Zwischen ihren beiden Arbeitsplätzen pendelt Kathrin Hirschinger am liebsten mit dem Fahrrad. (Foto: Markus Scholz)

Zwanzig Fragen an Dr. Kathrin Hirschinger

An dieser Stelle wird’s persönlich … Den Fragebogen des Unimagazins beantwortet in Heft 2/16 Dr. Kathrin Hirschinger. Im Mai wurde die Musikpädagogin zum dritten Mal zur Gleichstellungsbeauftragten der Universität Halle gewählt. Seit acht Jahren ist sie neben ihrer Arbeit in den Musikwissenschaften auch im Gleichstellungbüro tätig.

1 Warum leben Sie in Halle und nicht anderswo?
Ich bin gebürtige Hallenserin, habe hier studiert und beruflich Fuß gefasst. Mein Mann ist ebenfalls durch seine Tätigkeit an Halle gebunden, sodass es für mich nie einen Grund gab, Halle den Rücken zu kehren.

2 Wenn nicht Musikpädagogin, was wären Sie dann geworden?
Tierärztin oder Bauzeichnerin waren Berufswünsche während meiner Schulzeit. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ich nach dem abgeschlossenen Studium Grundschullehrerin geworden wäre.

3 Was war an Ihrer Studienzeit am besten?
Rückblickend war die Verlässlichkeit und Organisiertheit einer Seminargruppe nicht die schlechteste Studienform. Andererseits gab es so natürlich weniger Möglichkeiten, sich auszuprobieren und über den Tellerrand hinauszuschauen.

4 Welchen Rat fürs Überleben würden Sie den Studierenden heute geben?
Nutzen Sie die Möglichkeiten, auch andere Fachdisziplinen kennenzulernen! Haben Sie den Mut, den Studiengang zu wechseln, wenn er doch nicht Ihren Vorstellungen entspricht! Sammeln Sie Erfahrungen im Ausland und bei Praktika! Und genießen Sie trotz allem Stress die Studienzeit!

5 Wenn Sie Rektorin einer Universität wären, was würden Sie als erstes tun?
Als Rektorin würde ich mich dafür einsetzen, dass für alle Beschäftigten die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sie ihre Arbeit den Anforderungen entsprechend bewältigen können. Es wäre mir wichtig, allen Angehörigen der Uni deutlich zu machen, dass es nur gemeinsam gelingen kann, die Universität voran zu bringen, und zwar unabhängig von Status, Geschlecht, Alter und so weiter … Und dann würde ich noch meine E-Mail-Adresse in rektorin@uni-halle.de ändern lassen.

6 Was ist für Sie die erste Aufgabe der Wissenschaft?
Auch mehr als 200 Jahre nach Goethes „Faust“ sehe ich die Suche nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ als vorrangige Aufgabe der Wissenschaft. Wichtig ist dabei jedoch, dass das Streben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen der Menschheit nutzt und nicht schadet.

7 Was haben Intelligenz und Menschlichkeit miteinander zu tun?
Beides sind positive Eigenschaften, dennoch sind sie nicht voneinander abhängig und treten oft genug auch einzeln auf. So kann einerseits Intelligenz ohne Menschlichkeit sehr gefährlich werden. Aber zum Glück setzt andererseits menschliches Verhalten nicht zwangsläufig einen hohen IQ voraus.

8 Worüber ärgern Sie sich am meisten?
Über Ignoranz und Machtspiele. Außerdem ärgere ich mich maßlos über immer wieder zu beobachtende Unsensibilitäten im Umgang der Geschlechter miteinander.

9 Was bringt Sie zum Lachen?
Ich kann über humorvolle Bücher und lustige Filme genauso lachen wie über Satire, Komik und die Kuriositäten des Alltags.

10 Was schätzen Sie an Ihren Freunden?
Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Humor und die Tatsache, dass sie dafür Verständnis haben, wenn auch mal längere Zeit Funkstille herrscht.

11 Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Kollegialität, Offenheit, Empathie … aber andere können das besser beurteilen als ich selbst.

12 Was erwarten Sie von der Zukunft?
Ich habe die Hoffnung, dass irgendwann das Amt der Gleichstellungsbeauftragten nicht mehr notwendig sein wird, weil Frauen und Männer in allen Lebens- und Arbeitsbereichen gleichgestellt sind.

13 Woran glauben Sie?
Dass ich das (Punkt 12) noch erleben werde.

14 Welchen bedeutenden Menschen unserer Zeit hätten Sie gern als Gesprächspartner?
Spontan fällt mir niemand ein. Wichtiger sind für mich die Menschen im privaten und beruflichen Umfeld, mit denen ich mich unterhalten, aber auch streiten oder diskutieren kann.

15 Wer war oder ist für Sie der wichtigste Mensch in Ihrem Leben?
An erster Stelle stehen natürlich meine beiden Kinder, auch wenn sie der Kindheit schon entwachsen sind. Darüber hinaus sind mir mein Mann und meine Eltern sehr wichtig.

16 Welchen Ort der Welt möchten Sie unbedingt kennen lernen?
Die Orte, die vor dem Mauerfall auf meiner Wunschliste standen, habe ich inzwischen besucht. Island ist noch ein reizvolles Ziel.

17 Womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Mit der Familie natürlich, gelegentlich auch mit Freunden. Ich gehe gern in Konzerte und in die Oper und höre zu Hause vor allem klassische Musik. Aber auch ein gutes Buch und Fahrradfahren gehören zur Freizeit dazu.

18 Was wären Ihre drei Bücher für die Insel?
„Gustav Mahler. Erinnerungen“ von Alma Mahler-Werfel und „Unorthodox“ von Deborah Feldman. Beide stehen schon – noch ungelesen – im Bücherschrank. Zur entspannten Unterhaltung nehme ich dann noch auf Empfehlung einer Freundin das Buch „Bella Germania“ von Daniel Speck mit.

19 Wenn Sie einen Wunsch frei hätten …?
… wüsste ich wahrscheinlich nicht, wofür ich mich entscheiden sollte. Um die aktuellen Herausforderungen an der Universität zu meistern, würde ich mir jedoch eine sachgerechte und lösungsorientierte Auseinandersetzung wünschen, der alle Beteiligten erst einmal offen gegenüberstehen.

20 Ihr Motto?
Behandle andere so, wie Du selbst gern behandelt werden möchtest!

Aus der Vita

  • geboren 1966 in Halle
  • 1983 bis 1987 Studium am Institut für Lehrerbildung Halle (Musik, Deutsch, Mathe)
  • 1987 bis 1991 Diplom-Fernstudium Musikpädagogik Gitarre an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig
  • Seit 1993 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Halle in den Bereichen Erziehungswissenschaften/Musik
  • 1998 Promotion an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar
  • 2008 bis 2010 stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Uni Halle
  • Seit 2010 Gleichstellungsbeauftragte der Universität

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