Neues Herzzentrum in Halle: „Das ist etwas Besonderes“

Der Kardiologe Prof. Dr. Stefan Frantz (links) und der Herzchirurg Prof. Dr. Hendrik Treede wollen Patienten im Mitteldeutschen Herzzentrum künftig interdisziplinär und im Team beraten. (Foto: Universitätsklinikum Halle)

Der Kardiologe Prof. Dr. Stefan Frantz (links) und der Herzchirurg Prof. Dr. Hendrik Treede wollen Patienten im Mitteldeutschen Herzzentrum künftig interdisziplinär und im Team beraten. (Foto: Universitätsklinikum Halle)


Das Mitteldeutsche Herzzentrum der Medizinischen Fakultät der Uni Halle und des Uniklinikums ist im April gegründet worden. Unter seinem Dach arbeiten Kardiologen, Kinderkardiologen und Herzchirurgen zusammen. Welche Ziele mit dem Zentrum  in der Krankenversorgung und der Forschung verfolgt werden, darüber sprachen der Herzchirurg Prof. Dr. Hendrik Treede und der Kardiologe Prof. Dr. Stefan Frantz im Interview.

Professor Frantz, Professor Treede, was war der Grund ein Herzzentrum in Halle zu gründen?

Hendrik Treede: Das ist eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren in der gesamten kardiovaskulären Medizin abgezeichnet hat. Es liegt unter anderem daran, dass es neue Verfahren der Therapie gibt, die von Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam durchgeführt werden. Auf dieser Basis hat sich eine engere Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen ergeben und daraus hat sich der Gedanke entwickelt, Herzzentren zu bilden, auch hier in Halle. Wir wollten das Konzept auf noch stabilere Füße setzen und in Form eines „Comprehensive Heart Centers“ auch die Forschung und die externen Partner miteinbeziehen. Ziel ist, zum Wohle der Patienten und im Sinne translationaler Forschung sowie Umsetzung der Ergebnisse in Therapien ein umfassendes Angebot zu haben.

Stefan Frantz: Es soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf eine strukturelle Basis stellen und eine Plattform schaffen, auf der die Fachdisziplinen kommunizieren und sich in den Bereichen Wissenschaft und Klinik zusammen weiterentwickeln können. Meine Erfahrung ist bisher, dass wenn man unterschiedliche Herangehensweisen an ein Thema hat, man im Team immer etwas produzieren kann, das andere Standorte so nicht produzieren. Das gilt sowohl für den klinischen Bereich als auch für die Wissenschaft.

In der Ordnung, die sich das Herzzentrum gegeben hat, heißt ein Punkt: „Intensivierung der gemeinsamen Forschungsaktivitäten“. Was genau ist darunter zu verstehen?

Treede: Zunächst muss man festhalten, dass wir kardiologisch wie auch herzchirurgisch exzellente Forschungslabore haben, was die experimentelle Forschung angeht. Da stellen wir uns vor, dass die beiden Bereiche noch enger kooperieren und vielleicht auch gemeinsame Projekte verwirklichen. Bei einem Meeting aller Herzspezialisten unseres Herzzentrums in diesem und dem vergangenen Jahr sind einzelne Projekte vorgestellt worden. Dabei haben sich sofort Kooperationen zwischen ähnlichen Projekten entwickelt und sind gemeinsame Projekte entstanden, deren Ergebnisse in diesem Jahr schon vorgestellt werden konnten. Da wir alle am selben Organsystem forschen, haben wir eine Menge Synergien, die man freisetzen kann. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit das in ganz enge Projekte münden kann. Und über das Roux-Förderprogramm der Medizinischen Fakultät Halle gibt es ja ebenfalls die Möglichkeit, über das eigene Gebiet hinaus, Forschungskooperationen einzugehen.

Frantz: Wir können sagen, dass wir im vergangenen Jahr mit dem Profilzentrum Gesundheitswissenschaft der Medizinischen Fakultät zusammen einen größeren BMBF-Antrag gestellt haben, wir werden jetzt für den Innovationsfonds zusammen einen Antrag stellen, so dass auch hier interdisziplinär etwas zusammenwächst. Zudem ist eine gemeinsame interdisziplinäre Studienambulanz für die klinische Forschung geplant, die Räumlichkeiten hier haben wird. Basiswissenschaftlich ist im vergangenen Jahr ein Verbundantrag gestellt worden und zudem ist aus dem Labor der Herzchirurgie ein Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft hervorgegangen, das auch kardiovaskulär forscht. Daher gibt es sehr gute Ansatzpunkte, wie man das Konzept weiterentwickeln kann und es entsteht etwas, dass es vorher noch nicht gegeben hat. Und die Interaktion zwischen Basis und dem klinischen Bereich soll ebenfalls intensiviert werden, um beispielsweise klinische Proben zu erhalten oder neue basiswissenschaftliche Erkenntnisse in die klinische Versorgung zu integrieren. Diese Verzahnung, der Übergang von Wissenschaft zu Klinik unter einem Dach, ist etwas Besonderes.

Welchen Einfluss kann die Forschung auf die Herzgesundheit in Sachsen-Anhalt haben, die ja mit als die schlechteste im Bundesvergleich gilt?

Treede: Dass die kardiovaskuläre Mortalität in Sachsen-Anhalt sehr hoch ist, liegt ja nicht daran, dass die medizinische Versorgung schlecht ist, sondern es gibt hier aufgrund verschiedener Faktoren wie Adipositas, Rauchen und nicht selten auch sozialer Schwäche mehr kranke Patienten als anderswo. Aber im Sinne der Versorgungsforschung wollen wir mit unseren Partnern auch Strategien überlegen, wie wir die Patienten in der Peripherie besser kontrollieren und nachverfolgen kann, beispielsweise über den Einsatz von Telemedizin. Das ist von hier aus fest geplant in Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern, niedergelassenen Kollegen und Partnern in der Industrie.

Frantz: Zudem wollen wir herausfinden, ob die sogenannte Adhärenz hier ein Problem ist. Das bedeutet, dass sozialschwächere Menschen häufig ihre Medikamente nicht konsequent einnehmen und wir Wege finden wollen, darauf einzuwirken und damit die kardiovaskuläre Gesundheit zu verbessern. Das ist auch etwas, in das das Herzzentrum, niedergelassene Ärzte sowie die Gesundheits- und Pflegewissenschaften eingebunden sind. Interview: Cornelia Fuhrmann

Das vollständige Interview erscheint in der Juni-Ausgabe des „Medialog Wissenschaft“ der Universitätsmedizin Halle (Saale). Die Zeitschrift liegt in den Kliniken und Instituten des Universitätsklinikums Halle (UKH) aus und ist als PDF sowie auf Anfrage in der Pressestelle des UKH erhältlich.

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