Katrin Moeller arbeitet im Instituts-Neubau am Steintor-Campus. Dort befindet sich auch das Historische Datenzentrum Sachsen-Anhalt. (Foto: Michael Deutsch)

Daten erzählen Geschichte

Ganz gleich, ob es sich um alte Fotos oder mittelalterliche Stadtbücher handelt – historische Daten bilden die Grundlage für die Forschung am Institut für Geschichte. Doch was ist bei der Arbeit mit Daten und bei deren Digitalisierung und zu beachten? Dazu berät Dr. Katrin Moeller angehende Historiker.

Was passiert mit Daten, wenn ein Forschungsprojekt zu Ende geht oder der Wissenschaftler, der es einst bearbeitete, die Uni wechselt oder emeritiert wird? „Dann sind die Daten bisher nicht selten einfach verloren gegangen“, sagt Dr. Katrin Moeller. Sie muss es wissen, denn als sie 2008 Leiterin des neu gegründeten Historischen Datenzentrums an der Martin-Luther-Universität wurde, ist sie auch mit dem Ziel angetreten, so etwas künftig verhindern zu helfen. Am Datenzentrum werden vor allem historische Quellen computergestützt aufbereitet, bereitgestellt und ausgewertet.

Wie wichtig ihr Job inzwischen ist, merkt Moeller nicht nur daran, dass es vorkommen kann, dass plötzlich Kollegen mit riesigen alten Disketten vor ihr stehen, und fragen, ob sie noch auf die darauf befindlichen Daten zugreifen könne, sondern auch daran, dass jeder Masterstudent des Instituts für Geschichte zu einer Beratung bei ihr erscheint. Sie erklärt dann nicht nur, wie Datensätze grundsätzlich erstellt und dokumentiert werden, sondern auch, wie diese später der Forschung zur weiteren Nutzbarmachung zur Verfügung gestellt werden können. Zugleich hilft sie den Kollegen, ihre Daten zu publizieren und baut dafür derzeit diverse Forschungsdatenserver mit auf.

Moeller im Gespräch mit Studierenden der Geschichte. (Foto: Michael Deutsch)

Moeller im Gespräch mit Studierenden der Geschichte (Foto: Michael Deutsch)

Außerdem müssten Studenten wie Mitarbeiter des Instituts für Geschichte den Umgang mit Daten im digitalen Zeitalter neu lernen. Um diesen Prozess zu erleichtern, wurde inzwischen einiges getan: „Mit der Novellierung unserer Masterstudiengänge haben wir auch eine Beratungspflicht zum Datenmanagement als Pflichtteil des Moduls Masterarbeit festgeschrieben. Wahrscheinlich tritt diese ab Wintersemester 2016/17 in Kraft“, so die Historikerin. Bereits im Bachelorstudiengang gibt es eine Vorlesung, in der es auch um den Einsatz digitaler Methoden in den Geisteswissenschaften geht. Während die Vorlesung eher den theoretischen Rahmen vorgibt, soll die Beratung ganz praktisch und individuell Fragen zu Forschungen während der Masterarbeit beantworten.

Bislang finden Studierende und Wissenschaftler häufig erst am Ende ihrer Arbeit, wenn es dann um konkrete Fragen der Auswertung von Daten geht, zur Leiterin des Historischen Datenzentrums. Oft habe sie dann feststellen müssen, dass die Daten – so wie sie aufgenommen und strukturiert wurden – gar nicht auswertbar sind oder erst mit großem Aufwand in die richtige Form gebracht werden müssen. Durch die Beratungspflicht sollen künftig bereits am Anfang eines Projekts grundlegende Regeln zur Anlage von Datenbanken oder Tabellen berücksichtigt werden.

Daten zerlegen, um sie nutzbar zu machen

Ein gutes Beispiel dafür ist die so genannte Atomisierung von Daten. Das bedeutet: In jeder Variable beziehungsweise in jeder Tabellenspalte darf auch nur eine Information stecken. Straßenname, Hausnummer, Postleitzahl und der Ort sind als vier Einzelinformationen festzuhalten, denn zusammenführen lassen sich Informationen immer leicht. Trennen dagegen kann man sie nur schwer. Überdies müssen auch die „versteckten“ Informationen erfasst werden. Werden beispielsweise Namen erfasst, erfährt man damit auch das Geschlecht einer Person. Dies muss jedoch separat erfasst werden, wenn man später mit diesen Namen zum Beispiel das Geschlecht als Kategorie auswerten will.

Grundsätzlich geht es Moeller darum, Daten langfristig nutzbar zu machen und zu bewahren. Man könne dabei schon deshalb nichts dem Zufall überlassen, weil historische Datensätze aus Forschungsprojekten bereits anlässlich ihrer Erstellung viel Geld gekostet haben. Zum Vergleich: Der Löwenanteil, nämlich bis zu 80 Prozent der Arbeit an einem Forschungsprojekt, fließt in die Aufbereitung der Quellen. Für die Analyse und Publikation von Ergebnissen benötigt man die restlichen 20 Prozent der Zeit. In gewisser Weise, so Katrin Moeller, sei das ein Missverhältnis.

Studenten digitalisieren historische Quellen: Mehr dazu auf Seite 2 >>

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar wird schnellstmöglich durch unser Team freigeschaltet.

Kommentar