Zum zweiten Mal fand der Neujahrsempfang der Universität in der Harzmensa des Studentenwerks Halle statt. (Foto: Maike Glöckner)

Neujahrsempfang mit Witz und ernsten Worten

Über 200 Gäste hat Rektor Prof. Dr. Udo Sträter zum Neujahrsempfang der Martin-Luther-Universität am vergangenen Freitag begrüßt. In seiner Rede blickte der Rektor auf das vergangene Jahr zurück und sprach auch über die Themen, die 2017 an der Universität Halle eine Rolle spielen werden. Oberbürgermeister Bernd Wiegand, Vertreter der Stadt sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft, Land- und Bundestag und Uni-Angehörige waren in die Harzmensa gekommen. Die Landesregierung war durch Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Bildungsminister Marco Tullner ebenfalls vertreten.

Der Theologe Dr. Christian Senkel stimmte die Gäste zunächst auf das Großereignis ein, das 2017 auf der ganzen Welt gefeiert wird. Senkel, der an der Universität zurzeit das Reformationsjubiläum mit organisiert, berichtete „live aus dem Wittenberg des Jahres 1517“ und kommentierte mit seiner satirisch verkürzten – und manchmal bewusst verdrehten – Darstellung zugleich den mitunter zweifelhaften Umgang mit Fakten im digitalen Zeitalter.

Christian Senkel sprach über die Reformation, die vor 500 Jahren mit Luthers 95 Thesen begann. (Foto: Maike Glöckner)

Rektor Udo Sträter begrüßte die anwesenden Gäste mit einem Scherz. Er freue sich, so viele Menschen hier zu sehen, „obwohl es ja heute Abend zeitgleich in Washington eine Konkurrenzveranstaltung gibt.“ – die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Sträter ließ das Jahr 2016 an der Universität Halle Revue passieren. Viele Erfolge konnte er vermelden: Das Interesse an einem Studium an der Martin-Luther-Universität sei ungebrochen groß, 4.100 neue Studierende habe man Anfang Oktober begrüßen können. Für die Lehrerbildung seien zudem auf Wunsch der Landesregierung 150 zusätzliche Studienplätze bereitgestellt und auch vergeben worden.

Das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig wird für vier weitere Jahre durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Auch das Alexander-Brückner-Zentrum für Polenstudien kann seine Arbeit durch eine erneute Förderung fortsetzen. Zwei Heisenbergprofessuren konnten eingeworben, zwei Exzellenzanträge vorbereitet und rund 12,3 Millionen Euro EU-Fördermittel für die beiden naturwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte eingenommen werden.

Rektor Udo Sträter (Foto: Maike Glöckner)

Das neue Jahr stehe nicht allein im Zeichen des Reformationsjubiläums, kündigte Sträter an: „Vom 18. bis zum 23. Juni 2017 werden wir die Vereinigung der beiden Universitäten Halle und Wittenberg vor 200 Jahren mit einer Festwoche feiern.“ Auf die politischen Entwicklungen in Europa und die Rolle der Universitäten ging der Rektor ebenfalls ein: „Wissenschaft ist weltweit vernetzt. Deshalb ist es kein Wunder, dass Forscher vehement gegen den Brexit protestiert haben. Jede nationale Engführung bedeutet eine Gefährdung der Wissenschaft.“

Auch Universitäten seien vor Torheit nicht gefeit. „Es gibt Formen von gesellschaftlicher, demokratiefeindlicher Dummheit, die sehr wohl mit intellektuellen Leistungen auf fachlich eng geführten Gebieten einhergehen können.“ So habe zum Beispiel die Vertreibung des Theologen Günther Dehn auf Betreiben des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds in den Jahren 1932/33 „alle Vernunft an unserer Universität zur Kapitulation gebracht.“

Mit Blick auf das Bundestagswahljahr 2017 forderte Sträter eine neue politische Diskussionskultur und sprach sich gegen anonyme Attacken – etwa auf demokratisch gewählten Politiker – aus: „Es gibt kein Recht auf bewusst zelebrierte Ignoranz. Ich wünsche mir, dass gerade von den Hochschulen Impulse für eine partizipative und faire Gesellschaft ausgehen.“

Damit kehrte Sträter noch einmal zu Luther zurück. Er bedauere, dass die Reformation häufig mit Luther gleichgesetzt werde. Denn das hätte Luther selbst nicht gewollt. Und dennoch schloss auch der Rektor mit einem Verweis auf den berühmten Satz „Hier stehe ich und kann nicht anders“, mit dem sich der Reformator einst in Worms vor dem Kaiser verteidigt haben soll. „Anstatt zu fragen ‚Was bringt uns das neue Jahr?‘ sollten wir uns selbst fragen, was wir zu tun gedenken und wie wir es zu prägen gedenken. Lassen Sie uns das gemeinsam angehen“, rief der Rektor seine Gäste auf.

Symbolische Unterstützung erhielt er daraufhin von drei Mitgliedern der Halloren-Salzwirkerbrüderschaft, die ihr traditionelles Neujahrsgeschenk, bestehend aus Schlackwurst und Soleier, zum „Schutz vor dem Bösen“ überreichten. Abschließend sprach Dr. Ralf-Torsten Speler, Präsident der Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität, über die zahlreichen von der Vereinigung geförderten Projekte an der Universität.

Einen krönenden Abschluss fand der Abend für viele Besucher beim Neujahrskonzert im Löwengebäude. In der vollbesetzten Aula begeisterte das Akademische Orchester der Universität unter Leitung von Matthias Erben mit zwei renommierten Gästen der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. In wechselnder Besetzung geben die Musiker Stücke von Antonín Leopold Dvorák, Eugène-Auguste Ysaÿe, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph-Maurice Ravel, Philippe Gaubert und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky zum Besten. Corinna Bertz

Eindrücke vom Neujahrskonzert:

Einen ausführlichen Rückblick auf das Jahr 2016 an der Martin-Luther-Universität bietet das Jahresmagazin der Universität.

Die Rede des Rektors im Wortlaut

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