Twitter und mehr: Wirtschaftsinformatiker trafen sich in Wittenberg

Wo hört Forschung auf? In der Wirtschaftsinformatik auf jeden Fall nicht an den Uni-Mauern. Vom 9. bis zum 11. November 2012 stand die Leucorea der Martin-Luther-Universität ganz im Zeichen der Wirtschaftsinformatik. Beim 16. interuniversitären Doktorandentreffen tauschten sich Promovierende über ihre aktuellen Forschungsthemen aus. Zu ihnen gehörte auch Uwe Bretschneider von der MLU, der die Analyse von Meinungsbeiträgen bei Twitter untersucht.

Insgesamt reisten 60 Teilnehmer des interuniversitären Doktorandenseminars aus Chemnitz, Dresden, Freiberg, Leipzig, Halle, Ilmenau und Jena in den östlichen Teil Sachsen-Anhalts, um in der beschaulichen Lutherstadt Wittenberg ihre Forschungsarbeiten vorzustellen und sich in lebendigen Diskussionen Anregungen für ihre Arbeiten einzuholen. Das Seminar wurde in diesem Jahr erstmals zweitägig durchgeführt und vom Team des Lehrstuhls für Betriebliches Informationsmanagement von Prof. Dr. Stefan Sackmann der MLU organisiert.

Zu den vortragenden Doktoranden gehörte auch Uwe Bretschneider, der sein Vortragsthema im Interview erläutert:

Ihr Thema sind „Vorhersagen und Stimmungsanalyse im Web 2.0“ – was verbirgt sich dahinter?
Uwe Bretschneider: Im Web existiert eine große Menge von öffentlich verfügbaren Inhalten. Diese Inhalte sind zum großen Teil von Nutzern sozialer Netzwerke erstellt und enthalten neben Fakten vor allem subjektive Aspekte und Stimmungen. Mit Hilfe der Stimmungsanalyse können diese untersucht und für wirtschaftliche Anwendungen nutzbar gemacht werden. Das wird Thema meiner Arbeit sein. Ich bin zurzeit dabei, meine Forschungsfrage in Hinblick auf die Integration der sozialen Netzwerkanalyse in diesen Kontext zu konkretisieren.

Uwe Bretschneider arbeitet an Stimmunganalyse für Twitter (Foto: privat)

Uwe Bretschneider arbeitet an Stimmunganalyse für Twitter (Foto: privat)

Für wen ist eine solche Analyse interessant?
Wenn ein Filmverleih beispielsweise einen Film ankündigt und schon vor der Veröffentlichung das erste Meinungsbild der Twitternutzer kennt, dann kann er durch seine Werbestrategie darauf noch gezielt einwirken und so seine Absatzchancen verbessern.

Wie neu ist Ihr Forschungsthema?
Es gibt schon einige Untersuchungen auf der Grundlage von Stimmungsanalysen im Netz. Ich möchte diese Analyse aber speziell auf Twitter zuschneiden und die Besonderheiten dieses Netzwerk in die Analyse mit einbeziehen.

Warum haben Sie sich gerade Twitter ausgesucht?
Twitter ist sehr populär und animiert die Nutzer zu meinungsbehafteten Beiträgen.

Eingeläutet von einem Praxisbeitrag der Prologa GmbH aus Halle wurden den Teilnehmern des Treffens viele interessante und thematisch abwechslungsreiche Vorträge geboten, die das Themenspektrum der Wirtschaftsinformatik mit Fragen der Agilität von Unternehmen, der Flexibilität und Compliance von Geschäftsprozessen, den Möglichkeiten des Web 2.0 sowie Forschungsergebnissen aus den Bereichen Logistik und eHealth repräsentierten. Abseits der Vorträge bot sich während der Pausen immer wieder die Möglichkeit, thematisch gleichgesinnte Doktoranden kennen zu lernen und die eigenen Netzwerke auf- und auszubauen.

Das Doktorandenseminar hat gezeigt, dass durch die vielen Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen und begonnene Diskussionen auch außerhalb des eigentlichen Programms fortzusetzen, persönliche Kontakte entstehen können. Damit wurde die Grundlage dafür gelegt, die beteiligten Lehrstühle und Universitäten zukünftig weiter zusammen zu bringen. Die durchgängig positive Resonanz der Teilnehmer ist ein hoher Anreiz dafür, das Doktorandenseminar auch in Folgejahren in ähnlicher Form durchzuführen.

Text: Stephan Kühnel und Stefan Sackmann

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