Das Fest- und Benefizkonzert mit Sir András Schiff am Klavier (Foto: Maike Glöckner)

Sir András Schiff begeistert zum zehnjährigen Jubiläum der „aula konzerte halle“

Bis auf den letzten Platz war die Aula besetzt, als Starpianist Sir András Schiff am vergangenen Montag in der Reihe „aula konzerte halle“ aufspielte. Zum zehnjährigen Jubiläum der Kammermusikreihe brachte der weltberühmte Musiker die letzten Klaviersonaten von Beethoven, Haydn, Mozart und Schubert zu Gehör. Pascal Schiemann hat das Fest- und Benefizkonzert zusammengefasst. 

Sir András Schiff (Foto: Maike Glöckner)

Sir András Schiff (Foto: Maike Glöckner)

Zugegeben, sie haben etwas Transzendentes, diese Augenblicke zwischen Schlussstrich und Applaus, in denen sich das Publikum in Schweigen hüllt, um ihm zu lauschen – dem Nachhall jenes Schwanengesangs, der aus dem Claire-Obscur von Omen und Ekstase in die große Ruhe über den letzten Dingen präludiert: Die fünfte Variation der Beethovenschen Klaviersonate Op. 111, wie unvergleichlich führt sie in die Stille und wie unverkennbar klingt sie aus den Händen eines Sir András Schiff!

Es ist der Sturm vor einer Ruhe, die da Schlaglichter wirft auf die Bruchstellen des Bewussten und die als leise Ahnung dessen, worüber selbst noch die Musik verstummen muss, seinem Spiel in jeder Faser innewohnt. Schiff weiß, dass in jedem Freudentaumel noch das Elegische seinen Platz hat und schenkt uns diese kleine Wahrheit: Wer Gold zum Markte tragen will, der muss es mit Kupfer versetzen.

Diese dritte Variation? Sie ist kein unbeschwerter Boogie-Woogie, sondern der ekstatische Tanz des Dionysos, bittersüße Heiterkeit. Melancholie in strahlendem Dur, durch deren Schleier noch in jedem Takt die dämonische Schwere des ersten Satzes schimmert. Dieser Schubert? Beinahe zu Fall gebracht von den langen Schatten, die sich aus den entlegensten Bassregionen wieder und wieder zweifelnd auf das zarte Sehnen legen, um nur am Ende doch sich wiederaufzurichten.

András Schiff, er konzipiert diesen Gestus im Großen, reiht späte an letzte Sonaten, denen allesamt der Nimbus letzter Worte anhaftet: Mozart, Schubert, Haydn, Beethoven – Distichen zwischen Freudentaumel.

Allein er gibt uns eben nicht das strahlende lieto fine, gibt uns nicht das unentwegte Wiederaufbäumen eines Franz Schubert, nicht das zarte Hoffen eines Haydn oder Mozart. Schiff lässt uns alleine mit der großen Ungewissheit Beethovens – dem Pianissimo, das sich kaum mehr zu fragen traut, weil es weiß, dass es die Antwort gar nicht gibt. Und doch: Hat er damit denn nicht alles gesagt? Pascal Schiemann

Website der „aula konzerte halle“

Mit dem Erlös des Konzerts soll die Arbeit für die Betreuung und Integration von Flüchtlingen der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. und des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara in Halle unterstützt werden.

 

 

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