Peter Wycisk
Peter Wycisk erstellt mit seiner Arbeitsgruppe 3D-Glaswürfel-Modelle (Foto: Markus Scholz)

Wissenschaft in Szene setzen

Geologie begreifbar machen: Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Peter Wycisk erstellt seit 2007 geologische 3D-Glasmodelle, die deutschlandweit großen Anklang finden. Die Städte Halle, Staßfurt, Magdeburg und Berlin haben die Forscher schon abgebildet – Wien und Halle-Neustadt wurden gerade fertig gestellt. Im Interview spricht Peter Wycisk über seine Motivation, wissenschaftliche Forschung anschaulich zu gestalten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, geologische Modelle in Glaswürfeln abzubilden?
Peter Wycisk: Ich war vor Jahren auf einer Tagung in Asien. Dort sind die Glaslasergravuren bereits weit verbreitet. Am Flughafen habe ich dann Tierfiguren gesehen, die in sehr hoher Qualität in solche Würfel gelasert worden waren. Das fand ich interessant. Modelle für geologische Strukturen im Untergrund waren bislang immer undurchsichtig. Es gibt eine Reihe von Methoden zur Darstellung, aber es gibt keine, die in einem transparenten Festkörper Geologie komplett durchgängig darstellen kann. Ich war dann der Erste, der versucht hat, geologische Daten über einen transparenten Körper in hochwertigem Glas umzusetzen.

Wollten Sie die Technik verwenden, um die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit oder Ihren Kollegen zu präsentieren?
Das geht ein wenig ineinander über. Der Öffentlichkeitsaspekt ist für mich immer wichtig gewesen. Gerade die Bevölkerung von Halle hat eine recht enge Verbindung zur Geologie, aufgrund des Salzes und der Hallestörung. Deshalb habe ich mich auch mit der Möglichkeit beschäftigt, wie man so etwas darstellen und kommunizieren kann.

Was passiert mit Wissenschaft, wenn man sie in einem Gegenstand darstellt?
Sowie man Wissenschaft sichtbar und vollständig begreifbar macht, ist das aus meiner Sicht mit einer gewissen Trivialisierung verbunden. Man muss den Gegenstand nicht trivialisieren, aber Modelle sind vereinfachte Darstellungsformen. Diese Trivialisierung, dieses völlig Gegenständliche wirkt ein wenig entzaubernd und manchmal vielleicht auch nicht mehr ganz so wissenschaftsnah.

Woran liegt das?
In der Wissenschaftskommunikation gibt es zu einem gewissen Grad die Wahrnehmung: Je unverständlicher, desto wissenschaftlicher.

Würden Sie das denn unterschreiben?
Nein. Ich denke, man muss bei jeder Art von Kommunikation sein Gegenüber vor Augen haben. Wenn ich mit einem Fachkollegen spreche, werde ich natürlich Fachtermini verwenden, die er sofort versteht und fachliche Bezüge herstellen kann. Wenn ich aber mit Studierenden oder der interessierten Öffentlichkeit spreche, brauche ich jeweils andere Bilder und Begrifflichkeiten, die deutlich machen, was ich transportieren will.

In den USA gibt es einen Comic-Zeichner, der technische Prinzipien und wissenschaftliche Sachverhalte mit den 1.000 am häufigsten verwendeten Wörtern der englischen Sprache erklärt. Ist das eine Übertreibung?
Mein Zugang ist hier ein etwas anderer. Mir geht es nicht um die Kommunikation von Wissenschaft um jeden Preis. Mit unseren innovativen Darstellungsformen erzeugen wir beim Betrachter einen anderen Zugang und eine andere Wahrnehmung als bei einem gedruckten Bild oder einer Bildschirmpräsentation. Der Betrachter muss sich zum Beispiel bewegen, um die Bilder zu sehen und kann dabei immer neue Details entdecken. Im Bereich der Wissenschaftskommunikation müssen wir Aufmerksamkeit erzeugen. Ein Glaswürfel in einem blauen Licht, der in seinem Kristallglanz strahlt, erzeugt bei jedem Bürger Interesse. Verständliche, ergänzende Erläuterungen schaffen dann den Kontext zur Sache. Diese Modelle sind ja nicht automatisch selbsterklärend.

Seite 2: „Es hat sich gelohnt, war aber ein langer Weg.“

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