Suche nach Rektorkandidaten beginnt – „Ein kurzes, aber intensives Amt“

Gestern Abend hat die Findungskommission mit ihrer Suche nach den Kandidaten für das Rektoramt der Legislaturperiode 2014 bis 2018 begonnen. Die acht Kommissionsmitglieder wurden zuvor vom neu gewählten Senat in seiner konstituierenden Sitzung benannt. Bis zum 26. Juni wird diese Kommission nun aus allen eingehenden Vorschlägen zwei bis drei geeignete Bewerber auswählen und dem Senat zur Wahl vorschlagen. Professor Winfried Kluth, der zum Kommissionsvorsitzenden gewählt wurde, informiert im Interview über den Ablauf der Kandidatenfindung.

Professor Kluth, die Kommission hat sich gestern Abend erstmals getroffen. Was wurde zum weiteren Ablauf vereinbart?

Winfried Kluth: Wir haben zunächst vereinbart, den kommenden Montag abzuwarten. Bis dahin können alle Uni-Angehörigen ihre Vorschläge für Kandidaten einreichen. Außerdem können sich Hochschullehrer natürlich selbst als Kandidaten bewerben. Der einzige, der das bisher hochschulöffentlich getan hat, ist Rektor Udo Sträter. Unmittelbar nach Ablauf der Frist wird sich die Kommission dann zusammensetzen und, wenn notwendig, eine grobe Vorauswahl treffen. Die Kandidaten werden wir dann zu Einzelgesprächen einladen. Bis zum Donnerstag, 26. Juni, müssen wir uns auf die zwei oder drei Kandidaten einigen, die wir dem Senat für das Amt vorschlagen wollen. Diese werden sich am Montag, 30. Juni, präsentieren.

Winfried Kluth ist Professor für Öffentliches Recht und Senatsmitglied (Foto: Norbert Kaltwaßer)


Winfried Kluth ist Professor für Öffentliches Recht und Senatsmitglied (Foto: Norbert Kaltwaßer)

Nach welchen Kriterien wählt die Findungskommission ihre Kandidaten aus?

Uns interessieren natürlich insbesondere die Konzepte der Kandidaten zur Hochschulentwicklung, gerade vor dem Hintergrund der bekannten Strukturprobleme und der aktuellen Entwicklungen in der Hochschulpolitik. Wir werden jeden Kandidaten bitten, uns sein Handlungskonzept vorzustellen.

Die Vorstellungen zur Hochschulpolitik werden also das ausschlaggebende Kriterium sein?
Es gibt natürlich auch noch andere Kriterien, die eine Rolle spielen werden. Die Kommission wird sicher ein besonderes Augenmerk auf die positiven Ziele richten, die die Bewerber für unsere Universität formulieren, denn wir wollen nicht nur Probleme verwalten.

Spielt das potenzielle Team des Bewerbers, also die möglichen künftigen Prorektoren, bei der Auswahl auch eine Rolle?

Wir werden auch danach fragen, aber hier müssen wir erst einmal den nächsten Montag abwarten, wenn alle Vorschläge eingegangen sind. Dann entscheiden wir über das konkrete Vorgehen. Bei einer früheren Rektorwahl gab es zum Beispiel Kandidaten, die sich zu ihrem Team bis zuletzt teilweise bedeckt hielten. Das ist also ebenso möglich.

Die Findungskommission besteht aus acht Mitgliedern. Was passiert, wenn es zu einer Pattsituation kommen sollte? Werden Sie als Vorsitzender dann entscheiden?

In diesen Fällen gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Bei der letzten Findung konnten wir uns allerdings sehr gut einigen und ich denke, das wird auch diesmal möglich sein.

Sie saßen schon 2010 als Mitglied in der Findungskommission und haben jetzt den Vorsitz inne. Warum haben Sie sich bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen?

Es kommen nur Personen in Frage, die selbst nicht kandidieren. Da ich von Alt-Rektor Wilfried Grecksch vorgeschlagen worden bin und dieses Verfahren für einen wichtigen Entscheidungsprozess für die Universität halte, habe ich mich dazu bereit erklärt. Das ist ein kurzes, aber intensives Amt.

Interview: Corinna Bertz

Aufruf zur Wahl des Rektors oder der Rektorin

Alle Mitglieder der Martin-Luther-Universität sind aufgerufen, Vorschläge bis zum Montag, 23. Juni 2014, 14 Uhr an folgende Mail Adresse zu richten: Die Zustimmung der Personen, die vorgeschlagen werden, ist Voraussetzung. Mehr auf der Webseite zum Wahlaufruf und zu den Namen der Kommissionsmitglieder.

Die Kandidaten präsentieren sich am 30. Juni um 18 Uhr im Audimax am Universitätsplatz (Hörsaal XXII) der Hochschulöffentlichkeit.

 

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Kommentare [ 3 ]

1 Ralf Bernd Klösgen schrieb am 20.06.2014 um 15:33

Liebe Frau Bertz, lieber Herr Kluth, danke für die prompte Erklärung, die meine Zweifel allerdings nicht vollkommen ausräumen konnte. Hier nur ein Beispiel: Es steht zwar so in der Grundordnung, aber ist der Senat tatsächlich legitimiert, nicht nur seine eigenen Befugnisse an eine durch ihn eingesetzte Findungskommission zu übertragen, sondern die des erweiterten Senats (der ja schließlich den Rektor wählt) gleich mit? Eigenartig! Also, wenn ich Mitglied des erweiterten Senats wäre (was ich allerdings nicht bin), dann würde mich diese Bevormundung durch den Senat vermutlich so stören, dass ich sie rechtlich prüfen lassen würde. Schönes Wochenende, Ralf Bernd Klösgen

2 Corinna Bertz schrieb am 20.06.2014 um 9:51

Lieber Herr Prof. Klösgen, hier die Antwort von Prof. Kluth auf Ihre Frage: Das ergibt sich aus der Grundordnung, nach der die Kommission "mindestens zwei" Kandidaten vorschlägt. Daraus ergibt sich u.a. eine Auswahlbefugnis der Kommission. - Beste Grüße Corinna Bertz

3 Ralf Bernd Klösgen schrieb am 19.06.2014 um 18:16

Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass die Findungskommission ihre Arbeit gewissenhaft und unvoreingenommen (soweit so etwas möglich ist) machen wird, und vielleicht funktioniert das nun zum zweiten Mal praktizierte Verfahren sogar. Trotzdem habe ich gewisse Zweifel, dass eine solche Vorauswahl durch die Findungskommission, die ja letztlich zum Ausschluss etwaiger Bewerber/innen von der Wahl führen dürfte, tatsächlich demokratisch und rechtlich legitimiert ist. Auf welcher Rechtsgrundlage darf man denn prinzipiell geeignete Bewerber daran hindern, sich zur Wahl zu stellen? Für Aufklärung (bitte in einfachen Worten, ich bin unbedarfter Nicht-Jurist) wäre ich dankbar. Natürlich wünsche ich der Kommission (und damit letztlich uns allen) trotzdem viel Glück, Ralf Bernd Klösgen

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