Nur wer korrekt subsumieren kann, schafft auch das juristische Staatsexamen. Eine App könnte Studierenden künftig dabei helfen. (Foto: Simone Friese)

Digitale Hilfe beim Ringen um die Logik

Noch bis zum 30. April können sich Uni-Angehörige mit eigenen Projektanträgen um Fördermittel aus dem Hochschulpakt 2020 bewerben. Die Gelder werden von der Universität für Maßnahmen vergeben, die die Qualität und Attraktivität des Studiums an der Uni Halle langfristig steigern und zum Studienerfolg beitragen. Auch die Idee von Dr. Marcus Bergmann wird auf diese Weise finanziert: Der Strafrechtler entwickelt eine Subsumtionseditor-App, die das Jura-Studium revolutionieren könnte.

Das Projekt, das Jura-Studierenden künftig dabei helfen soll, Rechtsfälle korrekt zu lösen, wird seit Dezember 2016 mit insgesamt mehr als 71.000 Euro aus Hochschulpaktmitteln gefördert. Dank der Gelder kann der Strafrechtler jetzt einen Informatik-Studenten beschäftigen, der ihn dabei unterstützt, sein Konzept für eine Subsumtionseditor-App umzusetzen.

Marcus Bergmann (Foto: Martina Sobottka)

Vom ersten Semester bis zur Examensprüfung üben Jura-Studierende die Subsumtion. „Das ist die grundlegende Arbeitstechnik, die Juristen täglich anwenden, um Fälle zu lösen“, erklärt Dr. Marcus Bergmann. Dabei gilt es, den konkreten Sachverhalt der korrekten Norm – einem Gesetz oder einem anderen Rechtssatz – unterzuordnen. Die entscheidende Frage lautet stets: Unter welche Norm fällt der jeweilige Fall? Die Antwort lässt sich nur durch den strengen Dreischritt der Subsumtion logisch herleiten.

Studierenden falle diese Technik oft schwer. „Sie erkennen anfangs die Logik dahinter noch nicht“, weiß Bergmann, der viele Übungen mit hunderten Erstsemestern geleitet hat. Jeder der studentischen Übungstexte wird von den Lehrenden einzeln korrigiert. Da allen Texten aber dasselbe Muster zugrunde liegt, müsste sich die Subsumtionstechnik doch automatisieren lassen, dachte sich der IT-affine Jurist. Ein einfacher Algorithmus sollte genügen, um einen Subsumtions-Editor zu entwickeln, der die Eingaben der Studenten selbstständig auf ihre Richtigkeit prüfen kann.

Nicht allein Korrekturzeit ließe sich dadurch sparen. Die Studierenden könnten die Subsumtionstechnik selbstständig üben und allmählich Routine gewinnen. Zur Machbarkeit seiner Idee ließ er sich vom Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) beraten, bevor er sich damit schließlich fristgerecht um Hochschulpaktmittel bewarb. Ein formloser schriftlicher Antrag an den Kanzler genügte dafür. Insgesamt konnten im Rahmen des Projektaufrufs 2016 an der Uni Halle mehr als 12 Millionen Euro aus Hochschulpakt-Mitteln an rund 100 verschiedene Projekte vergeben werden, die mit den Zielen des Hochschulpaktes 2020 übereinstimmten.

Neben dem LLZ ist auch Torsten Evers, Referent für Hochschulmarketing im Rektorat der Uni, von Bergmanns Konzept überzeugt: „Das Vorhaben ist innovativ und sehr gut dazu geeignet, den Studienerfolg positiv zu beeinflussen.“ Denn nur wer korrekt subsumieren kann, schafft letztlich auch das Staatsexamen. Zudem lasse sich eine solche App auch für die Studierendengewinnung und -orientierung einsetzen. „Wenn Schüler eine solche Trainings-App durchspielen, erhalten sie eine recht konkrete Vorstellung davon, welche Inhalte sie im Jura-Studium erwarten, wie Juristen arbeiten und ob ihnen das liegt.“

Als zweifacher @ward-Preisträger weiß Marcus Bergmann um den Aufwand der Umsetzung, der sich dennoch lohne: „Ist die Grundidee erst einmal programmiert, lassen sich die Inhalte dann auf vielfältige Weise ausbauen.“ Neben dem Subsumtionseditor namens „GustO“ will er zeitgleich die Trainingsapp „SubTrApp“ entwickeln lassen, der die gleichen technischen Strukturen zugrunde liegen. „Sie ist als Lernspiel angelegt, bei dem man die Sätze der Subsumtion in die richtige Reihenfolge bringen und falsche Schritte kennzeichnen muss. Die Studenten könnten gegen die Zeit spielen oder sogar gegen ihre Kommilitonen.“ Einen Testlauf mit den ersten Basisfunktionen des Subsumtionseditors plant Bergmann bereits im kommenden Jahr. Corinna Bertz

Projektanträge bis zum 30. April möglich

Die Universität Halle setzt Hochschulpaktmittel an allen Fakultäten und vielen universitären Bereichen zur Verwirklichung der Hochschulpakt-Ziele ein. Projektskizzen können noch bis zum 30. April formlos beim Kanzler eingereicht werden. Die Anrtäge müssen zuvor vom Leiter der der jeweiligen Einrichtung befürwortet werden. Ausführliche Informationen und konkrete Hilfestellungen für die Erarbeitung eines aussagekräftigen und hochschulpaktgerechten Antrags sind auf den Webseiten des Hochschulmarketings unter www.marketing.uni-halle.de/projektskizzen zu finden.

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