Juristen erforschen Rechtstransformation in Aserbaidschan

Wie kann einem Land der Übergang von der Planwirtschaft zur globalen Marktwirtschaft gelingen und was bedeutet eine solche Transformation für das Rechtssystem? Das wollen Juristen der Uni Halle gemeinsam mit aserbaidschanischen Wissenschaftlern erforschen. Um diese Kooperation auf den Weg zu bringen, waren Prof. Dr. Christian Tietje und Dr. Manja Hussner im Herbst nach Baku gereist. Das Projekt kann nun 2017 – gefördert mit 560.000 Euro durch die Volkswagenstiftung – starten.

„Unser Projekt ist auf großes Interesse gestoßen. Wir steigen auf sehr hoher Ebene in die Kooperation ein“, bilanzierte Dr. Manja Hussner, Leiterin des International Office nach dem Besuch in der aserbaidschanischen Hauptstadt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Tietje war sie im Oktober im Bildungsministerium und an der Staatlichen Universität Baku zu Gast, um die Details der Zusammenarbeit zu besprechen und auch um weitere Kontakte zu knüpfen. „Ziel ist es auch, in absehbarer Zeit mit der Universität Baku einen Universitätskooperationsvertrag aufzusetzen“, so Hussner.

Manja Hussner, Christian Tietje und Prorektor Elchin A. Khalafov von der Staatlichen Universität in Baku. (Foto: privat)

Doch zunächst geht es um ein konkretes und durch die VW-Stiftung hochrangig gefördertes Projekt mit dem Titel „Rechtstransformation im Wirtschaftsrecht und Infrastruktur für rechtswissenschaftliche Forschung in Aserbaidschan: Entwicklungen und Herausforderungen“. Am Institut für Wirtschaftsrecht der Uni wird dazu 2017 eine gemeinsame deutsch-aserbaidschanische Forschungsstelle für Rechtstransformation aufgebaut. „Sie soll insbesondere die juristische Dimension der Transformationsforschung ausbauen“, kündigt Institutsdirektor Tietje an. Eine Juniorprofessorin oder ein Juniorprofessor werde die Forschungsstelle leiten. „Das Projekt beginnt, sobald diese Person berufen worden ist.“

Im Rahmen des Vorhabens sollen künftig sehr gute junge Wissenschaftler der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aus Aserbaidschan qualifiziert werden. Dafür hat das Bildungsministerium des Landes die Finanzierung für zwei Doktorandenstellen in Aussicht gestellt. „Bei unserem Besuch konnten wir bereits gemeinsame Promotionen vereinbaren. Diese Doppelpromotionen werden künftig zwei Hochschullehrer der beiden Universitäten gemeinschaftlich betreuen“, berichtet Tietje. An der Staatlichen Universität in Baku sollen zudem ein Zentrum für Rechtsvergleichung und Rechtsharmonisierung gegründet und ein Graduiertenprogramm zum Wirtschaftsrecht aufgebaut werden.

Warum gerade Aserbaidschan? Zehn Millionen Menschen leben in dem erdölreichen Landzwischen Russland und Iran, das sich 1991 von der zerfallenden Sowjetunion unabhängig machte. „Unser Interesse ist fachlich bedingt“, so Tietje. „In Aserbaidschan ist der Übergang von einem planwirtschaftlich orientierten zum marktwirtschaftlichen System bislang erfolgreich verlaufen und wir wollen analysieren, was genau geschehen ist.“ Zugleich wollen die Juristen den laufenden Prozess einer allmählichen Internationalisierung der Wirtschaftsordnung begleiten. „Der Erfolg der bisherigen Reformen war vor allem durch den Ölreichtum bedingt. Jetzt müssen allmählich auch die anderen Wirtschaftszweige noch stärker reformiert werden und das macht die Kooperation so spannend“, so Tietje.

Jahrzehntelang habe es lediglich sporadisch Forschungskontakte in die Region gegeben. „Jetzt stehen wir beispielsweise mit den sogenannten Sabakh-Gruppen in Kontakt. In diesen Gruppen erfahren die begabtesten Studierenden des Landes eine gesonderte Förderung“, so Hussner. „Damit weiten wir unser Engagement in der Kaukasusregion, wo wir bereits in Armenien seit vielen Jahren erfolgreich tätig sind, sichtbar aus.“

Das Projekt wird von der Volkswagenstiftung für insgesamt vier Jahre mit 560.000 Euro gefördert. Die Mittel stammen aus der Initiative der Stiftung „Zwischen Europa und Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft“, über die eine Reihe strukturell orientierter Maßnahmen, wie Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen, in den Zielländern gefördert wird. Corinna Bertz

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