„Jazz hat mich immer wieder aufgeweckt und neu belebt.“ Erik Redling mit seinem Tenorsaxophon. (Foto: Maike Glöckner)
„Jazz hat mich immer wieder aufgeweckt und neu belebt.“ Erik Redling mit seinem Tenorsaxophon. (Foto: Maike Glöckner)

Saxophon im Bordgepäck

Erik Redling forscht zur Jazzliteratur. Dabei hatte der Amerikanistik-Professor für lange Zeit den Draht zur Musik verloren. Vor elf Jahren fand er zum Saxophon. Für den gebürtigen Amerikaner stellt das Instrument eine besondere transatlantische Verbindung dar.

Zu Halles großem Sohn Georg Friedrich Händel hat Erik Redling ein besonderes Verhältnis: „Als ich vor drei Jahren als Vertretungsprofessor nach Halle kam, musste ich schmunzeln. Ich habe mit Händels Stücken immer die Tonleiter geübt. Hier habe ich Händels Werk dann auf eine andere Art und Weise kennengelernt“, erzählt er. Das ein oder andere Stück habe er auch verjazzt: „Für Händel-Puristen vielleicht ein Frevel, aber ich hatte Freude daran, seine Stücke arhythmisch zu interpretieren.“

Bevor Erik Redling zu seinem Saxophon kam, waren es Tasteninstrumente, die ihn begeisterten. „Ich habe als Teenager angefangen Orgel zu spielen, dann aber durch Studium und Promotion lange den Draht zur Musik verloren“, erinnert er sich. Um wieder anzuknüpfen begann er 2002 ein neues Instrument zu erlernen: das Tenorsaxophon.

Für ihn ein vielfältiges Instrument – vom melodisch weichen Spiel bis zu den schrei-ähnlichen Klängen des Free-Jazz ist damit alles möglich. Der Literaturwissenschaftler suchte sich einen Privatlehrer, der sich als 80-jähriger Swing-Spezialist entpuppte. „Am Ende unserer wöchentlichen Übungsstunde spielten wir immer ein Stück von Benny Goodman im Duett – er Klarinette, ich Tenorsaxophon – worauf wir uns beide jedes Mal freuten“, so Redling.

Sein Saxophon begleitete ihn auch auf einem Forschungsaufenthalt in die USA. Für ihn stellte das Instrument eine besondere transatlantische Verbindung dar. „Es war schön etwas mitzunehmen, mit dem man so viel verbindet. Ich bin da sehr nostalgisch“, erklärt der Professor für amerikanische Literaturwissenschaft. Auch wenn der Transport mit gewissen Schwierigkeiten verknüpft war: „Das Saxophon darf nicht unterkühlen. Es musste also in der Kabine transportiert werden, damit der Ton nicht verloren geht.“

In seiner Forschung verbindet der Leiter des neuen Mühlenberg-Zentrums für Amerikastudien, das am 29. Januar gegründet wurde, zwei Leidenschaften: die für amerikanische Literatur und Kultur. Jazz spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Jazzliteratur ist einer seiner Forschungsschwerpunkte. „Wie wird Jazz in eine anderes Medium übersetzt und das nicht als bloßes Imitat sondern als metaphorischer Prozess?“, beschreibt Erik Redling seinen Forschungsansatz. Das eigene Saxophonspiel hat ihm dabei auch in der theoretischen Arbeit neue Zugänge erschlossen. Und dennoch bleibe die Musik vor allem ein guter Ausgleich, um abzuschalten und Energie zu tanken: „Jazz hat mich immer wieder aufgeweckt und neu belebt.“

Seit kurzem muss das Saxophonspielen öfter dem Windelwechseln weichen. Denn Erik Redling ist zum ersten Mal Vater geworden, die Zeit zum Musizieren ist knapp. „Ich komme vielleicht noch ein bis zwei Mal im Monat zum Spielen“, sagt er. Eines wird ihn jedoch weiterhin begleiten: Schreiende Töne können bekanntlich Saxophon und Kinder gleichermaßen erzeugen. Christopher Pflug

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