Die Breite der Forschungsbereich in der Bioinformatik ist förmlich explodiert. (Foto: Markus Scholz)
Die Breite der Forschungsbereich in der Bioinformatik ist förmlich explodiert. (Foto: Markus Scholz)

Wissen aus erster Hand

Bioinformatiker der Universität Halle und der Friedrich-Schiller-Universität Jena kooperieren seit letztem Wintersemester nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre. Ins Leben gerufen wurde der „Professorenaustausch“ von den halleschen Bioinformatikern Ivo Große, Stefan Posch und Jan Grau und ihren Jenaer Kollegen Stefan Schuster und Sebastian Böcker.

Warum machen sie das?

Stefan Posch: Wir glauben an das Bildungsideal der Einheit von Forschung und Lehre. Lehrinhalte sollen von Personen vermittelt werden, die in den entsprechenden Bereichen ihre Forschungsschwerpunkte haben. Eine Lehrkooperation bietet so zusätzliche Expertise aus erster Hand.

Jan Grau: Für unsere Kooperation zwischen Halle und Jena spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Unser Institut und die Bioinformatik in Jena sind verhältnismäßig klein. Jedoch hat die Bioinformatik für die Medizin, die Biologie, die Pharmazie – für die Lebenswissenschaften insgesamt – inzwischen solch eine Bedeutung erlangt, dass die Breite der Forschungsbereiche in den letzten zehn Jahren förmlich explodiert ist.

Ivo Große: Und wir haben natürlich den Anspruch, diese Vielfalt unseren Studierenden in der Lehre auch zu vermitteln. Auf Grund unserer eigenen Forschungsschwerpunkte kennen wir einige der vermittelten Themen jedoch nur aus der Literatur. Da die Forschungsschwerpunkte unserer Jenaer Kollegen unsere ergänzen, ergibt sich durch eine Lehrkooperation die elegante Möglichkeit, das Spektrum der Lehrinhalt deutlich zu erweitern.

Wie profitieren die Bioinformatik-Studierenden?

Posch: Vermitteln könnten wir neue Inhalte natürlich auch, aber wir halten es für gewinnbringender, diese Themen von Experten auf den jeweiligen Gebieten vermittelten zu lassen. So boten Sebastian Böcker und Stefan Schuster Vorlesungen zu ihren Spezialgebieten der Metagenomik und der Analyse metabolischer Netzwerke in Halle an, während Ivo Große in Jena Vorlesungen zur Sequenzanalyse und Motivsuche hielt. Wir versuchen damit das Studium attraktiver zu machen und mehr Studierende für ein Bioinformatik-Studium an den Universitätem unseres Universitätsverbundes Halle-Jena-Leipzig zu begeistern.

Grau: Ich freue mich schon darauf, im kommenden Semester in Jena einen Einblick in meine Forschungsinhalte zu geben und Vorlesungen zu bioinformatischen Anwendungen zu Pflanzen-Pathogen-Interaktionen und in der Biotechnologie anzubieten. In diesem Bereich kooperieren wir sehr eng mit Kollegen aus der Pflanzengenetik in Halle, und ein solch direkter Forschungsbezug ist für Studierende immer von besonderem Wert.

Wird das Projekt fortgesetzt oder gibt es bereits Ideen für ähnliche Kooperationen?

Grau: Mein Besuch in Jena im nächsten Semester steht fest.

Posch: Wir alle sind uns sicher, dass wir die in den letzten beiden Semestern begonnene Kooperation in Zukunft fortsetzen wollen. Auch, weil die Rückmeldungen von allen Seiten sehr positiv sind.

Große: Darüber hinaus planen wir eine analoge Lehrkooperation mit Leipzig. Außerdem organisieren wir aktuell gemeinsame Lehrveranstaltungen für das Doktorandenprogramm yDiv des Deutsches Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig im Bereich der Bioinformatik. Dabei sind die Erfahrungen aus unseren bisherigen Lehrkooperationen äußerst wertvoll.

Stefan Posch ist seit 1999 Professor am Institut für Informatik der MLU und hat den Lehrstuhl für Mustererkennung und Bioinformatik inne. Ivo Große ist seit 2007 Professor für Bioinformatik am Institut für Informatik der MLU und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Jan Grau ist seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Posch, seit 2010 als Habilitand. (Text und Interview: Katharina Deperade)

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