Mehr Familie im Büro

Zum dritten Mal bietet die MLU in diesem Sommer eine Ferienbetreuung für Kinder von Studierenden und Beschäftigten an. Die Uni-Knirpse erkunden die Hochschule und weitere Einrichtungen der Stadt. In die Barfüßerstraße wird es sie nicht verschlagen. Doch von dort aus werden die Ferienaktion und vieles mehr organisiert: Mit der Eröffnung eines Familienbüros ist die Universität den nächsten Schritt bei ihren Aktivitäten rund um das Thema Familienfreundlichkeit gegangen.

Wenn Wolfhard Kohte seine Doktoranden demnächst zum Herbst-Seminar einlädt, wird er sie auch über die Spielmöglichkeiten für Kinder am Tagungsort informieren. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, dass junge promovierende Mütter und Väter ihre Kinder mitbringen können. „Das praktizieren wir schon seit 1997“, sagt der Jura-Professor. Diesmal werden vor allem größere Kinder dabei sein. „Dadurch wird’s einfacher“, sagt Kohte. „Aber auch sonst ist das kein Problem. Für Kleinkinder gibt es bei uns die entsprechende Betreuung. Entweder bietet das die Tagungsstätte an oder die Doktoranden teilen sich rein.“

Anke Habich hat erlebt, wie gut das funktionieren kann. Die 35-Jährige hat bei Kohte promoviert. „An diesem Lehrstuhl herrscht einfach eine sehr gute familienfreundliche Grundstimmung. Genau die möchte ich gerne weitertragen und anderen schmackhaft machen.“ Die zweifache Mutter leitet das neue MLU-Familienbüro in der Barfüßerstraße 17. Sie berät dort Studierende und Mitarbeiter, bahnt Kooperationen an, plant neue Projekte mit.

2009 erhielt die Universität das Zertifikat zum „audit familiengerechte hochschule“. Die entsprechende Projektgruppe hat seitdem diverse familienfreundliche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Im Aktionsjahr 2010 gab es zahlreiche Einzelveranstaltungen rund um das Thema Familie. „Aber wir müssen die Aktivitäten verstetigen – und dafür sorgen, dass sie besser wahrgenommen werden“, mahnt Juniorprofessor Golo Föllmer, der neue Familienbeauftragte der MLU. „Das Familienbüro kann einen großen Beitrag dazu leisten. Inner- und außerhalb der Hochschule soll schließlich klar sein: Wir gehen den Weg konsequent weiter, mit familienbewusster Personalpolitik und entsprechenden Studienbedingungen“, erklärt der Medienwissenschaftler.

„Wir ruhen uns nicht auf dem bislang Erreichten aus“, verspricht auch Anke Habich. „Im Mai haben wir mit der Schulung der Fachstudienberater und der Familienbeauftragten in den Fakultäten begonnen. Die neue Dienstvereinbarung zur Teleheimarbeit steht kurz vor dem Abschluss. Und in Kooperation mit den Franckeschen Stiftungen wird es eine Kinderbetreuung bei wissenschaftlichen Tagungen geben.“

Experimente am Jura-Lehrstuhl

Ohnehin sei die Kinderbetreuung das zentrale Thema für das Familienbüro. „Mitarbeiter und Studierende sehen vor allem in diesem Punkt weiteren Handlungsbedarf“, sagt Anke Habich. Unter anderem gebe es daher Gespräche mit dem Studierendenrat über einen Ausbau der Kinderinsel und mit außeruniversitären Partnern über neue Kita-Plätze. „Darüber hinaus werden wir uns zukünftig auch verstärkt dem Thema der Pflege von Angehörigen widmen.“

Auch Professor Kohte ist dieser Punkt wichtig: „Man darf das Thema Familie nicht auf Kinder reduzieren. Mancher Mitarbeiter wird sich vielleicht mal um seine kranke Mutter kümmern müssen. Wer weiß, dass er sich dann auf die Kollegen verlassen kann, springt auch gerne mal ein für einen verhinderten Vater.“ Alle Teammitglieder seien bereit, Kompromisse einzugehen, weil es eine gemeinsame Identität gebe. „Bei uns ist Familienfreundlichkeit eine Grundidee, die wir am Lehrstuhl alle teilen. Und wer bei uns anfängt, der weiß das.“

Der Arbeitsrechtler und seine Mitarbeiter befassen sich auch fachlich mit der Thematik. Zur Bedeutung des Gemeinschaftsrechts für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben sie einen wichtigen Praxiskommentar publiziert. „Aber selbst als Professor für das Strafrecht würde ich für familienfreundliche Arbeitsbedingungen am Lehrstuhl sorgen“, versichert Kohte.

Als Vorbild sieht er sich indes nicht. „Ich würde sagen: Wir sind eine Art Experimentierlabor in Bezug auf flexible Arbeitsgestaltung und rechtlich machbare Auszeiten. Wir haben zum Beispiel schon viele Varianten der befristeten Freistellung ausprobiert. Aber wir sind beileibe nicht die Einzigen.“ Wichtig sei die Feststellung: „Es geht!“ Gerade weil sich die Universität in solchen Fällen zur sofortigen Einstellung einer Vertretung verpflichtet habe und dies auch praktiziere. Zudem führe so manche Auszeit zu Gewinnen bei der Arbeit. „Junge Menschen, die aus der Elternzeit kommen, sind zum Beispiel sehr viel organisierter als früher.“

Text: Carsten Heckmann

Weitere Informationen:

Familienbüro der MLU

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