„Megapomponia intermedia“ heißt die südostasiatische Zikadenart, zu der auch das abgebildete Präparat aus der Zoologischen Sammlung gehört. (Foto: Joachim Händel)

„Megapomponia intermedia“ heißt die südostasiatische Zikadenart, zu der auch das abgebildete Präparat aus der Zoologischen Sammlung gehört. (Foto: Joachim Händel)

„Cicadas“: Ein klingendes Kunstwerk

Ein klingendes Kunstwerk mit 60 elektromechanischen Zikaden erklärt das Phänomen der biologischen Evolution? Auf dieses viel versprechende Event dürften nicht nur Naturwissenschaftler und Künstler äußerst gespannt sein. Das einmalige Projekt des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Universität lässt wahrscheinlich jeden aufhorchen, der dem „Gesang“ der Zikaden lauschen und dabei etwas lernen möchte. Ab 21. Juni öffnet die Schau, eine Liaison von Kunst und Biologie, ihre Pforten.

Zikaden („Cicadas“) sind ausgesprochen kommunikative Tiere. Die Insekten verständigen sich mit rhythmisch zirpenden Gesängen, die sie in vielen Facetten unermüdlich ertönen lassen. „Daher sind gerade sie bestens geeignet, biologische Abläufe zu demonstrieren“, sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU. Zu erleben ist die ungewöhnliche Ausstellung auf 48 Quadratmetern in einem Eckraum im Erdgeschoss des künftigen Naturkundemuseums am Friedemann-Bach-Platz 6. „Cicadas“ wird für drei Monate zu sehen und insbesondere zu hören sein. Die Bundeskulturstiftung fördert sie mit 98.000 Euro.

Um das rhythmische Zirpen echter Zikaden zu imitieren, werden die Kunstzikaden mit einem winzigen Motor ausgestattet. (Foto: Joachim Händel)

Um das rhythmische Zirpen echter Zikaden zu imitieren, werden die Kunstzikaden mit einem winzigen Motor ausgestattet. (Foto: Joachim Händel)

Die Sonderschau soll einen Vorgeschmack auf den innovativen Charakter zukünftiger Ausstellungskonzepte unter der wissenschaftlichen Leitung von Steinheimer vermitteln. Denn ab 2015 will die Universität zentrale Exponate ihrer international bedeutenden Naturkundesammlung dort dauerhaft multimedial präsentieren. Erstmals erläutern hier optische und haptische, olfaktorische und akustische Medien die Evolution. Das ist neu in der europäischen Museumslandschaft.

Vor allem sollen die Zufälligkeit und Unvorhersehbarkeit von Prozessen der Evolution nachgespielt und damit veranschaulicht werden: Dazu „musiziert“ in „Cicadas“ eine Kolonie von nachgebildeten Singzikaden in einer. „Diese abstrakte Kunstwelt ermöglicht einen leichteren Zugang als wilde ungezähmte Natur“, weiß Frank Steinheimer. „Man kann in der Ausstellung nicht nur Exponate sehen, sondern sie mit allen Sinnen begreifen. Das Thema Evolution wird gewissermaßen inszeniert.“

Die Installation entwickelt der international bekannte argentinische Klangkünstler und Komponist Edgardo Rudnitzky. Er stattet die Kunstinsekten mit einem differenzierten Kommunikationssystem aus. Die jeweils mit einem winzigen Motor und Getriebe versehenen Zikaden zirpen in vier speziell angeordneten Holzkästen. Selbst auf Besucher reagieren die Kunstzikaden, indem sie zum Beispiel verstummen, wenn jemand zu dicht an sie heran tritt, um „möglichen Fressfeinden“ zu entgehen. Sie ändern ihre Frequenz, wenn sich die Klänge mit dem Gesang anderer Arten vermischen.

Unvorhersagbare klangliche Interaktionen sind das Ergebnis. Zu einer Inszenierung gehört aber auch ein Bühnenbild. Dafür konnte der Berliner Bühnenbildner und Designer Oliver Proske gewonnen werden. Er übernimmt die künstlerische Gestaltung und sorgt für ein sphärisches Raumerlebnis. Text: Ute Olbertz

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