Die Rektoren der Universitäten Jena, Halle und Leipzig Walter Rosenthal, Udo Sträter, Beate Schücking im Gespräch mit Moderator Sven Kochale auf der Leipziger Buchmesse (Foto: Swen Reichhold)

Buchmesse 2017: Unibund-Forum startet mit unterhaltsamem Podiumsgespräch

500 Jahre Reformation – für die drei mitteldeutschen Traditionsuniversitäten Halle, Jena und Leipzig Anlass genug, sich gemeinsam mit einem Veranstaltungsforum zum Thema „Reformation als Message“ auf der Leipziger Buchmesse zu präsentieren. Am Donnerstag wurde dieses mit einer launigen Podiumsdiskussion mit den Rektoren der drei im Universitätsbund kooperierenden Hochschulen eröffnet.  

„Die ganze Welt ist voller Wunder.“ Mit diesem Luther-Zitat eröffnete Moderator Sven Kochale die Podiumsdiskussion und damit auch das Forum der drei Universitäten Halle, Jena und Leipzig auf der Leipziger Buchmesse. Natürlich bezog der Moderator das nicht auf den Fakt, dass die drei Hochschulen – übrigens gewinnbringend – zusammenarbeiten, sondern auf die Vielfalt der Beiträge mit staunenswerten Inhalten aus der aktuellen Reformationsforschung, die die Messebesucher im Programm erwarten dürfen.

Ein Heimspiel, so Kochale, sei das Thema Reformation vor allem für den Rektor aus Halle Prof. Dr. Udo Sträter – Kirchenhistoriker und erster Vertreter der Uni Halle-Wittenberg. Sträter stritt das nicht ab, verwies aber darauf, dass Luther immer auch Kontroversen biete und vor allem die angeblichen Hammerschläge vom „Mythos überwuchert“ seien: „Mit Sicherheit war die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nicht so etwas wie das schwarze Brett der Universität.“ Es könne auch gut sein, dass es eine andere Kirche oder gar mehrere Kirchen waren, an denen die Thesen angebracht worden seien. Und sei es nicht eigentlich Aufgabe eines Pedells gewesen Aushänge zu erledigen, fragte Sträter launig.

Eindrücke vom Stand des Universitätsbunds:

Insofern war die Reformation, die in Jena und Leipzig ebenso wichtig für die Entwicklung der Universitäten war, nicht immer ureigenes Thema des Gesprächs zwischen den Hochschulleitern. Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Uni Leipzig, war die erste, die – ganz gezielt unter einem zeitgeschichtlichen Bezug gewählt – ein aktuelles Buch vorstellte, das ein Wissenschaftler ihrer Universität veröffentlicht hat und das ihr besonders am Herzen liegt: „Extremismus in Sachsen. Eine kritische Bestandsaufnahme“. „Wir müssen den gesellschaftlichen Diskurs führen und uns heute diesen Themen stellen – über Sachsen hinaus“, sagte Schücking.

Auch Udo Sträter hatte ein für ihn wichtiges Buch gewählt, das mittlerweile in der zweiten Auflage erschienen ist. In „Ausgeschlossen“, herausgegeben von PD Dr. Friedemann Stengel, sind 43 Biografien der Hochschullehrer zusammengetragen, die von den Nationalsozialisten 1933 aus der Universität Halle entfernt wurden, weil sie politisch nicht passten, Juden waren oder schwul. „Es gehört für eine Universität dazu, dass man sich auch mit den Seiten befasst, die dunkel sind, und damit, was passiert, wenn die Weltoffenheit abhandenkommt“, so Sträter.

Prof. Dr. Walter Rosenthal, Präsident der Uni Jena, schlug die Brücke zurück zur Reformation und zur Botschaft Luthers. Sein gewähltes, reich gestaltetes Buch „Fliegende Blätter“, Ergebnis intensiver Forschungstätigkeit, beschäftigt sich mit der Publikationswelle des 16. Jahrhunderts und dem Medienereignis Reformation anhand der Sammlung von Holzschnitten, die heute im thüringischen Schloss Friedenstein in Gotha versammelt sind.

Das Gespräch sollte abschließend aber auch dazu dienen, die Zusammenarbeit der drei Partner im Unibund darzustellen. Im Fokus stand hier die Zusammenarbeit im Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. „iDiv, das ist das ganz große Ding. Im Grunde ist es ein Exzellenzcluster, nur finanziell besser ausgestattet“, sagte Udo Sträter. Immerhin sei es ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes nationales Forschungszentrum. Rektorin Schücking verwies auch auf den gemeinsamen Exzellenzantrag, der nun auf den Weg gebracht sei und sich aus der Forschung des gemeinsamen „Forum for the Study of the Global Condition“ speist. Und Walter Rosenthal schloss mit NutriCard, ein gemeinsames Kompetenzcluster, das sich mit der Entwicklung gesunder Nahrungsmittel befasst. Manuela Bank-Zillmann

Noch bis zum Sonntag stellen Wissenschaftler und Studierende der drei Universitäten sowie der Hochschule Merseburg unter dem Motto „Forum Unibund 2017: Reformation als Message“ in Vorträgen und Podiumsdiskussionen Forschungsprojekte und -ergebnisse rund um das Thema Reformation vor. Das Forum befindet sich am gemeinsamen Stand des Unibunds (G 200) in Halle 3. Das komplette Programm unter: http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/26145

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