Ein Foto der studentischen Ausstellung zeigt den Blick auf Sarajevo, die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. (Foto: Teresa Pfützner)

Eindrücke aus Bosnien: Studentische Ausstellung in der Harz-Mensa

Zehn Tage waren Studierende aus Halle in Bosnien-Herzegowina unterwegs. Ab Donnerstag, 10. Dezember, werden die Fotografien, die während der Exkursion im Rahmen des Seminars „Multikulturalität und Multireligiosität“ entstanden sind, in der Harz-Mensa gezeigt. Neben Architekturaufnahmen und Bildern südosteuropäischer Landschaften werden die Besucher mit den heute noch sichtbaren Kriegsfolgen konfrontiert.

Viola Prasse und Jessica Baier wirken angespannt. Die Studentinnen kuratieren die Fotoausstellung „20 Jahre nach Srebrenica – 20 Jahre nach Dayton: Multikulturalität und Multireligiosität in Bosnien-Herzegowina gestern und heute“ und das zum ersten Mal. Wenige Tage haben sie noch Zeit, bevor die Fotografien im Erdgeschoss der Harz-Mensa ausgestellt werden. „Die Fotoausstellung zu organisieren war und ist immer noch eine Herausforderung“, sagt Prasse und fügt hinzu: „man lernt einen Blick für die Dinge zu entwickeln und mit verschiedenen Leuten zu kommunizieren.“

Die beiden Kuratorinnen studieren im fünften Semester Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext. Das helfe ihnen, wenn es darum geht, Interviews zu führen oder Ausstellungstexte zu verfassen. Dennoch seien sie froh, dass die Dozentinnen des Seminars für Slavistik und des Seminars für Indogermanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft sie mit Rat und Tat unterstützen. Denn die Lehrenden organisierten nicht nur das Seminar zum Thema Multikulturalität und Multireligiosität, sondern auch die Exkursion nach Bosnien-Herzegowina.

„Wir wussten, dass im Anschluss an die Lehrveranstaltung eine Exkursion nach Bosnien-Herzegowina anstand. Da wir während des Seminars in verschiedene Gruppen aufgeteilt wurden, entstand die Idee gemeinsam eine Ausstellung zu organisieren“, sagt Jessica Baier. Am Anfang sei man ziemlich blauäugig an die Vorbereitung herangegangen. Habe alle Fotos, die während der Reise entstanden sind, durchgeschaut und nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt.

Die Kultur und Geschichte des Landes war Thema des Seminars "Mulitkulturalität und Multireligiösität". (Foto: Teresa Pfützner)

Die Kultur und Geschichte des Landes waren Thema des Seminars und der Exkursion. (Foto: Teresa Pfützner)

Zehn Tage waren die Studierenden in verschiedenen Städten Bosnien-Herzegowinas unterwegs. 1992 erklärte das Land, das einst ein Teil des sozialistischen Vielvölkerstaats Jugoslawien war, seine Unabhängigkeit. Die Spannungen zwischen den drei größten Volksgruppen – Kroaten, Serben und Bosniaken – eskalierten jedoch. Es folgte ein drei Jahre andauernder Krieg, der – unter anderem bei einem Genozid in Srebrenica – insgesamt mehr als 100.000 Todesopfer forderte, und erst 1995 mit einem Abkommen im US-amerikanischen Dayton ein Ende fand. Vor Ort konnten sich die Teilnehmer des Seminars „Multikulturalität und Multireligiosität“ ein eigenes Bild von den Seminarinhalten zur Kultur und Geschichte des Landes machen und mit Einwohnern über deren Erfahrungen und Ansichten sprechen.

In der Ausstellung sind neben Architektur- und Landschaftsaufnahmen auch Bilder vertreten, die das politsche Bewusstsein der Besucher ansprechen sollen. „Wir wollten einerseits die Vielfalt des Landes zeigen, andererseits aber auch verdeutlichen, wie es 20 Jahre nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina aussieht“, sagt Viola Prasse. An vielen Orten sehe man immer noch Spuren des Krieges. Wohnhäuser sind von Maschinengewehren durchlöchert und in manchen Gebieten besteht nach wie vor die Gefahr auf eine Mine zu treten.

Dennoch zeige die Ausstellung auch ganz persönliche Momente. „Es wird unter anderem eine Aufnahme der Skyline von Sarajewo zu sehen sein, die mich immer wieder gern an die Reise zurückdenken lässt. Sie zeigt die Stadt während des Sonnenuntergangs. Wir saßen auf einem kleinen Berg. Auf einmal fingen alle Muezzine an zu singen“, erzählt Baier. Dazu muss man erwähnen, dass sich in Sarajewo etwa 100 Moscheen befinden. Dieser Gänsehautmoment, den die Studierenden erlebten, ist genauso Bestandteil der Ausstellung, wie der politische Aspekt. Die beiden jungen Frauen wünschen sich, dass sie die Besucher dazu anregen können, sich über das Land und seine Bewohner zu informieren. Denn der nördlichste Punkt Bosnien-Herzegowinas ist genauso weit von Halle entfernt wie London von der Saalestadt. Maria-Luise Kunze

 

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung mit dem Titel „20 Jahre nach Srebrenica – 20 Jahre nach Dayton: Multikulturalität und Multireligiosität in Bosnien-Herzegowina gestern und heute“ ist Dank des Studentenwerks Halle ab dem 10. Dezember im Erdgeschoss der Mensa im Harz 42 zu sehen. Bis Anfang März können Besucher die Fotografien zu den Mensa-Öffnungszeiten von 11.15 Uhr bis 14 Uhr besichtigen.

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