Ende März kehrt Dark Ronald nach Halle zurück. Als erstes Exponat wird er in das neue Domizil des Museums für Haustierkunde am Domplatz 4 einziehen. (Bild: ZNS)
Ende März kehrt Dark Ronald nach Halle zurück. Als erstes Exponat wird er in das neue Domizil des Museums für Haustierkunde am Domplatz 4 einziehen. (Bild: ZNS)

Der Stempelhengst "Dark Ronald"

Seit 86 Jahren ist er bereits tot. Und immer noch löst sein Name Ehrfurcht und Begeisterung aus. Zumindest bei Pferdenarren. Denn Dark Ronald ist Deutschlands Stempelhengst Nummer 1. Durch seine überdurchschnittliche Vererbungskraft hat er die Reitpferdezucht über Generationen geprägt. Zwar reist er heute nur als Skelett in einer Holzkiste. Ist der Unsterbliche aber einmal auswärts unterwegs, dann stiehlt er anderen nach wie vor die Schau – so zurzeit im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg.

Der Universitätspräparator mit Dark Ronalds Skelett im Jahr 1930. (Quelle: ZNS)

Der Universitätspräparator mit Dark Ronalds Skelett im Jahr 1930. (Quelle: ZNS)

Dabei lässt Dr. Renate Schafberg ihr wertvollstes Pferd nur noch selten reisen. „Jeder Transport ist ein Risiko, da fiebert man jedes mal wieder mit“, sagt die Kustodin des Museums für Haustierkunde Julius Kühn. Denn einen wie Dark Ronald gibt es kein zweites Mal: „Er ist der Urgroßvater aller deutschen Reitpferde.“ Seine Nachfahren bevölkern die Galopprennbahnen in Deutschland, Großbritannien und sogar in Australien. Der Vollbluthengst hat sich nicht nur durch seine Nachkommen einen Namen gemacht. Auch seine Schönheit wurde in Ölgemälden und Gipsmodellen verewigt. Als den Vertreter des englischen Vollblutpferds kann man ihn heute als Miniatur erwerben.

„Er war ein typischer Kurzstreckenläufer: Sensibel und rasend schnell. Das lässt sich auch noch an der Grazilität des Skeletts erkennen“, sagt die Museumsleiterin. Grazil und mittlerweile fast gebrechlich. Nur als Kunsttransport professionell verpackt, zwischen Luftpolstern und Styropor festgezurrt, darf das irische Rennpferd heute in seiner zwei Meter langen Holzkiste noch auf Reisen gehen. Den Schädel und sein glänzendes schwarzbraunes Fell – ebenfalls im Museumsbesitz – hat Uni-Präparator Michael Stache sicherheitshalber persönlich nach Oldenburg gebracht. Zusammen mit einer weiteren Legende: Dem rund 50 Millionen Jahre alten versteinerten Urpferd aus dem Geiseltal.

Aber wie kam die Martin-Luther-Universität eigentlich zu ihrem berühmtesten Hengst? „In Halle gab es neben dem Haustiergarten auch die erste deutsche Großtierklinik. Dort gab es sogar einen damals hochmodernen Pferdewender, mit dem Pferde operiert werden konnten. Für Gestütsbesitzer war die Klinik eine bekannte Adresse“, erzählt Schafberg. Eine Darmkolik quälte Dark Ronald, bevor er im Alter von 23 Jahren nach Halle kam.

Wahrscheinlich war er bei seiner Ankunft bereits tot. Denn bei ihrer Untersuchung des Skeletts entdeckte Renate Schafberg die wahre Todesursache: Dark Ronald starb durch einen Schuss in die linke Schädelhälfte. „Er muss schon vor seiner Einlieferung in die Klinik erschossen worden sein. Denn auf diese Art hätte ihn auch damals kein Veterinärmediziner getötet“, sagt Schafberg. Durch wen der Unsterbliche am Ende schließlich doch noch zu Tode kam, bleibt ungeklärt. Text: Corinna Bertz

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