Prof. Dr. Olaf Peters in der Stiftung Moritzburg. Seit 2010 ist er Vorsitzender des wissenschaftlich-künst-lerischen Beirats der Stiftung. (Foto: Michael Deutsch)
Prof. Dr. Olaf Peters in der Stiftung Moritzburg. Seit 2010 ist er Vorsitzender des wissenschaftlich-künst-lerischen Beirats der Stiftung. (Foto: Michael Deutsch)

Ideen an die Wand bringen

Sie erforschen die geschichtliche Entwicklung der Kunst, tauchen in verschiedene Epochen und Kulturen ein, analysieren Stil, Leben und Werk von Künstlern. Wer jedoch vermutet, dass Kunsthistoriker ausschließlich in dunklen Bibliotheken vor verstaubten Büchern sitzen oder in Archiven alte Zeichnungen suchen, der täuscht sich. Prof. Dr. Olaf Peters hat sich für eine wissenschaftliche Laufbahn entschieden, kann der Praxis jedoch nicht den Rücken kehren.

New York im März 2014: In der Neuen Galerie eröffnet die Ausstellung „Entartete Kunst: Der Angriff auf die Moderne Kunst im nationalsozialistischen Deutschland 1937“. Kurator ist der deutsche Kunsthistoriker Olaf Peters. Er ist Professor für Neueste Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Uni Halle. „Das ist die erste Ausstellung seit 23 Jahren auf amerikanischem Boden, die sich mit der Münchner Schau von 1937 beschäftigt. Gezeigt werden Werke, die von den Nationalsozialisten als ‚Entarte Kunst‘ bezeichnet wurden.“

Amerikanische Museen funktionieren anders als in Deutschland: Im Falle der Neuen Galerie New York liefern Wissenschaftler die Ausstellungsideen. Seit 2006 ist Olaf Peters eines von zehn Mitgliedern des Kuratoriums, das die Neue Galerie berät. „Als Wissenschaftler will man nicht ausschließlich interessierte Besucher ins Museum bringen. Man will auch eine Idee, die aus der Forschung entstanden ist, in die Form einer Ausstellung gießen. Das bedeutet, dass manchmal auch weniger populäre Künstler in den Vordergrund gerückt werden. Es macht einfach Spaß, Ausstellungen differenzierter zu gestalten“, erklärt der Kunsthistoriker. Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen drei Jahre, in denen Peters die Schau konzipierte und den Katalog fertig stellte, neben seinen Lehr- und Forschungstätigkeiten an der Uni. „Die Semesterferien allein würden dafür nicht ausreichen. So eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, ist ein stetiger Prozess, den ich natürlich nicht alleine stemmen musste. Die Beschaffung der Bilder übernahmen Mitarbeiter des Museums, die Ausgestaltung der Räume Designer.“

Die Verquickung von Theorie und Praxis war dem Kunsthistoriker schon während seiner Dissertation wichtig. In der Galerie Utermann in Dortmund arbeitete er im Kunsthandel, pflegte den Kontakt zu Kunstexperten, Institutionen und Sammlern. Dort lernte er auch die heutige Direktorin der Neuen Galerie New York Renée Price kennen. Die 2001 eröffnete Galerie ist auf Kunst aus dem deutschsprachigen Raum spezialisiert. Peters erzählt: „Mit dem Thema habe ich mich schon während meiner Zeit bei Utermann beschäftigt. Die Direktorin hat mich auch aus diesem Grund Jahre später ins Kuratorium berufen.“

Bereits 2010 konzipierte der 49-Jährige eine Ausstellung für die Neue Galerie New York: Die erste Einzelausstellung des bekannten deutschen Künstlers Otto Dix (1891–1969) auf amerikanischem Boden. Insgesamt 150 Werke aus den Themenbereichen Sexualität, Porträt, Allegorie und Krieg wurden gezeigt.

Nicht nur in den USA kuratiert Olaf Peters Ausstellungen: „Krieg“ heißt das Werk von Otto Dix, dem die Staatliche Kunstsammlung Dresden in diesem Jahr eine Ausstellung widmet. Es zeigt in schockierend realistischen Darstellungen Verwundete und Tote in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mai. Als Co-Kurator arbeitete Peters nicht nur mit den Museumsmitarbeitern zusammen, sondern konnte sein Interesse fürs Praktische auch an Studenten weitergeben. „Im Rahmen eines Seminars haben wir Dresdner Studenten bei der Entstehung der Ausstellung mit einbezogen, ihnen einen Blick hinter die Kulissen gegeben.“

Schon als Assistent am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn organisierte er mit seinen Studenten Ausstellungen, erklärte vor Ort im Museum, was eine Ausstellung ausmacht und brachte ihnen so einen praktischen Aspekt seiner Arbeit nahe. „Es macht Spaß, die Wissenschaft in die Praxis zu überführen. Und meine derzeitige Arbeit in New York fördert die internationale Sichtbarkeit der Uni.“ Sarah Huke

Neue Galerie New York: “Degenerate Art: The Attack on Modern Art in Nazi Germany, 1937” vom 13. März bis 30. Juni 2014

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