassten Elemente vereint und obendrein Spaß macht? Glauben Sie nicht? scientia halensis-Redakteurin Melanie Zimmermann hat sie gefunden – im Unisport!

Springen hat mir schon immer Freude bereitet. Ins Wasser springen, in Matsch springen, über Zäune, wenn man es als Schabernack treibendes Kind mal wieder eilig hatte, oder – zum Leidwesen meiner Mutter – stundenlang auf dem Bett umherhüpfen, bis dem Gestell so manche Feder entgleist ist.

Aber meine Mutter wäscht meine Kleider schon lange nicht mehr, und die Federn im Bettgestell wurden längst durch Lattenroste ersetzt. Was könnte mir da gelegener kommen als der Kurs „Trampolinturnen“ im Unisport?

Redakteurin Melanie Zimmermann versucht sich auf dem Trampolin. (Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

Redakteurin Melanie Zimmermann versucht sich auf dem Trampolin. (Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

Ich gebe zu: Gewisse Berührungsängste mit diesem großen Gerät machen sich schon in mir breit, als ich ihm gegenüberstehe. Lande ich auf dem harten Hallenboden, wenn ich in eine Ecke springe? Kann ich mir den Kopf stoßen an der Decke? Und wieviele Knochenbrüche stehen auf dem Plan bei einer unglücklich verdrehten Landung?

Trainer Marcus Hanel, Student der Wirtschaftswissenschaften, beruhigt mich. „Unfälle sind hier noch nie vorgekommen. Und wir fangen ja auch vorsichtig an.“ Auf dem Trampolin führt er vor, wie man kerzengerade in die Luft springt. Rücken gerade, aber leicht nach vorn geneigt, Beine durchgestreckt und mit dem ganzen Fuß landen. „Und immer schön in der Mitte bleiben.“ Ich versuche es und stelle fest: Es ist eine Koordinationsübung erster Klasse.

Nach einigem Auf und Ab gewinne ich Vertrauen und schaffe es, in der Mitte zu bleiben. Mit dem richtigen Armschwung gewinnt man an Sprunghöhe, und bremsen kann man ganz einfach, indem man die Spannung aus den Beinen nimmt.

Turmspringer Marcus Hanel leitet mit Leidenschaft die Trampolinkurse. (Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

Turmspringer Marcus Hanel leitet mit Leidenschaft die Trampolinkurse. (Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

„Trampolinspringen ist nicht nur eine der schonendsten Sportarten, es ist auch ein ideales Ausdauertraining“, erklärt Marcus, der als Vierjähriger das Turmspringen begonnen, und in diesem Rahmen auch immer wieder auf dem Trampolin trainiert hat. Ich spüre es am eigenen Leib – nach nur zehn Minuten lechze ich nach einer Pause.

Aufbau und Durchführung des Kurses werden diesem Umstand gerecht: Etwa zwölf Teilnehmer pro Kurs teilen sich zwei Trampoline, so dass es genug „Hüpfzeit“, aber auch genug Pausen für jeden gibt. Und wer seine Wartezeit nicht damit verbringen möchte, den Kurskollegen zuzusehen, kann sich in den Verknotungskünsten der parallel in der Empore trainierenden Luftakrobaten verlieren.

Nachdem ich durchgeatmet habe, darf ich mich an Drehungen im Sprung versuchen. Während das Drehen an sich – wie auch andere Bewegungen in der Luft – rein physisch betrachtet gar keine so große Schwierigkeit ist, muss mental schon vorgesorgt sein. „Beim Springen geht alles sehr schnell, so dass der Kopf die Information schon vorab verarbeitet haben muss“, erklärt Trainer Marcus.

Was er meint, kann ich bestens nachvollziehen, als ich im eifrigen Auf- und Niederspringen versuche, meinen Armen, meinem Oberkörper und meinem Kopf klarzumachen, dass eine 180° Grad-Drehung passieren soll: Es dauert etliche Sprünge, bis mein auf Schreibtisch-Tätigkeit getrimmter Körper sich bereit erklärt, die Sache in Angriff zu nehmen.

(Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

(Foto: Oliver-Pierre Rudolph)

Steigern lässt sich die Koordinations-Herausforderung für Kopf und Körper beliebig, indem man verschiedene Sprünge fließend nacheinander umzusetzen versucht.

Am Ende des Crashkurses bin ich sogar ein wenig überrascht darüber, was mir in der Kürze der Zeit gelungen ist: Ich kann auf dem Hintern landen und wieder in die Vertikale zurück, kann flach auf dem Bauch landen und zurück auf die Knie oder cool wie ein Skater die Beine im Sprung heranziehen – wenngleich auch mit der Eleganz eines jungen Elefanten.

Fakt ist jedenfalls: Spaß haben kann auf dem Trampolin jeder, ob Sporthasser oder Spitzensportler; obendrein wird die Koordinationsfähigkeit geschult. Mit den Kursen des Unisportzentrums für Anfänger und Fortgeschrittene unter der Leitung von Turmspringer Marcus Hanel ist man gut bedient.

Text: Melanie Zimmermann

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