Transferpreise 2016: Projekte zu Gentherapie, Katastrophenhilfe und Sensorik ausgezeichnet

Noch vor dem abendlichen Neujahrsempfang wurde am 20. Januar der mit insgesamt 2.500 Euro dotierte Transferpreis 2016 der Universität Halle, der Stadt Halle (Saale) und der Stadtwerke Halle GmbH (SWH) vergeben. Die Preisträger sind Wissenschaftler der Uni und ein Kooperationspartner aus der Wirtschaft, die sich neben ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre auch um die Anwendung der erforschten Erkenntnisse, also um den Wissens- und Technologietransfer, verdient gemacht haben.

Zu den drei ausgezeichneten Projekten gehören eine App zur Koordination von Helfern im Katastrophenfall, ein Transfervehikel zum Einsatz in der Gentherapie sowie eine Sensortechnik für die Bauteileüberwachung. Sechs Forschungsprojekte hatten sich für den Transferpreis in den Kategorien „Erfolgreiche regionale Transferkooperation“ sowie „Anwendungsorientierte Dissertationen“ beworben. Die Beiträge kamen aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Pharmazie, Chemie, Psychologie sowie Pädagogik.

Den feierlichen Rahmen für die Preisverleihung bot die Übergabe der Promotions- und Habilitationsurkunden sowie der Luther-Urkunden und des Anton-Wilhelm-Amo-Preises in der Aula. Prof. Dr. Michael Bron, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand sowie von René Walther, Arbeitsdirektor der SWH überreichten die Auszeichnungen.

Festrednerin Ulrike Fiedler (Foto: Maike Glöckner)

Vor der Ehrung skizzierte die Festrednerin Prof. Dr. Ulrike Fiedler von der IDT Biologika GmbH anschaulich ihren Weg von der Ausbildung, in die Forschung und später in die Industrie. Die ehemalige Wissenschaftlerin der Uni Halle konnte aus eigenen Erfahrungen über die Bedeutung des Wissens- und Technologietransfers berichten und zeigte in ihrem Vortrag vielfältige berufliche Perspektiven  auf.

„Wissenstransfer ist eine Bereicherung, da man die Forschungsergebnisse direkt in die Anwendung überführen kann und so recht kurzfristig erkennt, dass die investierte Zeit und das investierte Geld einen direkten Nutzen bringen. Gleichzeitig gehen Akademia und Industrie in den Erkenntnisaustausch und lernen miteinander effektiv zu arbeiten“, sagte Ulrike Fiedler zum Ende ihres Festvortrages und spannte damit den Bogen zur Verleihung der Urkunden und zum Transferpreis.

Preisträger in der Kategorie „Erfolgreiche regionale Transferkooperation“

Den mit 1.000 Euro dotierten Transferpreis in der Kategorie „Erfolgreiche regionale Transferkooperation“, gestiftet von der Stadt Halle (Saale), erhielt das Kooperationsprojekt Hands2Help. Prof. Dr. Stefan Sackmann, Institut für Wirtschaftsinformatik, und sein Mitarbeiter Hans Betke sowie Dr. Robert Pulz, Abteilungsleiter Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst der Stadt Halle (Saale), arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines App-basierten Koordinationssystems für freiwillige Helfer.

Von links: Die beiden Preisträger Robertz Pulz und Stefan Sackmann mit OB Bernd Wiegand (Foto: Maike Glöckner)

Ausgangspunkt für das Projekt war das Saale-Hochwasser 2013 und die Frage, wie Behörden und Organisationen im Katastrophenfall Hilfseinsätze mithilfe moderner Informationstechnologie besser koordinieren können. Im Rahmen der Kooperation wurden technische Unterstützungsmöglichkeiten für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und Herausforderungen im Umgang mit Spontanhelfern untersucht.

Im Ergebnis wurde eine App mit dazugehöriger Internetplattform als Demonstrator entwickelt, die eine deutliche Verbesserung der bedarfsgerechten Koordination der Helfer ermöglicht und Wartezeiten reduziert.  Ein weiterer Erfolg ist die Einwerbung von Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die weitere Forschungsaktivitäten mit einer Vielzahl bundesweiter Praxispartner ermöglichen.

Platz 1 in der Kategorie „Anwendungsorientierte Dissertationen

In der Kategorie „Anwendungsorientierte Dissertationen“ wurde Dr. Christopher Janich, Dipl.-Pharmazeut und Apotheker, für die Entwicklung eines biokompatiblen, lipidbasierten Transfervehikels zur preisgünstigen und sicheren Anwendung in der Gentherapie mit dem ersten Platz geehrt. Darüber hinaus hat der Forscher aus dem Institut für Pharmazie geeignete Parameter für einen effizienten Gentransfer identifiziert und somit den Grundstein für eine Virus-freie Gentherapie zur Behandlung von erblich bedingten oder erworbenen Krankheiten gelegt.

Der von der Stadtwerke Halle GmbH (SWH) gestiftete Preis ist verbunden mit einem Preisgeld von 1.000 Euro. „Ich freue mich sehr über den Preis und damit die Würdigung meiner Forschungsarbeit, die erst am Anfang steht. Für junge Wissenschaftler, wie mich, ist solch eine Auszeichnung sehr motivierend und treibt mich an, weiter zu forschen und in der Gentherapie einen nachhaltigen Beitrag zu leisten“, sagt Janich.

Die beiden Preisträger Christopher Janich (rechts) und Philipp Michael. (Foto: Maike Glöckner)

Platz 2 in der Kategorie „Anwendungsorientierte Dissertationen

Dr. Philipp Michael vom Institut für Chemie hat sich in seiner Dissertation mit der Herstellung indirekter Sensoren zur Bauteileüberwachung beschäftigt. Die Sensoren ermöglichen eine autonome Detektion von externen mechanischen Belastungen bzw. Beschädigungen an Materialien, wodurch kleinste Risse oder Deformationen ohne die Kosten einer aktiven Überwachung ausfindig gemacht werden können. Er liefert somit einen Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz und zu einer erhöhten Nachhaltigkeit von Produkten durch Ausnutzung ihrer maximalen Lebensdauer. Für seine Forschungsarbeit erhielt er in der Kategorie „Anwendungsorientierte Dissertationen“  ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro, ebenfalls gestiftet von den Stadtwerken Halle.

Der Transferpreis 2017 wird im Rahmen des Innovationstages transHAL am 20. Juni 2017 verliehen. Mit dem Format transHAL, das seit 2014 dreimal erfolgreich durchgeführt wurde, soll der Dialog von regionaler Wirtschaft und Wissenschaft vorangetrieben werden. Auf dem Innovationstag stellen Wissenschaftler der Universität und weiterer hallescher Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der Region aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung vor, weiterhin stehen unter anderem Innovationsmanagement-Workshops und Beratungsgespräche von Förder- und Rechtsexperten auf dem Programm. transHAL ist ein wichtiges Element der Kooperationsvereinbarung zwischen Universität und Stadt Halle (Saale).

Mehr Informationen zu drei weiteren Einreichungen für den Transferpreis 2016 in der Kategorie „Erfolgreiche regionale Transferkooperationen“ gibt es unter: http://transfer.uni-halle.de/transferpreis/. Annekatrin Lacroix

 

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar wird schnellstmöglich durch unser Team freigeschaltet.

Kommentar