Auf der Langen Nacht der Wissenschaften 2014 zündeten die Chemiker um Prof. Dr. René Csuk ein ­„bengalisches Feuer“ in den Farben Rot, Grün und Blau. (Foto: Maike Glöckner)

Imposantes Spiel aus Farben

Wer anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften die Experimentalvorlesung von Prof. Dr. René Csuk besuchen will, der muss schnell sein. Andernfalls ist das geräuschintensive wie farbenfrohe Ereignis, das der Chemiker im Jacob-Volhard-Hörsaal zelebriert, hoffnungslos überfüllt. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Weder schlechtes Wetter noch – wie im vergangenen Jahr – eine Fußballweltmeisterschaft können daran etwas ändern. Warum eigentlich nicht?

Längst ist die Veranstaltung eine der beliebtesten der Langen Nacht der Wissenschaften. Beleg dafür sind nicht nur die positiven Rückmeldungen, die René Csuk und sein Team von denen bekommen, die es schaffen, einen der raren Plätze im Hörsaal zu ergattern. Auch die Tatsache, dass sich die Reihen selbst dann nicht lichten, wenn die Veranstaltung mit so wichtigen Ereignissen wie einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft zusammenfällt. „Dem muss man natürlich Rechnung tragen“, sagt Csuk. Er tat es, in dem er sein Publikum 2014 per Alarmticker über den Spielstand informierte. Ganz uneigennützig war diese Aktion nicht. Denn auch Csuk selbst, als in der Schweiz geborener Sohn österreichischer Eltern, hat an diesem Abend dem deutschen Team die Daumen gedrückt.

„Experimente ziehen die Leute magisch an“ – Prof. Dr. René Csuk (Foto: privat)

„Experimente ziehen die Leute magisch an“ – Prof. Dr. René Csuk (Foto: privat)

Die Experimentalvorlesung gehört bereits von Anfang an ins Repertoire der Langen Nacht. Genau genommen ist sie jedoch viel älter. René Csuk bietet sie seit 1995 regelmäßig an. Damals wechselte er von Heidelberg nach Halle, wo er seither als Professor für organische Chemie tätig ist. Ein Kollege fragte ihn, ob er eine Veranstaltungsreihe mit Chemievorlesungen für ein Laienpublikum übernehmen könnte. Csuk willigte ein und überlegte, wie er sein Fach ansprechend in Szene setzen könnte. Experimentalvorlesungen, so meint er, seien eine der ältesten Methoden, um Menschen für die Wissenschaft zu begeistern.

Schon der große Chemiker Justus von Liebig habe sich das zunutze gemacht, und seine Künste vor dem Adel dargeboten. An einige Experimente habe sich Csuk anfangs langsam herantasten müssen, was zu kuriosen Situationen führte. So etwa, als er es richtig krachen lassen wollte, sich aber bei der Dosierung des fraglichen Stoffes verschätzte. Das Ergebnis: Es knallte so stark, dass in dem damals noch in der Mühlpforte befindlichen Hörsaal der Staub von der Decke rieselte. „Heute weiß ich, dass ein Zehntel der Stoffmenge reicht, um die Leute immer noch gehörig zu beeindrucken“, sagt Csuk.

Die nächste Experimental-Vorlesung ist am 3, Juli, von 18 bis 19 Uhr im Jacob-Volhard-Hörsaal in der Theodor-Lieser-Straße zu erleben. (Foto: Maike Glöckner)

Die nächste Experimental-Vorlesung ist am 3, Juli, von 18 bis 19 Uhr im Jacob-Volhard-Hörsaal in der Theodor-Lieser-Straße 9 zu erleben. (Foto: Maike Glöckner)

Zwischen 30 und 40 Versuche gehören ins Standardrepertoire der Vorlesung, das ständig aktualisiert und erweitert wird. 14 Tage vor dem Auftritt beginnt René Csuk mit den Vorbereitungen. Dazu gehört, dass neue Experimente getestet werden. Alles muss sicher sein, damit kein Gast zu Schaden kommt. Außerdem gibt es eine Generalprobe, in der Csuk und seine Doktoranden das gesamte Programm durchspielen. Am Abend der Vorlesung selbst klappt in der Regel alles hervorragend. Jedoch bleibt immer ein gewisses Restrisiko, wie im Fall der sogenannten Chemischen Uhr.

Dabei werden verschiedene Flüssigkeiten ineinander geschüttet. Nach einer gewissen Zeit, während der Csuk von Zehn auf Null herunter zählt, sollte es in dem riesigen Glaszylinder zu einem imposanten Spiel der Farben kommen. „Das ist wirklich etwas fürs Auge“, sagt der Chemiker, doch ganz genau könne man den Zeitpunkt des Farbumschlags nie bestimmen, „weshalb er auch für mich mitunter überraschend kommt“.

Das Publikum stört sich an solch kleinen Abweichungen nicht. Es ist begeistert und kommt sogar mit speziellen Wünschen auf den Chemieprofessor zu. So wie einmal, als ein Regisseur im Publikum saß, der an einem Stück über Alfred Nobel, den Erfinder des Sprengstoffs Dynamit, arbeitete. Er fragte, ob Csuk mit Nitroglycerin experimentieren könne. „Er hat mich eingeladen, es vor seinem Theaterpublikum ordentlich krachen zu lassen.“ Der Chemiker willigte ein und gab eine Sondervorstellung.

Neue Experimente wird es übrigens auch anlässlich der diesjährigen Experimentalvorlesung zur Langen Nacht wieder geben. Csuk: „Es wird knallen und es wird leuchten.“ Mehr sei jedoch noch nicht verraten. Ines Godazgar

Die nächste „Große Experimentalvorlesung: Chemie für (nahezu) alle Sinne” findet zur Langen Nacht der Wissenschaften am Freitag, 3. Juli in der Zeit von 18 bis 19 Uhr im Jacob-Volhard-Hörsaal (R 1.01) in der Theodor-Lieser-Straße 9 am Weinberg-Campus statt.

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