Forschung in den Ferien: Praktikantin Hannah Latta und Maria Giebler (v.l.) Foto: Zentrale Fotostelle des Universitätsklinikums
Forschung in den Ferien: Praktikantin Hannah Latta und Maria Giebler (v.l.) Foto: Zentrale Fotostelle des Universitätsklinikums

Forschungsferien: Praktikantin reist aus Kentucky an

Ein herzliches Lächeln im Gesicht, offener Blick und ein freundliches „Hi, nice to meet you!“ – das ist der erste Eindruck, den man von Hannah Latta erhält. Die 20-Jährige verstärkt für zehn Wochen – noch bis 19. August – das Forschungs-Team des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Halle. Dafür hat sie einen langen Weg auf sich genommen. Denn Latta ist US-Amerikanerin, studiert im dritten Jahr Biologie an der University of Kentucky in Lexington und absolviert in Halle ein Forschungspraktikum. „Ich wollte im Ausland forschen und Genetik macht mir besonders viel Spaß“, erklärt sie ihre Motivation, statt ihre Sommerferien zu genießen, im Ausland zu arbeiten. Schon seit der 10. Klasse habe sie gewusst, dass sie später gern in diesem Gebiet arbeiten wolle.

Möglich geworden ist der Aufenthalt in Halle mithilfe des RISE-Programms (Research Internships in Science and Engineering) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Hier hat Doktorandin und Biochemikerin Maria Giebler einen Antrag gestellt. Bereits im vergangenen Jahr hatte man über das Programm einen Praktikanten und gute Erfahrungen gemacht. „Der Antrag ist schnell ausgefüllt“, sagt Giebler, auch um andere Kollegen zu animieren, das RISE-Programm auszuprobieren. Den größeren Aufwand habe eher der künftige Praktikant, der unter anderem ein Motivationsschreiben und eine Empfehlung einreichen müsse. In den USA hat sich Latta im Januar für das Stipendium beworben, das ihr die Zeit in Halle finanziert. Die Zeit zwischen Bewerbung und Praktikum ist also verhältnismäßig kurz.

Und beide Seiten sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Ich hatte Halle vorher nicht im Plan und kannte es nicht“, sagt Latta. Es sei ihr zunächst mehr um die Forschungsthemen als um die Stadt gegangen. Jedoch hatte man ihr geraten, nicht unbedingt die größeren deutschen Städte auf ihre Liste zu setzen, weil dort die Chancen aufgrund vieler Interessenten nicht ganz so gut stehen.

Und so wurde es am Ende Halle und dessen Universitätsklinikum. Eine gute Wahl, wie sie findet: „Die technische Ausstattung ist sehr gut, es sind alle Ressourcen vorhanden“, sagt Latta. Hier unterstützt sie Giebler bei deren Doktorarbeit, in der es um Untersuchungen zur Methylierung von sogenannten Piwi-like-Genen in Keimzelltumorzellen geht. Diese Proteine sind unter anderem für die Stabilität des Erbgutes in Keimbahnstammzellen verantwortlich und in anderen Körperzellen stillgelegt. In Tumorzellen können sie allerdings aktiviert werden.

Wie diese Aktivierung geschieht, versuchen Giebler und Latta zu erforschen. „Ich plane die Experimente und erkläre ihr die Theorie, Hannah führt sie durch und fragt so lange, bis sie alles versteht“, erklärt Giebler und freut sich über das große Interesse der 20-jährigen Amerikanerin. Hauptsächlich gehe es um die Multiplikation von RNA, die Arbeit sei ein Mix aus Zellkultur und Molekularbiologie. „Sie ist clever, talentiert und lernt schnell“, sagt Giebler lobend über „ihre“ Forschungsstudentin.

An der Arbeit schätzt Latta besonders, dass sie kontinuierlich über mehrere Wochen praktisch arbeiten und damit ihre „Lab Skills“ verbessern kann. „Es festigt, was ich bisher gelernt habe“, sagt sie. Und Latta hat noch viel vor, ist trotz ihres jungen Alters sehr zielstrebig. „Ich möchte an eine Medical School und an einem MD/PhD-Programm teilnehmen“, sagt sie.

Aber auch das WG-Leben mit fünf jungen Leuten in einer Wohnung direkt am halleschen Markt gefällt ihr. Die Wochenenden nutzt sie zudem oft, um die Region und die Nachbarländer zu erkunden, denn es ist erst ihr zweiter Aufenthalt in Europa. „Das Praktikum ist für mich also auch ein kulturelles Ereignis“, sagt Latta.

Zuvor hat sie zwei Wochen intensiv Deutsch gelernt, die Verständigung mit den Kollegen erfolgt aber auf Englisch. „Das ist eine gute Möglichkeit für unsere PhD-Studenten, Englisch zu lernen beziehungsweise ihre Kenntnisse zu verbessern“, sagt Dr. Thomas Greither, Leiter des Forschungslaborbereichs am Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie. Und mit der Betreuung von Forschungsstudenten tue man auch etwas für die Internationalisierung – ein Ziel, das die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg generell anstrebe.  Cornelia Fuhrmann

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