Rektor Udo Sträter spricht in diesen Tagen mit vielen Universitätsangehörigen über ein Strukturanpassungskonzept. (Foto: Maike Glöckner)

Rektor Udo Sträter spricht in diesen Tagen mit vielen Universitätsangehörigen über ein Strukturanpassungskonzept. (Foto: Maike Glöckner)

Sparen, um zu kämpfen

Das Defizit ist beachtlich: 6,5 Millionen Euro fehlen der Martin-Luther-Universität. Im Oktober-Senat soll ein Strukturanpassungskonzept vorliegen, das ein entsprechendes Sparpotenzial aufzeigt. Bei Studierenden, dem Personalrat und weiteren Akteuren schrillen die Alarmglocken. Ein Stellenabbau solle verhindert, mehr Geld vom Land gefordert werden. „Das ist illusorisch“, sagt Rektor Udo Sträter. Die Universität müsse zeigen, dass sie mit ihrem aktuellen Budget auskommen kann – um dieses 2013 „mit allen Mitteln“ zu verteidigen.

Am heutigen Donnerstag sind Rektor und Kanzler dabei, wenn der Personalrat sich zur Klausursitzung trifft. Morgen gibt es mehrere Gespräche mit Dekanen und Prodekanen, wie schon in den vergangenen Tagen und Wochen. In der kommenden Woche geht es munter weiter, unter anderem stehen Termine mit dem Studierendenrat und Vertretern weiterer Statusgruppen auf dem Plan. Die Zeit drängt: Bis zum 30. September soll das Strukturkonzept stehen, zu dessen Erstellung der Senat das Rektorat in Anbetracht der prekären Haushaltslage im Juli aufgefordert hat – und das bei der kommenden Senatssitzung am 10. Oktober lebhaft diskutiert werden dürfte.

Schon jetzt spricht die Gewerkschaft ver.di von einer „Selbstkastration“, der Studierendenrat wählt ähnliche Formulierungen. In seiner Stellungnahme fordert er das Rektorat auf, „politischen Druck aufzubauen“. Die Mitteldeutsche Zeitung kommentierte, die Uni Halle erwäge „zu sparen, bevor die nächsten Zielvereinbarungen anstehen, vorauseilend sozusagen“. Am Ende werde „nur eins stehen: Unterfinanzierung“.

Von „vorauseilend“ könne nicht die Rede sein, sagt hingegen Rektor Prof. Dr. Udo Sträter. „Im Gegenteil: Wir kümmern uns hier um ein Problem der Vergangenheit, das nicht bewältigt ist. Politisch ist das Schnee von gestern.“ Im Prinzip schleppe die MLU das Defizit seit 2006 mit sich herum, von Jahr zu Jahr habe es sich erhöht. Die Universität habe es bislang abfedern können, „mittelbar durch das Geld aus dem Hochschulpakt, das wir zum Erhalt der bestehenden Studienplätze eingesetzt haben“. Doch der Hochschulpakt laufe demnächst aus, ob er verlängert werde, sei ungewiss. „Daher müssen wir aus dieser Schleife raus und ins Budget rein“, sagt Sträter.

Rund 135 Millionen Euro brauche die MLU jährlich. „Das müssen wir 2013 durchsetzen, wenn es um neue Zielvereinbarungen und einen neuen Doppelhaushalt geht. Um dieses Budget werden wir dann mit allen Mitteln kämpfen. Aber das können wir nur, wenn wir vorher Klarheit schaffen.“

Das bedeute in der Tat: Kürzungen. „Aber hier wird natürlich niemand entlassen. Und wir holen auch nicht den Rasenmäher raus. Die Frage lautet: Welche frei werdenden Stellen besetzen wir wieder, welche nicht?“ Es gehe um Profilbildungen und Kooperationen. „Fächergruppen können neu miteinander vernetzt oder neu strukturiert werden. Dann können auch mal aus sechs Professuren fünf werden.“ Auch kleine Bereiche könne man so aufstellen, „dass sie auf die Beine kommen, mehr Studierende anziehen und mehr Drittmittel einwerben“.

Ein Diskussionspapier habe das Rektorat bereits geliefert. Darin werde auch klar, „dass sich der Prozess bis 2018/19 hinziehen wird“. Natürlich dürfe das Profil der Martin-Luther-Universität nicht geschädigt werden, und ihre Leistungsfähigkeit müsse erhalten bleiben. „Wir werden mit Sicherheit keine Professuren aus Forschungsschwerpunkten herausnehmen und auch nicht aus Bereichen, die von Studierenden besonders stark nachgefragt werden.“

Zudem gebe es noch einen Faktor, der derzeit nicht einzuschätzen sei: Mitte kommenden Jahres will der Wissenschaftsrat seinen Bericht zur Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts vorlegen. „Es kann durchaus sein, dass wir das Einsparpotenzial dann im Herbst 2013 anders definieren als jetzt. Aus meiner Sicht weisen die Vorschläge des Rektorats entsprechenden Spielraum auf.“

Er wolle die Verhandlungsposition der MLU stärken, erklärt Sträter. „Die Botschaft an die Landesregierung und die Abgeordneten lautet: Wir bringen unsere Strukturen in Ordnung – aber dann ist auch Ende der Fahnenstange.“

Carsten Heckmann

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Kommentare [ 6 ]

1 Scientia Halensis : "Große Sorgen" schrieb am 11.05.2016 um 14:02

[…] Die 6,5 Millionen seien ein Defizit, das Universität seit 2006 mit sich herumschleppe, sagte er im Interview. Nur wer jetzt Klarheit schaffe, könne bei den nächsten Verhandlungen mit dem Land um seine […]

2 “Sport tut Halle gut”: Studenten protestieren | Wissenschaft in Halle schrieb am 06.12.2012 um 16:27

[...] kri­tisch zur Struk­tur­de­batte, Rek­tor Udo Strä­ter legte noch ein­mal die Hin­ter­gründe und die Posi­tion des Rek­to­rats [...]

3 Sondertreffen der Studierenden mit Rektor wegen aktueller Haushaltsdiskussion | Fraktion der Offenen Linken Liste (OLLi) schrieb am 09.10.2012 um 11:05

[...] Sparen, um zu kämpfen – Bericht in der scientia halensis. [...]

4 Geht der Uni bald das Geld aus? | Unimono schrieb am 01.10.2012 um 19:09

[...] Sparen, um zu kämpfen – Bericht in der scientia halensis. [...]

5 Kurt Friese schrieb am 21.09.2012 um 8:55

Ich finde den Ansatz und die Argumentation vom Rektor der Universität durchaus ehrenwert und nachvollziehbar, aber es wird damit leider zu keiner Verbesserung der angespannten Situation kommen. Das Problem liegt auf der polititschen Ebene, wo seit Jahren/Jahrzehnten "Mantra-artig" Lippenbekenntnisse zur großen Bedeutung der Bildung im Land quer durch alle Parteien abgegeben, diese aber finanziell nicht entsprechend untersetzt werden. Ein (1) km Autobahn-Neubau kosten zwischen 5 und 6 Mio. Euro! Ergo: 2 Kilometer weniger A14-Nordverlängerung würden also nicht nur das Defizit der MLU ausgleichen, sondern könnten sogar noch zusätzliche Mittel für den ausgebluteten Mittelbau freisetzen. Natürlich ist das aufgrund der Mischfinanzierung einer so großen Infrastrukturmaßnahme ein nicht ganz zulässige Vergleich, aber ich finde es trotzdem immer wieder hilfreich, sich solche Größenordnungen vor Augen zu führen. Um die Universitäten weiter zu entwickeln müssten Zielvereinbarungen auch einen jährlichen Aufwuchs enthalten, der deutlich über den Tarifsteigerungen und der Inflationsrate liegt.

6 Stefan Dorl schrieb am 20.09.2012 um 17:30

"Aber hier wird natürlich niemand entlassen. Und wir holen auch nicht den Rasenmäher raus. Die Frage lautet: Welche frei werdenden Stellen besetzen wir wieder, welche nicht?“! Ob man Leute entlässt oder "nur" einfach frei werdende Stellen nicht besetzt; das läuft doch auf das gleiche hinaus. Der Arbeitsdruck für die verbleibenden Mitarbeiter wird noch höher - wenn es Dozentenstellen betrifft, dann wird die Betreuung der Studierenden noch schlechter als jetzt schon. Und der Ist-Zustand ist schon alles andere als befriedigend. Es gibt doch im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder man reduziert die Studierendenzahlen auf die eigentlich vorgesehenen 13.000 oder man muss mehr Geld von der Politik fordern (oder geht einen Mittelweg, dritte Variante) - alle andere Möglichekiten führen zu einer Verschlechterung der Lehrqualität und Arbeitsbedingungen!!!

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