Nach ihrem ersten Boxtraining will Autorin Maria Preußmann die Laufschuhe jetzt regelmäßig gegen Boxhandschuhe tauschen. (Foto: Michael Deutsch)

Nach ihrem ersten Boxtraining will Autorin Maria Preußmann die Laufschuhe jetzt regelmäßig gegen Boxhandschuhe tauschen. (Foto: Michael Deutsch)

Endlich die Faust im Sandsack versenken

Manchmal weiß ich nicht wohin mit meiner Energie. Normalerweise gehe ich dann laufen. Doch für scientia halensis habe ich meine Laufschuhe gegen Boxhandschuhe getauscht. Ich wollte es wissen: Fühlt es sich wirklich so gut an, seine Fäuste mit aller Kraft in einem Sandsack zu versenken?

In der Boxhalle am Gimritzer Damm erwartet mich Christian Henze. Der Sportstudent boxt seit zwölf Jahren. Seine Erfahrungen gibt er nun beim Uni-Boxen als Trainer weiter. Weil ich den Sport bisher nur aus dem Fernsehen kenne, komme ich zum Anfängertraining. Ich bin heiß auf die Boxhandschuhe. Nur sind die für das heutige Programm gar nicht vorgesehen. Weil es den anderen Teilnehmern genau wie mir geht, kündigt Henze kurz entschlossen an: „Wir machen heute das Fortgeschrittenen-Programm.“ Na gut, denke ich. Hauptsache Handschuhe.

Los geht´s mit einer klassischen Box-Erwärmung. Wir imitieren Schläge und durchlaufen drei Mal einen Parcours. Seilspringen, Hantelscheiben stemmen und Schlusssprünge über die Bank. Nach der ersten Runde laufen mir die Schweißperlen nicht nur über die Stirn, sondern auch über Nacken, Arme und Beine. Warum habe ich nur eine lange Sporthose angezogen?

Während des Trainings fällt mir auf, dass fast so viele Frauen wie Männer am Kurs teilnehmen. „Mit Regina Halmich wurde der Sport auch für Frauen attraktiv“, erklärt Henze. Das Uni-Boxen nutzen aber die wenigsten, um an Kämpfen teilzunehmen. Es ist vielmehr ein Fitnessprogramm. „Trotzdem will ich einige motivieren, auch bei Boxkämpfen mitzumachen.“ Potentielle Kandidatin ist meine heutige Boxpartnerin Melanie Krüger. Als wir endlich auf den Sandsack hauen, zeigt sie mir, wie ich die Schläge am besten verteile. Seitwärtshaken, Aufwärtshaken. Hauptsache die Deckung halten. Ich gebe noch mal alles.

Der Verein „Boxring Eintracht Halle e.V.“ gibt Henze die Möglichkeit Box-Halle, Trainingsgeräte und Handschuhe kostenlos zu nutzen. Im September 2009 hat der Verein außerdem das Sozial- und Integrationsprojekt „Boxen statt Gewalt“ ins Leben gerufen, finanziert vom Bundesministerium des Innern. Neben Trainingsangeboten findet täglich eine Hausaufgabenbetreuung statt.

Nach dem Training bin ich erschöpft. Ich habe noch Tage später Muskelkater und fühle mich ausgepowert. Jegliches Gewaltpotential habe ich im Sandsack verstaut. Demnächst, nehme ich mir vor, tausche ich Waldwege einmal pro Woche gegen die Boxhalle. Text: Maria Preußmann

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