Physikprofessor Reinhard Krause-Rehberg auf dem Dach des alten Physik-Instituts. Von dort sendet der Amateurfunkclub der MLU seine Signale in die Welt – und manchmal auch über den Mond. (Foto: privat)

Physikprofessor Reinhard Krause-Rehberg auf dem Dach des alten Physik-Instituts. (Foto: privat)

Nachts über den Dächern der Stadt

Es ist schon spät an der Martin-Luther-Universität. Was denn? Im Turm des alten Physik-Instituts am Friedemann-Bach-Platz brennt noch Licht? Eigentlich ist das 1887 erbaute Gebäude, das künftiger Sitz des Naturkundlichen Universitätsmuseums sein soll, doch längst leergezogen? Die Antwort liegt am Ende der langen Turmtreppe hinter elf verschlossenen Türen. In 33 Meter hoher Abgeschiedenheit, inmitten des herrlichen Nachtblicks auf die Stadt, treffen sich einmal pro Monat die Amateurfunker der Universität. Sie funken aus jenem historischen Kämmerlein, das einst als Drehachse für Pendelversuche diente und mit dem herrlichen Rundblick durch acht Fenster in Nichts der Romantik einer Leuchtturmaussicht nachsteht.

„Später, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier Gewitterforschung betrieben“, erzählt Physikprofessor Reinhard Krause-Rehberg. Der 56-Jährige Amateurfunker gehört gewissermaßen zu den Funkpionieren der Universität. 1983 hat er mit Gleichgesinnten die „Clubstation der Universität“ ins Leben gerufen und aufgebaut. 20 Clubmitglieder sind es derweil, von denen auch Dr. Roland Unger und Robert Mühlberg zum Team der ersten Stunde gehören.

Noch steht die Kurzwellenrichtantenne des Clubs auf dem Dach des Physik-Turms. Demnächst müssen sich Amateurfunker nach einem neuen Domizil umsehen. (Foto:privat)

Noch steht die Antenne des Clubs auf dem Dach des Physik-Turms. Bald müssen sich die Amateurfunker aber nach einem neuen Domizil umsehen. (Foto:privat)

Doch was ist eigentlich Amateurfunk und worin liegt sein Reiz? „Das hat etwas mit der Chance zu tun, mit Amateurfunkern aus der ganzen Welt kommunizieren zu können“, beschreibt Krause-Rehberg seine Motivation. Sein ganz persönlicher Antrieb liege in der sportlichen Herausforderung. „Ich will mit einer einfachen Antenne und einer sehr kleinen Sendeleistung so weit wie möglich kommen“.

Der Physikprofessor erinnert sich noch an das Jahr 1980, als die Uni-Funker erstmals vom Dach des Physikinstitutes mit dem damaligen Kurzwellen-Sende-Empfangsgerät Teltow 215 nach Gesprächs-Teilnehmern auf dem Globus fischten. „Wir waren total überrascht. Unsere erste Verbindung stand mit Kanada“, erzählt Krause-Rehberg. Natürlich durften nur Empfangsberichte ausgetauscht werden. „Wir wurden ja zu DDR-Zeit alle abgehört.“

Vor einem reichlichen Jahr glückte den Uni-Funkern sogar eine Sensation – eine „Zweiweg-Erde-Mond-Erde-Funkverbindung“. Damit bezeichnet man eine Funkverbindung, bei der der Mond als passiver Reflektor verwendet wird. Es gelang den Hallensern, ein über den Mond reflektiertes Signal vom Arecibo-Parabolspiegel in Puerto Rico einzufangen. Das Beste: „Selbst uns gelang es, Signale über den Mond zum weltweit zweitgrößten Radioteleskop zu senden“, berichtet Krause-Rehberg begeistert. Wie weit die Distanz war – der Mond ist von der Erde schließlich 384.401 Kilometer entfernt – zeigte sich schnell oder besser noch sehr langsam. Die Signalverzögerung war immens. Der funktypische Wortlaut „Bitte Kommen“ war zwei Sekunden vom Sender zum Empfänger unterwegs; die Antwort kam also erst nach langen vier Sekunden.

Neben aller Euphorie gibt es aber auch Sorgen. Mit dem Umbau des ehemaligen Physikinstitutes zum Uni-Museum verliert die „Clubstation“ ihr Domizil im Turm. Der soll perspektivisch für Museumsbesucher geöffnet werden. Einher mit dieser bitteren Pille ging auch die Entscheidung, dass die große Kurzwellenrichtantenne vom Dach muss, das Flaggschiff der Amateur-Funker. „Wir müssen uns nach einem Ausweichquartier umsehen“, sagt Krause-Rehberg. Das geht am besten vom Turm des alten Physikinstitutes. Warum? Weil man hier den Ausblick auf die Dächer hat. Schließlich soll die Antenne wieder so hoch wie möglich aufgestellt werden. Text: Michael Deutsch

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