Pädagoge Thomas Olk verstorben – ein Nachruf

Am 4. März ist Thomas Olk, Professor für Sozialpädagogik und Sozialpolitik an der Uni Halle, verstorben. Über Jahrzehnte hat er die Disziplin Sozialpädagogik sowie den Fachdiskurs über Soziale Arbeit und die Gestaltung der Bürgergesellschaft entscheidend geprägt. Ein Nachruf von Prof. Dr. Johanna Mierendorff vom Institut für Pädagogik.

Prof. Dr. Thomas Olk (Foto: Frank Heinrich Müller)

Prof. Dr. Thomas Olk (Foto: Frank Heinrich Müller)

Am 4. März 2016 verstarb Prof. Dr. Thomas Olk nach langer und schwerer Krankheit. Er lehrte und forschte 25 Jahre als Professor in Halle. Zunächst hatte er zwischen 1991 und 1993 eine Professur für Sozialpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Halle-Köthen inne, danach eine Professur für Sozialpädagogik / Sozialpolitik am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Martin-Luther-Universität. Er war maßgeblich an der Gestaltung und Etablierung eines grundständigen erziehungswissenschaftlichen Diplom- und auch des Magisterstudiengangs der Universität Halle beteiligt.

Mit Thomas Olk geht nicht nur ein Lehrender, sondern auch eine Forscherpersönlichkeit, die die Disziplin Sozialpädagogik über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. An der Schnittstelle zwischen Sozialpädagogik und Sozialpolitik hat er bedeutsame Denkanstöße und Impulse geliefert. So war er in den frühen 1980er Jahren einer der Ersten, die dieses Feld als eine in sich widersprüchliche Herausforderung für die Soziale Arbeit nachhaltig transparent gemacht haben. Vor diesem Hintergrund haben seine professionstheoretischen Arbeiten, seine Auseinandersetzung mit Fragen der Dienstleistungsorientierung in der Sozialen Arbeit, seine Forschungen zum Wandel wohlfahrtsverbandlicher Strukturen und kommunaler Bildungslandschaften, seine Statements zur Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements Zeichen gesetzt.

Seine Forschungsprojekte waren zahlreich und vielfältig. In übergreifender Weise interessierte ihn zum einen die Frage nach dem institutionellen Wandel der Bedingungen Sozialer Arbeit im Lichte wohlfahrtsstaatlicher Transformationen. Zum anderen lag sein Interesse in der Analyse von Ermöglichungs- und Ermächtigungsstrukturen als Grundlage professionellen Handelns, aber auch des Handelns von Akteuren wie Kinder, sozial benachteiligte Menschen oder an gesellschaftlichem Engagement.

In Sachsen-Anhalt hat er umfangreiche Studien zur Schulsozialarbeit und zum Thema Schulverweigerung durchgeführt. Seine diesbezüglichen organisations- und handlungsbezogenen Erkenntnisse bieten nach wie vor unverzichtbare Grundlagen für weiterführende politische Diskussionen und Entscheidungen.Mit seinen empirischen Forschungsarbeiten hatte er immer wieder das kritische Ohr an Gegenwartsproblemen und Diskursen, die die Sozialpädagogik, aber auch die Kommunalpolitik beschäftigten.

Mit seinem Gespür für aktuelle Themen und seinen forschungsgestützten Beratungserfahrungen in politischen Verhandlungsarenen war er eine vielgefragte Persönlichkeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an sein Engagement in der durch den deutschen Bundestag eingesetzten Enquete-Kommission Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements und der damit einhergehenden Gründung und Etablierung des Bundesnetzwerkes bürgerschaftliches Engagement, aber auch an sein großes, bis zum Schluss nicht erlöschendes Engagement für die Erforschung kommunaler Bildungslandschaften und die damit einhergehende Politikberatung in zahlreichen Städten und Kommunen.

Mit Thomas Olk verlieren wir eine große Forscherpersönlichkeit, die nicht müde wurde, wichtige Themen aus gesellschaftlichen Randbereichen in die interdisziplinäre Kommunikation einzubringen, und die so ihr Fach und die ihm entsprechende Praxis in herausragender Weise geprägt hat. Johanna Mierendorff

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