Gründer willkommen: Bereits im Gründungsradar 2012 schnitt die Universität Halle sehr gut ab. (Foto: Michael Deutsch)

Aus guten Gründen gut im Gründen

Bei der Gründungsförderung spielt die Universität Halle bundesweit ganz vorne mit. Der am 10. November veröffentlichte Gründungsradar 2013 des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft verortet die Martin-Luther-Universität in den Top Ten der großen Hochschulen. Im Interview ordnet die Koordinatorin des Gründerservice Dr. Susanne Hübner das Ergebnis ein und spricht über Zukunft des Gründerservice.

Gestern ist der Gründungsradar 2013 erschienen. Wie bewerten Sie das Ergebnis für die MLU?

Dr. Susanne Hübner: Die Universität Halle zählt zu den zehn gründerfreundlichsten großen Hochschulen Deutschlands. Für uns ist das ein großer Erfolg. Es zeigt, dass wir auf diesem Gebiet sehr gut mithalten können. In den Top Ten befinden sich viele namhafte technische Hochschulen, wie etwa München und Aachen. Für eine Universität mit geistes- und naturwissenschaftlichem Profil wie unsere ist Gründungsunterstützung ein breiter aufgestelltes Unterfangen. Schließlich haben wir es mit einer größeren Vielfalt von wissens- und technologiebasierten Innovationen zu tun. Viele Universitäten in dieser Liste sind auch schon viel länger unterwegs, eine Gründungskultur an ihren Hochschulen zu etablieren.

Dr. Susanne Hübner koordiniert den Gründerservice der MLU (Foto: Marco Warmuth)

Dr. Susanne Hübner koordiniert den Gründerservice der MLU (Foto: Marco Warmuth)

Spielt Gründung an der Martin-Luther-Universität nicht auch schon länger eine Rolle?

Wir haben vor zehn Jahren in Halle unter dem Label Univations zunächst mit dem Hochschulgründernetzwerk begonnen. Die Gründungsprofilierung mit den entsprechenden Strukturen und Angeboten ist aber erst seit zwei Jahren durch den Gründerservice in der MLU verankert.

Was kann ich mir unter Gründungsprofilierung vorstellen?
Uns geht es nicht darum, jeden zum Gründer zu machen. Wir wollen unternehmerisches Denken und Handeln als wichtige Schlüsselkompetenzen vermitteln, die Studierende im späteren Berufsleben brauchen werden. Die Universität bringt einen Pool von Talenten hervor, die sich Wissen und Methoden aneignen, um Probleme lösen zu können – das ist der Kern von Wissenschaft, aber auch Unternehmertum setzt hier an und weist in die Gesellschaft und Wirtschaft hinaus. Wir wollen Studierende und Wissenschaftler für das Thema Gründung und Transfer sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit eröffnen, ihre unternehmerischen Potenziale zu entdecken und ihre Ideen gegebenenfalls auch zu verwirklichen. Dabei werden sie von der Servicestelle Ideen-Schutz-Verwertung und dem Gründerservice durch Lehre, Workshops, Beratung und viele andere Angebote unterstützt.

Konnten Sie diese Gründungsunterstützung innerhalb des letzten Jahres noch steigern?

Bei den Gründungen liegen wir gleichbleibend bei etwa zwanzig im Jahr – das ist das Potenzial, das man aus unserer Hochschule in dieser Hinsicht in etwa gewinnen kann. Hier ist noch Luft nach oben mit Blick auf die Qualität beziehungsweise die Steigerung der Innovationspotenziale. Um das zu erreichen, müssen wir eine Gründungskultur schaffen und unternehmerisches Denken und Handeln fördern. Wir setzen damit sehr früh an und unterstützen, lange bevor jemand mit seiner Idee für Produkte, Dienstleistungen, Verfahren an den Markt gehen kann. In dieser Hinsicht konnten wir uns 2013 noch einmal steigern mit circa 700 Teilnehmern in insgesamt 40 Veranstaltungen.

Wie ist das gelungen?

Finanziell war das mit Hilfe der Drittmittel möglich, die wir im November 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des EXIST-Wettbewerbs erhalten haben. Auch das Land steuert Gelder bei, beispielsweise durch die Förderung im Rahmen der ego-Existenzgründungsoffensive. Der Gründerservice mit seinen vier Vollzeitarbeitsstellen wird zurzeit aus Drittmitteln finanziert, die die Universität mit Eigenmitteln untersetzt.

Der Gründungsradar sorgt für eine bundesweite Anerkennung des Univations Gründerservice und der Transferstelle der MLU. Wie steht es um die Anerkennung innerhalb der Universität?

Auch innerhalb der Hochschule erfahren wir sehr viel Unterstützung, vor allem durch Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, die uns den Rücken stärken, weil sie das Thema als wichtig bewerten und ihre Lehrveranstaltungen für unsere Konzepte öffnen. Die Studierenden lernen dadurch, in Chancen zu denken, Ideen- und Szenarien zu entwickeln. Mittlerweile gibt es unter den Professoren Gründungsbotschafter, die Studierenden den Weg zu uns weisen. Die Hochschulleitung unterstützt uns, ebenso wie Gründer-Alumni, die ihr Wissen und ihr Know-how an ihre Universität zurückgeben wollen. Wir haben auch beim Transfer bereits viele Türen aufgestoßen. Ich glaube, das ist ein wichtiges Signal an die Politik, dass sich die Universität diesem Thema nicht versperrt. Die MLU hat eine Transferstrategie, die umgesetzt werden will.

2016 wird die zweite Förderphase des Bundes für EXIST-Gründerhochschulen enden. Wie soll es dann weitergehen?

Wir sind Teil der Denkfabrik Gründerhochschule, die sich aus den 22 EXIST-Hochschulen heraus gegründet hat, um dem Bund zurückspiegeln, welche Bedeutung Gründerhochschulen für einen Innovationsstandort wie Deutschland haben. Da geht es natürlich auch um Ressourcen. Gründerhochschulen nehmen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahr, indem sie den Wissens- und Technologietransfer stärken. Das erfordert eine nachhaltige Unterstützung, die nicht nach zwei, drei Jahren enden darf, denn wir müssen das Thema langfristig denken. Unsere Aufgabe wird es also sein, uns von projektbezogenen Drittmitteln unabhängiger zu machen, um die Themen Gründung und Transfer an der Universität nachhaltig zu sichern. Das ist ein Ziel, das wir zusammen mit der Hochschulleitung angehen, die die Transfer- und Gründungsunterstützung bereits im Hochschulentwicklungsplan fest verankert hat. Inzwischen spielt das Thema an vielen Hochschulen im Land Sachsen-Anhalt eine wichtige Rolle. Es ist deshalb auch zu überlegen, wie wir hier den Austausch intensivieren und gemeinsam auftreten können – zum Beispiel dem Land gegenüber.

Was passiert, wenn nach dem Auslaufen der Finanzierung durch den Bund diese angestrebte langfristige Sicherung noch nicht steht?

Wahrscheinlich wären wir im Gründungsradar eher Schlusslicht. Aber das ist eigentlich egal. Viel bedeutsamer wäre, dass wir keine Gründungsberater und Technologiescouts hätten. Weder die Lehrkräfte, die unser ASQ-Module anbieten, noch die Module zum Innovations- und Gründungsmanagement könnten finanziert werden. Auch der Ideenwettbewerb Scidea und die Kooperation mit der Stadt im Rahmen von transHAL wäre nicht mehr untersetzt. Aber Teil unserer Arbeit ist eben auch, gemeinsam mit der Hochschulleitung dafür zu sorgen, dass es soweit nicht kommt.

Interview: Corinna Bertz

Zur Pressemeldung
Zum Gründungsradar 2013


Aktuell: Gründerwoche startet kommende Woche

Bin ich ein Unternehmertyp? Wie mache ich aus meiner Idee ein Geschäftsmodell? Wie nutze ich Social Media, um mein Start-up bekannt zu machen? Antworten auf diese Fragen gibt die Gründerwoche, die vom 17. bis 22. November 2014 vom Hochschulgründernetzwerk Sachsen-Anhalt Süd gemeinsam mit dem Univations Gründerservice an der MLU veranstaltet wird. In kostenfreien Workshops, Vorträgen und bei Netzwerktreffen können alle, die eine Gründung planen oder bereits umsetzen, an ihren Konzepten arbeiten, Experten aus der Praxis befragen und sich mit anderen Gründern vernetzen. Manuela Bank-Zillmann

Mehr zum Programm sowie Anmeldung unter www.univations.de/gruenderwoche.

Update: Nachbericht über den EXIST-Gründerworkshop vom 27. und 28. November

 

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