Ist Sport gesund?

„Crash to learn“ lautet die Philosophie von Extremsportler Philipp Auerswald. Frei übersetzt: Wer sich verletzt, lernt daraus. Das Risiko gehört dazu. Wenn man wie Auerswald als Sportstudent auf Schlittschuhen eine Bobbahn hinunterrast, bestimmt. Aber beim Joggen oder Handballspielen? Heißt es nicht, dass gesund bleibt, wer Sport treibt? Ein Sportwissenschaftler und ein Mediziner geben an dieser Stelle Antworten darauf. Wer mitdiskutieren möchte, ist dazu herzlich eingeladen!

 

PROF. DR. KUNO HOTTENROTT – PRO

Prof. Dr. Kuno Hottenrott (Foto: privat)

„Das Medikament des Jahrhunderts“

In zahlreichen Studien konnte in den letzten Jahren immer wieder aufgezeigt werden, dass Bewegung und Sport für die Gesundheit des Menschen essentiell ist. Heute wird der Begriff Gesundheit nicht allein über das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen definiert. Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit sowie körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens eines Individuums.

Evolutionär mussten sich unsere Vorfahren bewegen, um zu überleben. In unserer heutigen Gesellschaft ist dies nicht mehr notwendig. Pharmazie und Hochleistungsmedizin tragen zur Lebenserhaltung, aber nicht unbedingt zur Steigerung der Lebensqualität bei. Sport ist das Medikament des Jahrhunderts. Seine Wirkung ist nicht auf die Erhaltung der Gesundheit beschränkt, sondern trägt nachweislich auch zur Wiederherstellung der Gesundheit bei. Individueller, auf die Belastbarkeit des Individuums angepasster Sport hat keine Nebenwirkungen. Durch Bewegung und Sport lassen sich die Kosten im Gesundheitswesen erheblich senken.

Bewegungsarmut führt nicht nur zu Muskelschwund und körperlicher Schwäche, sondern auch zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit des Organ-, Stütz- und Bewegungssystems. Übergewicht und Fettleibigkeit sind vielfach die Folge von Inaktivität. Aber auch Diabetes (Typ II), Bluthochdruck, Herzinsuffizienz u. a. treten häufiger auf. Durch regelmäßige körperliche Aktivität (>1.000 kcal/Woche) kann das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko signifikant gesenkt werden.

Insbesondere bisher inaktive Personen und Patienten mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko sowie chronisch kranke Menschen profitieren vom Sport. Dabei werden hohe Effekte bei indikationsbezogenen und individualisierten Bewegungsprogrammen erzielt. Es ist nie zu spät, um mit dem Sport zu beginnen. Die Trainierbarkeit der motorischen Hauptbeanspruchungsformen ist in jedem Alter gegeben. Für Gesunde und Erkrankte hat Bewegung und Sport auch eine stimmungsaufhellende Wirkung und kann zum Stressabbau in Beruf und Alltag beitragen. Durch aktive Bewegung steigt das Gesundheitsbewusstsein für den eigenen Körper. In diesem Zusammenhang bildet eine gesunde Ernährung verbunden mit einem aktiven Lebensstil die Grundvoraussetzung für ein ausgeglichenes Leben.

 

DR. LARS IRLENBUSCH – CONTRA

Dr. Lars Irlenbusch (Foto: Daniel Gandyra)

„Potenziell gefährlich“

Der präventive und positive Effekt sportlicher Betätigung im Hinblick auf verschiedene Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, auf die Ausgeglichenheit des Fett- und Kohlehydratstoffwechsels, auf psychische Stabilität und auf zahlreiche Probleme des Bewegungssystems, sind allgemein bekannt. Allerdings kann es potenziell gefährlich sein, Sport zu treiben.

Statistisch gesehen muss bei rund 40 Millionen Sporttreibenden in Deutschland mit zwei Verletzungen pro 100 Personen gerechnet werden. Bei jedem 4.000. Sportler kommt es zu einem Unfall mit verbleibendem Dauerschaden. Entscheidend dafür, dass Sport gesund ist und bleibt, ist das dem Alter und dem Zustand des Sportlers angepasste Leistungsniveau – und die Sportart. So gibt es Sportarten mit potenziell schweren Verletzungsmöglichkeiten.

Gute Beispiele sind Hand- und Fußball. In 70 Prozent der Fälle kommt es hierbei zu Verletzungen der unteren Extremität, wobei vor allen Dingen Verletzungen des Kniegelenkes und des oberen Sprunggelenkes zu nennen sind. Zu den Verletzungsmustern zählen am häufigsten Distorsionen, Bänderrisse und Meniskusverletzungen.

Neben den akuten Verletzungen müssen jedoch auch chronische Überlastungen bzw. Überlastungsschäden genannt werden. Diese entstehen oft durch zu intensive sportliche Betätigung. Hierzu zählen Ermüdungsbrüche im Mittelfuß- sowie im Schienbeinbereich bei den Laufsportarten. Ein Beispiel:

Ein 28-Jähriger passionierter Triathlet klagte über seit Wochen zunehmende Schmerzen im rechten Unterschenkel. Wir stellten einen Ermüdungsbruch des Schienbeines fest. Die Therapie sah über einen Zeitraum von vier Wochen körperliche Schonung, zeitweise Entlastung und medikamentöse Stimulierung der Knochenbruchheilung vor. Eine lange Zeit für einen Leistungssportler mit hoher Trainings- und Wettkampffrequenz. Problematisch können sich sportliche Aktivitäten aber auch bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder einem Infektgeschehen im Rahmen einer Grippeerkrankung gestalten. Im ersten Fall sollte die sportliche Betätigung nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, im zweiten sollte strikt eine Sportpause eingehalten werden.

Doch alles in allem gilt: Die positiven Aspekte überwiegen die negativen. Insofern sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, sportlich aktiv zu sein.

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