„Viele Dinge laufen hier anders, als ich es gewohnt bin", sagt Uni-Kanzler Markus Leber (Foto: Markus Scholz)

Die ersten 50 Tage im Kanzler-Amt

Seit sieben Wochen ist Markus Leber Kanzler der Universität Halle. Zahlreiche Antrittsbesuche hat er inzwischen absolviert und dabei ganz unterschiedliche Eindrücke von Halle und seiner neuen Arbeitsstätte gesammelt. Zeit für einen Besuch im Kanzlerbüro.

Mit seinen hohen Decken und den leeren Wänden wirkt der Raum noch recht karg. Funktional soll es auch bleiben, bald aber holt sich der neue Leiter der Uni-Verwaltung einen echten Hingucker ins Büro. Bei seinem Antrittsbesuch im Zentralmagazin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen hat er sich einen Abdruck des Urpferdchens aus dem Geiseltal ausgesucht. Der wird sich dann zu einem Klassiker der Komik von Monty Python gesellen: Neben dem mächtigen Holzschrank seines Vorgängers hängt bereits ein Plakat vom „Ministry of Silly Walks“, einem Sketch, in dem Bürokratie auf die Schippe genommen wird.

Der Blick von seinem neuen Arbeitsplatz auf den Uniplatz ist unverstellt. „Mit dem Ausblick habe ich schon immer Glück gehabt“, sagt der 43-Jährige. Als Vizekanzler und Leiter des Kanzlerbüros hat er in der Uni Erlangen-Nürnberg in den Schlossgarten geschaut. Auch während seiner Zeit im Justiziariat der Uni Würzburg ging der Blick ins Grüne. In Halle sitzt Leber nun mittendrin im Uni-Geschehen – weniger Grün, dafür mehr Leben. „So ein Campus ist ein Wert an sich. Ein zentraler Ort mit kurzen Wegen ist toll, um sich direkt austauschen zu können. Davon lebt Wissenschaft. Ich glaube, dass das GSZ auch deshalb ein so wichtiger Bau für die Universität ist.“

In seinen ersten Wochen im Amt hat er zahlreiche Uni-Einrichtungen, Fakultäten und Abteilungen besucht, um sich vorzustellen. Das Alltagsgeschäft ist ebenfalls angelaufen und wirft hin und wieder Fragen auf: „Viele Dinge laufen hier anders, als ich es gewohnt bin“, sagt Leber. Mitunter sind es Kleinigkeiten, die der studierte Jurist einfach anders kennt und handhabt. „In vielen Behörden ist es zum Beispiel üblich, dass der Kanzler auf internen Dokumenten mit Rot-Stift schreibt. Das habe ich hier auch eingeführt“, erzählt er.

Der Kanzler ist Dienstvorgesetzter des gesamten nicht-wissenschaftlichen Uni-Personals und verantwortlich für den Haushalt der Universität. Er ist zuständig für die Liegenschaften der Hochschule, für Rechtsangelegenheiten und vieles mehr. Dabei hat er eine Doppelfunktion als Mitglied des Rektorats und Spitze der Zentralen Universitätsverwaltung – „Da sitzt man gelegentlich zwischen den Stühlen.“

Die großen Themen, die viele Uni-Angehörige in Halle seit Jahren umtreiben, sind bereits bei seinen Antrittsbesuchen oft zur Sprache gekommen: Die Strukturdebatte, die Sparvorgaben des Landes und der Hochschulentwicklungsplan, den die Universität bis September erarbeiten soll. Den Kanzler beschäftigen Fragen wie: Wo können wir effizienter werden? Wie sind die zentralen Bereiche in die Strukturdiskussion einzubinden? „Im Moment stelle ich viele Fragen. Für Antworten ist mein Einblick hier noch nicht tief genug“, so Leber.

Nach knapp 50 Tagen im Amt bilanziert das jüngste Rektoratsmitglied: „Bisher ist mir noch kein Problem begegnet, das mir komplett neu wäre.“ Sehr vertraute Konfliktlinien habe er wahrgenommen. „Die Diskussion- und Interessenlagen in Universitäten sind systembedingt und sehr vergleichbar. Das Spannende daran sind jeweils die Menschen und wie sie diese Dinge handhaben.“

Offen und sehr freundlich sei er bislang aufgenommen worden – an der Universität ebenso wie in der Stadt. Der gebürtige Mainzer zeigt sich beeindruckt von Halle und seiner alten Bausubstanz. „Die Stadt ist schön, aber sehr hügelig. An die Straßenbahnen und ihre vielen Weichen muss ich mich als Radfahrer noch gewöhnen“, sagt Leber, der jeden Morgen zum Uniplatz radelt.

Mit den schwierigen Aufgaben, die als Kanzler auf ihn zukommen werden, will er es erst recht aufnehmen: „Ich habe die Universitätsverwaltung in den vergangenen 13 Jahren aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt. Als Vizekanzler in Erlangen hatte ich bereits ganz ähnliche Aufgaben und in vielen Sitzungen, an denen ich beratend oder als Vertretung teilgenommen habe, den Eindruck gewonnen: Kanzler kann ich auch.“ In Halle muss er das jetzt beweisen. Corinna Bertz

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