Noch vertreibt er Solarkrabbelkäfer. Die nächste Gründungsidee hat Hermann Hetzer aber schon im Kopf. (Foto: Michael Deutsch)

Noch vertreibt er Solarkrabbelkäfer. Die nächste Gründungsidee hat Hermann Hetzer aber schon im Kopf. (Foto: Michael Deutsch)

Ein Gründer mit dem Blick fürs Grüne

Mit dem Fahrrad quer durch Frankreich, möglichst wenig Strom verbrauchen und etwas gegen das Problem der globalen Erderwärmung tun: Am Ende dieser Idee steht heute das erfolgreiche Start-Up Vireo des MLU-Alumnus Hermann Hetzer. Auf der Univations Gründerwoche berichtete er von Solarkrabbelkäfern, grünen Ideen und Unternehmergeist.

Clever um die Ecke gedacht hat Hermann Hetzer, als er 2008 seine Radtour durch Frankreich plante. Mit Hilfe von Solar- und Dynamogeräten wollte er möglichst wenig Strom auf seiner Reise verbrauchen. Wie er darauf kam?

„Ich war kein typischer Öko 1.0, aber ich habe mich schon früher gefragt, warum das Ökosystem nicht funktioniert“, erzählt Hetzer. „In der Doku ‚Eine unbequeme Wahrheit‘, die sich ja mit dem Thema beschäftigt, erklärt Al Gore, dass es ganz einfach sei, etwas für die Umwelt zu tun.“ Die Radtour sollte Hetzers Beitrag werden. Gut, dass er zuvor im Netz auf eine Solartasche gestoßen war. „Zuerst habe ich mich gefragt, was ich damit machen kann. Aber nach und nach bin ich auf immer mehr Produkte gestoßen, mein Interesse war geweckt und in Frank-reich habe ich sie getestet“, erklärt Hetzer.

Mit Erfolg – die grünen Produkte sind heute Teil seines Online-Shops Vireo. Das Sortiment aus umweltfreundlicher Elektronik, Technik und Öko-Spielzeug ist eine echte Alternative zu vielen herkömmlichen Produkten. „Mit den Artikeln wollen wir einen Schritt in die richtige Richtung machen“, erklärt der Gründer die Philosophie des Unternehmens. Doch bei den Produkten ist noch längst nicht Schluss mit dem grünen Gedanken: Das umweltfreundliche Verpackungsmaterial und Liefersystem sowie die Büroausstattung sind ganz im Sinne der Unternehmensethik von Vireo.

Noch vertreibt er Solarkrabbelkäfer. Die nächste Gründungsidee hat Hermann Hetzer aber schon im Kopf. (Foto: Michael Deutsch)

Noch vertreibt er Solarkrabbelkäfer. Die nächste Gründungsidee hat Hermann Hetzer aber schon im Kopf. (Foto: Michael Deutsch)

Seine Gründungserfahrungen hat Hetzer während der Univations Gründerwoche im November 2012 mit Studierenden der Uni geteilt. Als Gründeruniversität Sachsen-Anhalts will die MLU unternehmerisches Denken vermitteln und fördern. Im bundesweiten Wettbewerb „EXIST-Gründungskultur – Die Gründerhochschule“ wurde sie als eine von zehn Hochschulen für ihr Konzept von einer ganzheitlichen Innovations- und Gründungsförderung ausgezeichnet. Mit der Gründerwoche sollten neben Studierenden auch wissenschaftliche Mitarbeiter, Professoren, Absolventen und Gründer angesprochen werden, um sie für Unternehmertum zu begeistern.

Eine unsichere, aber schöne Zeit

Begeistert ist auch Hetzer, wenn er von seinem Werdegang berichtet und von einer schicksalshaften Mitfahrgelegenheit. „Nach meiner Radtour habe ich einen Freund in München besucht, der sich auch für grüne Ideen interessierte und ein Freiluftmuseum für Innovationen gründen wollte. Das Ganze hat er weiter entwickelt und diese Dinge dann in einem Laden in München verkauft“, erzählt Hetzer. Auf der Rückfahrt in seine Heimatstadt Merseburg kam er dann ins Grübeln: Sollte er sich am Projekt beteiligen oder nicht? Seine Mitfahrerin riet ihm: „Wenn du es nicht wenigstens probiert hast, ärgerst du dich später.“Schon früher hatte Hetzer sein Taschengeld mit innovativen Ideen aufgebessert: Gebrauchte Laptops erklärte er nicht für schrottreif, sondern brachte sie auf Vordermann und verkaufte sie weiter. Hetzer zog nach München, arbeitete ein dreiviertel Jahr bei seinem Freund und wusste dann, dass er mehr wollte. Während seines Studiums machte er bereits erste gute Erfahrungen im Onlinehandel. Die wollte er nun ausbauen.

Mit dem Verkauf von zwei verschiedenen USB-Sticks aus Bambus und Bioplaste machte sich Hetzer 2009 selbstständig. „Das Interesse an den beiden USB-Sticks war enorm, viel verdienen ließ sich damit aber nicht. Nach und nach habe ich dann neue Produkte dazugekauft. Die stapelten sich im Flur meiner Münchner WG. Lange wollte ich das meinen Mitbewohnern nicht antun“, berichtet der junge Gründer. „Ich bin dann wieder zurück nach Merseburg gezogen. Dort hatte ich ein Büro und ein Netzwerk.“

2010 gründete Hetzer seinen Online-Shop Vireo, nutze seine Kontakte und vernetzte sich weiter – auch mit Hilfe von Univations. „Die Studenten sollten den Gründerservice viel öfter nutzen. Ich hab schon während meines Studiums Vorlesungen besucht und in der Gründungsphase dann verschiedene Seminare“, erklärt er und betont noch einmal, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist.

„Und genauso wichtig ist ein Team: Ohne meine Kollegen würde ich nicht so gut vorankommen“, erklärt Hetzer, der im Februar 2012 seinen ersten festen Mitarbeiter einstellen konnte. Das Start-Up läuft gut. „Manchmal wäre ich aber gern wieder am Anfang. Es ist eine unsichere, aber schöne Zeit, in der man einfach viel gestalten und ausprobieren kann. Eine neue Gründungsidee steht schon in den Startlöchern.“ Sarah Huke

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar wird schnellstmöglich durch unser Team freigeschaltet.

Kommentar