Präparat einer echten Singzikade (Foto: ZNS)

Klanginstallation "Cicadas" erklärt Phänomen der Evolution

Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der MLU öffnet mit seiner Sonderausstellung „Cicadas“ das erste Schaufenster in das innovative Ausstellungskonzept des zukünftigen Naturkundlichen Universitätsmuseums. Ein klingendes Kunstwerk mit über 50 elektromechanischen Kunstzikaden erklärt das Phänomen der biologischen Evolution. Auf dieses viel versprechende Event, das Kunst und Biologie miteinander vereint, dürften Kunstinteressierte wie Naturwissenschaftler besonders gespannt sein. Seit heute (22. Juni) ist die Ausstellung allgemein zugänglich.

Zikaden („Cicadas“) kommunizieren mit rhythmisch zirpenden Gesängen, die sie in vielen Facetten unermüdlich ertönen lassen. „Daher sind gerade sie bestens geeignet, biologische Abläufe zu demonstrieren“, sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU.


Die Klänge der maschinellen Zikaden aus dem Ausstellungsraum. Je nachdem, wo sich der Gast befindet, reagieren die Kunstzikaden anders

Vor allem soll die Zufälligkeit von Prozessen der Evolution nachgespielt und damit veranschaulicht werden. „Diese abstrakte Kunstwelt ermöglicht einen leichteren Zugang als wilde ungezähmte Natur“, weiß Frank Steinheimer. „Man kann in der Ausstellung nicht nur Exponate sehen, sondern sie mit mehreren Sinnen begreifen. Das Thema Evolution wird gewissermaßen inszeniert.“ Das Bühnenbild des Berliner Bühnenbildners und Designers Oliver Proske rundet diese „Inszenierung“ ab. Die Abstraktion der Natur in einen Kunstkosmos wird durch die Raumgestaltung als in sich ruhender und diffus leuchtender Gesamtmantel von amorpher Gestalt betont. Die biologische Mitteilung prägt sich neben dem speziellen Raum- und Klangeffekt tief ein: alles ist wandelbar, ungerichtet und eben – evolutiv.


Nichts für schwache Ohren: Originalaufnahme der Tosena depicta*

Zu erleben ist die ungewöhnliche Ausstellung auf 48 Quadratmetern in einem Eckraum im Erdgeschoss des künftigen Naturkundemuseums am Friedemann-Bach-Platz. „Cicadas“ wird für vier Monate zu sehen und insbesondere zu hören sein. Die Bundeskulturstiftung fördert die Sonderausstellung maßgeblich. Begleitend zur Exposition werden das Konzept zum Museum und einige wenige Spitzenexponate aus den wissenschaftlichen Sammlungen gezeigt. Die Sonderausstellung läuft vom 22. Juni bis zum 30. Oktober 2012, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt zwei Euro, ermäßigt ein Euro. Besucher der Stiftung Moritzburg erhalten 50 Prozent Reduktion. Es gibt einen 76-seitigen Katalog zur Ausstellung für 9,90 Euro.


Die Purana nebulilinea unterscheidet sich von ihren Artgenossen unter anderem durch die Tonhöhe*

„Cicadas“ soll einen Vorgeschmack auf künftige Museumsprojekte vermitteln, denn ab 2015 will die Universität zentrale Exponate ihrer international bedeutenden Naturkundesammlung dort dauerhaft multimedial präsentieren. Erstmals erläutern hier dann optische und haptische, olfaktorische und akustische Medien die Evolution. Text: Ute Olbertz

*Alle Originalaufnahmen der Zikaden stammen aus dem Archiv von Akad. Prof. Dr. Matija Gogala, von der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

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Kommentare [ 1 ]

1 Scientia Halensis : Ein Präsident bei den Zikaden schrieb am 11.05.2016 um 13:20

[…] die elektromechanischen Zikaden zirpen, ist im Onlinemagazin zu hören. (kurz notiert von Corinna […]

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