Ein Foto aus dem StuRa-Archiv: Mitte der neunziger Jahre demonstrierten Studierende auf dem halleschen Marktplatz für eine bessere Finanzierung von Bildung.
Ein Foto aus dem StuRa-Archiv: Mitte der neunziger Jahre demonstrierten Studierende auf dem halleschen Marktplatz für eine bessere Finanzierung von Bildung.

Seit 25 Jahren für Studenten aktiv

Viel los im April, Mai, Juni – beim Studierendenrat (Stura) häufen sich in diesem Frühjahr die Termine: Bis heute, 17. April, wurde über das Semesterticket abgestimmt, im Mai stehen Hochschulwahlen an und im Juni wird das Gremium Glückwünsche entgegennehmen. Denn am 3. Juni feiert der Stura seinen 25. Geburtstag. Mit Hochdruck arbeiten die Stura-Aktiven zurzeit nicht nur an Einladungslisten und Rahmenprogramm. Auch die Geschichte der studentischen Selbstverwaltung wollen sie aufarbeiten.

Mit dem Semesterticket von Halle bis nach Leipzig fahren? Noch ist das unmöglich, aber schon zum kommenden Wintersemester könnte es soweit sein. Seit Montag, 11. April, waren alle Studierenden der MLU dazu aufgerufen, im Löwenportal darüber abzustimmen, wie das Ticket künftig gestaltet werden soll. Für die Studierenden hat der StuRa mit den vier Verkehrsbetrieben der Region verhandelt. Daneben recherchierten Stura-Mitglieder verschiedene Modelle und Finanzierungswege. Sie sprachen mit Studierendenvertretern anderer Hochschulen, druckten Info-Flyer und Plakate und planten Veranstaltungen, auf denen kurz vor der Abstimmung ausführlich dazu informiert wurde.

Für die 31 Stura-Aktiven ist das Semesterticket nicht das einzige Großprojekt in diesem Frühjahr. Die Hochschulpolitik mit anstehender Profildiskussion und drohenden Kürzungen bleibt ein Dauerthema, bei dem der StuRa die Interessen der Studierenden auch in diesem Jahr mit Nachdruck vertreten will. Erfreulicher aber ist das andere Thema, das viele Mitglieder des Gremiums zurzeit genauso intensiv beschäftigt: Der Stura-Geburtstag am 3. Juni.

Ein großes Fest soll es werden, denn 2014 ist ein besonderes Jahr, verrät Sebastian Rhein, Öffentlichkeitsreferent des Stura: „Im Mai wird der 25. Studierendenrat gewählt. Wir feiern also 25 Jahre Stura und zugleich 20 Jahre verfasste Studierendenschaft.“ Der sperrige Begriff bezeichnet die rechtliche Grundlage der Studierendenvertretung, wie sie 1993 im Landeshochschulgesetz festgeschrieben worden ist. In dieser Hinsicht sei Sachsen-Anhalt Vorbild, sagt der Student, der seit vier Jahren im Stura arbeitet. „Dadurch sind der Stura und die Fachschaftssräte rechtlich legitimiert. Das ist in Deutschland nicht häufig der Fall.“

Bilder von Studentenprotesten aus dem Stura-Archiv:

Protestbilder aus dem Stura-Archiv

Demonstration auf dem Uniplatz (Quelle: Stura)

Bis überhaupt festgestellt werden konnte, dass 2014 ein Jubiläum ansteht, war einige Recherchearbeit nötig. „Wir haben erstmal unsere eigenen Unterlagen durchwühlt, was sehr spannend war. Damals wurde ja alles noch handschriftlich festgehalten“, erzählt Rhein. Noch sei vieles im Archiv unsortiert, aber das werde sich ändern, sagt SturA-Vorsitzende Sabrina Schiffner: „Wir wollen diese Unterlagen aufarbeiten und möglichst auch digitalisieren.“

Die Theologiestudentin ist Sprecherin des zu diesem Zweck gegründeten Arbeitskreises „Geschichte und Geschichten“. Auch im Universitätsarchiv haben Studierende recherchiert, um herauszufinden, wann und wie die Geschichte des Stura in Halle eigentlich begann. Sie stießen auf Geschichten von studentischen Vertretern aus der Zeit von 1945 bis 1950. Danach verliert sich die Spur.

„Einmal gönnen wir uns das“

Erst 1989/90 wurde wieder versucht, eine studentische Selbstverwaltung ins Leben zu rufen. Als sich herausstellte, dass es 2014 gleich zwei Jubiläen zu feiern geben wird, stand schnell fest, dass das keine kleine Party werden würde. „Wir haben uns gedacht: Einmal gönnen wir uns das“, sagt Sebastian Rhein. Gerade nach den gelungenen, aber auch kräftezehrenden Protesten im letzten Jahr sei der Geburtstag vielen eine sehr willkommene Abwechslung.

15 Studierende arbeiten jetzt am Programm rund um den 3. Juni: Einen akademischen Festakt in der Aula soll es geben und ein großes Rahmenprogramm auf dem Uniplatz, bevor am Abend dann vier Bands aufspielen. Die Lehre wird an diesem Tag ab 14 Uhr ausgesetzt, so dass alle Studierenden gemeinsam feiern können. Und nicht nur sie – auch die Ehemaligen des Stura sollen zum Mitfeiern eingeladen werden.

„Wir haben schon Kontakt zu denen, die vor zehn bis 15 Jahren dabei waren – über sie und mit Hilfe der alten Sitzungsprotokolle und der sozialen Netzwerke wollen wir auch diejenigen finden, die ganz am Anfang mit dabei waren“, sagt Rhein. Er ist gespannt, was die Vorgänger zu erzählen haben. „Uns interessiert natürlich, was aus ihnen geworden ist – gerade was die politischen Karrieren angeht, die einige nach dem Studium verfolgt haben. Und wir wollen ihnen auch zeigen, was sich alles bei uns verändert hat.“

Auch das ist ein Vorhaben, dass eine Gruppe von Stura-Aktiven derzeit umtreibt: Sie wollen die Geschichte der studentischen Selbstverwaltung aufarbeiten. Mehrere Studierende haben dieses Thema sogar als Abschlussarbeit gewählt und durchforsten dazu derzeit die Archive. Auch für sie ist der 3. Juni ein Stichtag, denn bis dahin soll eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Stura fertig sein. Von den Ehemaligen erhoffen sie sich weitere Berichte und Geschichten, nicht nur für das Projekt.

„Was passiert, wenn Hochschulen zusammengelegt werden?“

„Wir wollen von ihnen wissen: Wie sah eure Arbeit aus? Was war anders, was ähnlich? Wir glauben, dass das auch für unsere zukünftige Arbeit wichtig sein kann.“ Die Aktivitäten des Gremiums werden auch im Jahr 2014 wieder stark um die Hochschulpolitik kreisen, kündigt Sabrina Schiffner an: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass die Studierenden an der Profildiskussion, die jetzt ansteht, teilhaben können.“ Dabei soll auch der Austausch mit anderen Studierendenvertretungen verstärkt werden.

Bereits jetzt macht sich die Stura-Vorsitzende aber auch zu einem anderen Thema Gedanken, das einmal als Konsequenz der Kürzungs- und Spardebatte relevant werden könnte: „Was bedeutet es für die Studierenden infrastrukturell, wenn Hochschulen oder Studiengänge zusammengelegt werden? Was passiert zum Beispiel mit den Fahrtkosten, wenn jemand an zwei verschiedenen Hochschulen Vorlesungen besuchen soll? Das Thema der Infrastruktur zwischen den Hochschulen wird in der Politik zurzeit noch nicht diskutiert.“ Corinna Bertz

Die nächste Hochschulwahl findet am 14. Mai 2014 statt. Infos unter: www.hochschulwahl.info

Informationen zum Semesterticket unter: www.semesterticket-halle.de

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