Seit Februar 2014 mobil im Einsatz: Der palliativmedizinische Konsiliardienst am UKH unter Leitung von Oberärztin Dr. Lilit Flöther (Mitte, Foto: UKH/ Daniel Gandyra)

Heilen, aber nicht um jeden Preis

Das oberste Ziel der Medizin ist es, kranke Menschen zu heilen. Doch in einigen Fällen ist das nicht mehr möglich, zum Beispiel bei schweren Organ- oder Tumorerkrankungen. Unheilbar kranke Patienten benötigen eine weitere medizinische Betreuung, in vielen Fällen sogar eine sehr intensive. Dafür ist am Universitätsklinikum Halle (UKH) seit einem Jahr das Team von Oberärztin Dr. Lilit Flöther zuständig. Die Fachärztin für Anästhesie leitet den palliativmedizinischen Konsiliardienst.

Anstelle einer eigenen Station setzen die halleschen Uni-Mediziner auf ein mobiles Team, das auf Anfrage der Stationsärzte zu bestimmten Patienten kommt, diese mit behandelt und betreut. Darin sieht Flöther einen wichtigen Vorteil: „Wir haben Patienten, die schon seit langer Zeit auf denselben Stationen in Behandlung sind. Diese müssten für die Behandlung nicht extra aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden.“

Die Idee für den Dienst hatte Flöther bereits 2011 – bis dahin gab es noch keine Stelle für Palliativmedizin im UKH. „Das Personal dafür war aber schon im Haus vorhanden“, erzählt sie. Ziel des Angebots ist es, „belastende Symptome eines Patienten zu lindern und damit seine Lebensqualität zu verbessern.“ Palliativmedizin unterscheidet sich insofern von einer typischen medizinischen Behandlung, dass in der Behandlung nicht mehr direkt versucht wird, den Patienten zu heilen. „Manchmal hat es keinen Sinn, einen Patienten noch mal einer Chemotherapie auszusetzen“, erklärt Flöther. Stattdessen versuche man, mit bestimmten Medikamenten die Leiden des Patienten zu lindern. Gleichzeitig sei es wichtig, den Patienten und seine Angehörigen ganzheitlich zu behandeln. Deshalb arbeiten im Team von Flöther nicht nur zwei weitere Palliativmediziner, sondern auch speziell ausgebildete Pflegekräfte, Psychoonkologen, Physio- und Maltherapeuten, Seelsorger und sogar Berater in ethischen Fragen.

Neben medizinischen Fragen zur Behandlung klärt das Team auch, wie es nach dem Krankenhausaufenthalt weitergeht: Ob der Patient zum Beispiel in ein Hospiz verlegt wird, oder von den Angehörigen gepflegt werden kann. Ein weiteres Ziel von Flöther und ihren Kollegen ist, dass „kein Patient unnötig lange auf Station liegen muss“. Das sei sowohl für die Betroffenen von Vorteil als auch für das Krankenhaus. Das Angebot werde von den Klinikärzten sehr gut aufgenommen, erzählt Flöther stolz: „Wir bekommen sehr viele Anfragen von den Stationen. Teilweise haben wir sogar eine Warteliste für Patienten.“ Tom Leonhardt

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften haben vor kurzem eine bessere Palliativversorgung in Deutschland gefordert.

 

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