Die Tonbänder der BOLSA-Studie werden zurzeit in Berlin digitalisiert. (Foto: David Mäcker/ marschall-media)

BOLSA-Studie: Volkswagen-Stiftung fördert Digitalisierung eines Datenschatzes

Die älteste und umfangreichste deutsche Tonträger-Sammlung biografischer Interviews soll künftig Forschern aus aller Welt online zur Verfügung stehen. Die Volkswagen-Stiftung fördert die Digitalisierung der Tonbänder und Akten aus der Bonner Gerontologischen Längsschnittstudie (BOLSA) mit 130.000 Euro. Auch ein Onlineportal ist geplant. Das Projekt ist am Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt an der Uni Halle angesiedelt.

Die Bolsa-Studie zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Längsschnittstudien. Mit 222 Menschen hatten Psychologen der Universität Bonn in der Zeit von 1965 bis 1981 gesprochen, um die Prozesse des Alterns näher zu erforschen. Die anderthalb Tonnen Akten und 600 Tonbänder, die dabei entstanden, werden jetzt mit Hilfe einer 130.000 Euro-Förderung der Volkswagen-Stiftung digitalisiert.

Dr. Katrin Moeller (Foto: Michael Deutsch)

Bereits vor einigen Wochen hat eine auf Digitalisierung spezialisierte Berliner Firma damit begonnen, die alten Tonaufnahmen – rund 3.600 Stunden – digital zu erfassen. „Die ersten 20 Tonbänder sind bereits digitalisiert“, berichtet Dr. Katrin Moeller, Leiterin des Historischen Datenzentrums an der Uni Halle. Gemeinsam mit der Sozialhistorikerin und Humboldt-Forschungspreisträgerin Prof. Dr. Christina von Hodenberg hatte sie den Förderantrag  gestellt.

Von Hodenberg lehrt als Professorin für Geschichte an der Queen Mary University of London und entdeckte die fast vergessenen BOLSA-Daten im Rahmen ihrer Forschungen. Als sie 2014/15 als Gastwissenschaftlerin an das Institut für Geschichte der Uni Halle kam, holte sie die wertvollen Quellen mit Hilfe des Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalt nach Halle. Hier werden historische Daten computergestützt aufbereitet, bereitgestellt und ausgewertet.

Die Quellen der BOLSA-Studie möchte Katrin Moeller jetzt Forschern in einem eigens dafür entwickelten digitalen Archiv zugänglich machen. Unterstützt wird sie dabei vom Servicezentrum eSciences der Universität Trier. „Gemeinsam mit der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt wollen wir außerdem die digitale Langzeitarchivierung der Daten sicherstellen. Dafür muss eine langfristige, datenschutzgerechte Lösung entwickelt werden“, so die Historikerin.

Nach der Digitalisierung werden die Tonbänder in das Archiv für Gesprochenes Deutsch gebracht. (Foto: Katrin Moeller)

Bereits jetzt interessierten sich Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Gründen für die Daten: „Forscher aus Heidelberg, Berlin und Bielefeld sowie von der US-amerikanischen Duke University nutzen die BOLSA-Quellen zurzeit – für Studien über die 1968er-Generation oder über Deutsche polnischer Herkunft“, berichtet Moeller. Studierende der Uni Halle arbeiten im Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt ebenfalls mit den Quellen.

Auch die anderthalb Tonnen Aktenordner sollen bereits bis zum Ende des Jahres vollständig eingescannt werden. Nach ihrer Digitalisierung werde man aber voraussichtlich nur einen Teil der Aktenordner dauerhaft archivieren können.

Für die Tonbänder gibt es hingegen andere Pläne: Sie werden nach dem Abschluss der Digitalisierung an das im Archiv für Gesprochenes Deutsch (AGD) in Mannheim übergeben. „Damit wird sich der Bestand des AGD verdoppeln – und wir haben ein adäquates und optimales Langzeitarchiv für die sensiblen Datenträger gefunden“, freut sich Katrin Moeller. Corinna Bertz

ALT-TEXT Humboldt-Preisträgerin holt Datenschatz nach Halle

Der Transfer der BOLSA-Daten wurde durch die Humboldt-Forschungspreisträgerin Prof. Dr. Christina von Hodenberg von der Queen Mary University London ermöglicht. Mehr über ihre Forschung als Gastwissenschaftlerin an der Martin-Luther-Universität im Onlinemagazin


ALT-TEXTDaten erzählen Geschichte

Wie digitalisieren Historiker alte Daten richtig? Und welche Chancen bietet Open Access? Dazu berät Dr. Katrin Moeller vom Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt Master-Studierende am Institut für Geschichte. Zum Artikel

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