Porto. Große Brücke. Erbaut 1876 bis 1877 von Gustave Eiffel (Foto: Alfred Erhardt, 1951)

Porto. Große Brücke. Erbaut 1876 bis 1877 von Gustave Eiffel (Foto: Alfred Erhardt, 1951)

Alfred Erhardt, Gesichter Afrikas und Kunst im Kleinen

Kultur-Tour durch die Ausstellungen der Universität Halle: Wer die Mittagspause nicht am Schreibtisch verbringen will oder eine Abwechslung zum Hochschulalltag sucht, der kann sich eine der derzeitigen Ausstellungen an der Martin-Luther Universität anschauen. Scientia halensis hat sich umgesehen und stellt die Ausstellungen im Löwengebäude, im Institut für Physiologische Chemie und im Robertinum vor.

Gnadenlose Arbeitsbedingungen unter glühender Sonne

Wer sich für Fotografie interessiert, der sollte seine eigene Kultur-Tour auf dem Universitätsplatz beginnen. Das Universitätsmuseum zeigt mit dem Institut für Romanistik eine Alfred Erhardt-Fotoausstellung im Löwengebäude. Zu sehen sind Originalabzüge aus den 50er Jahren, in für damalige Verhältnisse hervorragender Qualität. „Normalerweise sind Abzüge aus dieser Zeit deutlich kleiner“, erklärt Prof. Thomas Bremer vom Institut für Romanistik scientia halensis. An rostroten Wänden hängen 72 der rund 400 Fotos, die Erhardt 1951 während seines dreimonatigen Aufenthalts in Portugal fotografiert hat. Neben den Fotos gibt es im Universitätsmuseum auch den preisgekrönten Film „Portugal – Unbekanntes Land am Meer“ zu sehen. Einige der Szenen lassen sich bei genauerem hinschauen auf den Fotos wieder finden. „Eigentlich war Erhardt Filmemacher. Wenn ihm eine Einstellung gefiel, dann hat er sie auch noch fotografiert“. Der abendfüllende Fernsehkulturfilm wurde zur kulturellen Information der Bevölkerung gezeigt und war „das historische Gegenstück zu einem Reisefeature heute“, so Bremer.

Noch bis zum 7. März werden die reizvollen Fotos im Universitätsmuseum gezeigt, die die Bauhausprinzipien verdeutlichen. Die Sonderausstellung, die das Werk Erhardts künstlerisch in Ehren hält, ist nach urbanen und landschaftlichen Räumen sortiert. So lassen sich neben den Städten Lissabon und Porto, auch kontrastreiche Naturräume und die arbeitende Bevölkerung bewundern. „Man darf nicht vergessen, wie rückständig und archaisch die Menschen zu damaliger Zeit in Portugal gelebt haben“, erzählt Bremer. Der Tenor der Bilder lässt sich daher auch mit „Harte Arbeit in unwirtlicher Umgebung“ beschreiben. Man sieht den Menschen die gnadenlosen Sozialbedingungen förmlich an. Beeindruckend sind die harten Schatten, die jedes der Bilder auszeichnet. Dank der glühenden Sonne, zeigen sich dem Betrachter einzigartige Motive mit ungewöhnlichen Perspektiven.

Ort: Universitätsmuseum im Löwengebäude, Universitätsplatz 11, 06108 Halle

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 11.00 – 13.00 Uhr und 14.00 – 18.00 Uhr
Sonntag: 14.00 – 18.00 Uhr
Montags, samstags und Feiertags geschlossen

Führungen durch die Ausstellung:
Donnerstags, 17.00 Uhr

 

„Nicht nur Gesichter Afrikas, sondern Gesichter glücklicher Menschen“

"Muzukulu" kommt aus der Luganda‑Sprache und bedeutet "Enkelkind" (Foto: Dagobert Glanz)

„Muzukulu“ kommt aus der Luganda‑Sprache und bedeutet „Enkelkind“ (Foto: Dagobert Glanz)

 

Wer nicht genug von Fotos bekommen kann, sollte den Weg vom Universitätsplatz ins Institut für Physiologische Chemie in der Hollystraße nicht scheuen. Seit dem 24. Januar können sich Interessierte hier die Fotos der Menschen und Natur Ugandas anschauen. Scientia halensis wurde von Prof. Dr. Jürgen Lasch und Dr. Dagobert Glanz in den weiten Foyers des Instituts begrüßt. Über drei Etagen erstrecken sich viele der Fotos, die Hobbyfotograf Glanz auf seinen Reisen nach Uganda aufgenommen hat. Glanz, der sich im Verein „Mwana Wange e. V.“ für bedürftige Schulkinder in Uganda engagiert, war 1999 das erste Mal in Afrika. „Ich würde gern öfter fahren, aber natürlich bezahlen wir die Reisen selbst und dann sind da ja noch die Familie und die Studenten.“ Begeistert erzählt er scientia halensis von seinen Reisen in das Land: „Wir fahren nach Uganda, um den Kontakt mit den Kindern aufrecht zu erhalten und zu sehen welche Fortschritte sie machen. Wir sehen dann nicht nur Gesichter Afrikas, sondern Gesichter glücklicher Menschen, die froh sind, lernen zu dürfen.“

Dr. Glanz gibt bereitwillig Auskunft und hält allerlei Anekdoten zur Verfügung, wenn Besucher die Bilder anschauen wollen. „Ich war zum 100 jährigen Bestehen der vor Ort arbeitenden Ordensschwestern dort. Da haben wir Uganda im Dezember besucht und saisongemäß Heuschrecken, die `Schnitzel des Urwalds` gegessen“.

Neben den vielen faszinierenden Bildern des fremden Landes, kann man bei einem Besuch im Institut auch ein Triptychon bewundern. „Ein Stück Kultur, das neben den vielen Ausstellungen immer da ist“, so Lasch. Dank Verbindungen zur Burg stellte das Institut schon zu DDR-Zeiten Werke berühmter Künstler aus.

Ort: Institut für Physiologische Chemie, Hollystraße 1, 06114 Halle

Enormes Selbstbewusstsein und höchster Kunstgenuss

Bildnis des Herakles mit Löwenskalp, Karneol, hellenistische Zeit - Kopie

Bildnis des Herakles mit Löwenskalp, Karneol, hellenistische Zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Ausstellung ganz anderer Art ist noch bis 19. April auf dem Universitätsplatz zu erleben. In einem der Räume des Archäologischen Museums wurde ein historischer Münztisch aufbereitet und das Ambiente eines Studierzimmers hergerichtet. Und dort liegen sie, die kleinen Halbedelsteine der Ausstellung „Kunst im Kleinen. Antike Gemmen aus Privatbesitz“. Mit einfachsten Werkzeugen wurden szenische Darstellungen, Porträts, Masken, Götter oder reale Tiere in den harten Stein geschnitten, der zum Teil nicht größer als ein Fingernagel ist. Um die ganze Bandbreite der kleinen Kunstwerke zu genießen, schaut der Besucher am Besten durch eine der vorhandenen Lupen.

Doch Vergrößerungsgläser gab es zur Hochzeit des römischen Reiches noch nicht. „Man hat sich damals einfach die Zeit genommen, die Steine zu betrachten. Sie waren Ausdruck höchsten Kunstgenusses. Man hat sie der Familie als Schmuckstück geschenkt oder als Siegelstein verwendet“, erhellt Philipp Jahn scientia halensis. Der Student des Seminars „Antike Glyptik“, auf dem die Ausstellung aufbaut, führt durch die Sammlung. „Die Gemmenschneider haben sich gelegentlich auf den Steinen verewigt. Das zeugt von einem enormen Selbstbewusstsein und der hohen Anerkennung, die diese Leute genossen haben müssen“. Während seiner Ausführungen läuft eine Beamerpräsentation mit Fotos der Stücke. So wurde eine neue Möglichkeit gefunden, die kleinen Zeugnisse zu genießen. Zu Goethes Zeiten verwendete man dafür eine Daktyliothek. In ihr werden Abdrücke der Gemmen gesammelt. „Man sieht dann noch mehr Feinheiten und kann anhand der Stilistik das Alter bestimmen“, erklärt Jahn. Das älteste Stück der Sammlung zeigt ein Flügelpferd aus dem 7. Jahrhundert vor Christus.

Ort: Archäologisches Museum der MLU im Robertinum, Universitätsplatz 12, 06108 Halle

Öffnungszeiten: Bis 19. April 2013 jeweils donnerstags geöffnet von 15 bis 17 Uhr
Führungen auf Wunsch und nach Anfrage möglich (außer am Sonntag).

Das Universitätsgelände bietet derzeit also viele Möglichkeiten seine Mittagspause nicht nur mit dem Essen zu verbringen, sondern auch Kunst zu genießen. Empfehlen kann man jede der drei Ausstellungen. Text: Christina Naumann

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