Claudia Neumeier und Tristan Berlet bei einer Probe zu den "Physikern" (Foto: Jule Zetzsche)

Willkommen im Irrenhaus

Das Studentenleben hat mehr zu bieten als Vorlesungen und Seminare. In loser Reihenfolge stellt scientia halensis studentische Gruppen aus Halle vor. Den Anfang macht die Gruppe malTHEanders.

„Wenn ich im Alltag auf die Straße springe und mir das Hemd vom Leib reiße, gucken mich alle Leute komisch an. Wenn ich das auf der Bühne mache, denken die Leute: Okay, gehört zur Rolle.“ Die Möglichkeit zu machen, was man möchte und für eine Zeit lang jemand völlig anderes zu sein, fasziniert Tristan Berlet am meisten am Theaterspielen. Auch seine Mitspielerinnen Claudia Neumeier und Mara Jakob begeistert es zu merken, welche Facetten in ihnen und in anderen stecken und diese gemeinsam auf einer Bühne vor Publikum darzustellen. Die drei spielen zusammen in der studentischen Theatergruppe malTHEanders.

Die Gruppe wurde bereits 2012 gegründet. Nach den beiden Stücken „Illusionen“ von Carl Slotboom und „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt finden seit Kurzem die Proben zum neuen Stück „Mörderstund ist ungesund“ von Christine Steinwasser statt. Für jedes Stück sucht die Gruppe neue Mitspieler. Da nun aber gerade ein Stück geprobt und alle Rollen verteilt sind, besteht zurzeit kein Bedarf. „Im nächsten Wintersemester geht es wieder los, dass sich Leute melden können und sich eine neue Gruppe zusammenfindet. Dann wird sich für das Stück entschieden und am Ende des Wintersemesters geht es mit den Proben los. Im Sommersemester ist immer die Aufführung“, erläutert Mara, 23, Lehramtsstudentin der Mathematik und Physik, die seit Gründung der Gruppe dabei ist, den jährlichen Ablauf.

Auf einen Regisseur verzichtet die Gruppe, vielmehr soll die gesamte Gruppe einen Blick auf jeden haben. „Die, die gerade nicht auf der Bühne stehen, gucken, was auf der Bühne passiert und geben Rückmeldung. So dass jeder gleich viel zu unserem Produkt am Ende beiträgt“, sagt Germanistik-Student Tristan, 23.

Der Zusammenhalt in der Gruppe ist sehr stark. „Das gesamte Wintersemester war dazu da, sich als Gruppe zu finden und zusammenzuwachsen“, erzählt Chemie-Studentin Claudia, 21. Die aktuell 14 Mitglieder spielen nach den „Physikern“ nun erneut ein Stück, welches in einer Irrenanstalt spielt. Was jedoch reiner Zufall sei, versichern Claudia, Mara und Tristan. „Mörderstund ist ungesund“ ist eine Krimikomödie mit Verwechslungselementen. „Es sind sehr durchgedrehte Rollen dabei, wieder ein paar Irre, aber auch normale Leute – wobei von den normalen Leuten auch ein paar ein bisschen irre sind“, sagt Tristan. „Es macht den meisten viel Spaß, einen Verrückten zu spielen“, fügt Mara hinzu.

Mara Jakob als tote Krankenschwester Irene Straub in den "Physikern" (Foto: Jule Zetzsche)

Mara Jakob als tote Krankenschwester Irene Straub in den „Physikern“ (Foto: Jule Zetzsche)

 

Die Gruppe trifft sich einmal in der Woche. Für das erste Wochenende im neuen Semester ist zudem ein intensives Probenwochenende geplant, bei dem mit den Endproben angefangen wird – das heißt: mit Kostümen und ohne Textvorlage. Die Premiere soll Mitte Juni im La Bim stattfinden.

Doch warum spielen sie eigentlich Theater? Mara macht es hauptsächlich aus Spaß: „Wenn ich die ganze Woche Uni hatte, bin ich so angespannt. Und wenn ich dann abends zur Theaterprobe gehe und einfach mal lachen kann und Spaß habe, geht es mir gleich viel besser.“ Alle drei bringen auch schon Theatererfahrungen mit, doch war dies keine Voraussetzung. Für Tristan ist es vor allem die gemeinsame künstlerische Arbeit der Gruppe. „Zu sehen, was die Gruppe zusammen schaffen kann, das ist jedes Mal toll. Es fühlt sich großartig an, Teil einer Gruppe zu sein, die Kunst macht.“ Auch für Claudia ist es die Freude am Spiel und der Reiz, mal jemand komplett anderes zu sein. „Ich habe so eine Vorliebe: Ich spiele gern männliche Rollen, weil ich die vom Charakter her interessanter finde. Außerdem ist es ein richtig schönes Gefühl, wenn man merkt, man hat jetzt lange an einem Stück gearbeitet, man spielt es endlich und es kommt gut beim Publikum an.“

Tristan beschreibt, wie aufregend sich der Moment anfühlt, in dem man auf die Bühne tritt: „Wenn dein Stichwort kommt, du gehst raus, Scheinwerfer an und du siehst: Alles ist voll mit Leuten, die nur dich ansehen. Dieser Nervenkitzel und diese Energie zwischen Spieler und Publikum ist wunderbar!“ Und er betont: „Einmal auf der Bühne vor vielen Leuten stehen, das muss jeder mal gemacht haben!“ Diana Schlinke

Zur Facebookseite von malTHEanders: www.facebook.com/MalTHEanders

Teil 2 der Serie: hastuzeit
Teil 3 der Serie: SFi
Teil 4 der Serie: que(e)r_einsteigen

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Kommentare [ 2 ]

1 Wer ist eigentlich Tristan Berlet? – Schrift-Architekt.de schrieb am 26.03.2016 um 21:46

[…] stehe ich ab und zu neben Kommilitonen auf der Bühne im Studententheater malTHEanders, spiele mit mehr Begeisterung als Können E-Bass und erweitere beständig meine […]

2 Wer ist eigentlich Tristan Berlet? – Schrift-Architekt.de schrieb am 26.02.2015 um 22:45

[...] stehe ich ab und zu neben Kommilitonen auf der Bühne im Studententheater malTHEanders, spiele mit mehr Begeisterung als Können E-Bass und erweitere beständig meine [...]

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