Jörn Galdirs, Paulin Amler, Monika Käther-Zopf, Martin Heinrich, Augustin Nebert, Daniela Caspari und Thomas Bremer bei der Podiumsdiskussion der KALEI-Tagung. (Foto: Katharina Ziegler)
Jörn Galdirs, Paulin Amler, Monika Käther-Zopf, Martin Heinrich, Augustin Nebert, Daniela Caspari und Thomas Bremer bei der Podiumsdiskussion der KALEI-Tagung. (Foto: Katharina Ziegler)

Podiumsdiskussion: Was Lehrer lernen sollen

Der Lehrermangel an den Schulen ist derzeit Tagesgespräch in Sachsen-Anhalt. Wohl deshalb wurde die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Jahrestagung des Projekts „Kasuistische Lehrerbildung für den inklusiven Unterricht“ (KALEI) mit großem Engagement geführt. Auch Bildungsminister Marco Tullner war am Freitag im Hallischen Saal der Universität Halle dabei.

Was sollen Lehrerinnen und Lehrer wissen? Unter dieser Leitfrage stand die Tagung, bei deren Eröffnung Rektor Prof. Dr. Udo Sträter in seinem Grußwort sofort auf die aktuellen Herausforderungen für die Universität Halle bei der Lehramtsausbildung fokussierte. Studienanfänger könnten frühestens in sechs bis sieben Jahren in den Arbeitsmarkt eintreten, so Sträter. Es gäbe aber auch andere Modelle, um Akademiker möglichst schnell als Lehrer zu qualifizieren, etwa die Fortbildung von Quereinsteigern. In die Richtung von Marco Tullner, der im Anschluss ebenfalls Grußworte sprach, sagte er: „Wir sind zu allen möglichen Gesprächen bereit.“ Bildungsminister Tullner beschönigte die derzeitige Situation nicht. Es brauche Zeit, um die Bedarfe zu ermitteln. Denn: „Eines darf nicht passieren. Ich möchte es den künftigen Lehrer ersparen, dass sie nach ihrer Ausbildung arbeitslos sind.“

Mit der Frage danach, welches Professionswissen im Lehramt nötig sei, stieg danach Moderator Dr. Augustin Nebert in das Gespräch mit den Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmern ein. Sie sprachen sich fast geschlossen dafür aus, dass Fachwissen allein nicht genüge. Vielmehr sei praktische Erfahrung wichtig, um die vielseitigen Anforderungen des Unterrichtens meistern zu können. Für die essenzielle Notwendigkeit des Fachwissens hingegen plädierte Prof. Dr. Thomas Bremer, der sich als Diskutant nicht in seiner Funktion als Leiter des Zentrums für Lehrerbildung sah, sondern als Vertreter der Fachwissenschaften. „Lehrer müssen einen Kernbestand von Wissen haben, der automatisiert abrufbar ist.“ Sei das nicht der Fall, gerieten vor allem Berufsanfänger in eine Stresssituation.

Uni bereitet nicht auf Belastungen im Beruf vor

Als Vertreterin der Studierenden auf dem Podium berichtete Paulin Amler über die Situation im Studium. Sie studiert im sechsten Semester Mathe, Deutsch und Religion auf Grundschullehramt und ist auch Mitglied der Fachschaft Erziehungswissenschaften. Amler sagte, dass sie wie auch einige ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen, sich mehr praktische Erfahrung neben dem Studium wünschten. Und außerdem auch Angebote, das Erlebte gemeinsam zu reflektieren.

Referendar Jörn Galdirs pflichtete ihr bei und sagte, viele der angehenden Lehrkräfte wüssten nicht, was sie tatsächlich im Beruf erwarte: „Die Bereiche Gesundheit und Belastung werden zu wenig thematisiert. Vielen wird das erst später, wenn sie schon im Beruf sind, bewusst.“ So sei er auch nicht verwundert, wenn rund ein Drittel der Lehramtsstudenten diesen Beruf später nicht ausübten. Zudem sprach Galdirs sich für eine bessere Verzahnung der einzelnen Bereiche aus. So sei die Kommunikation, etwa zwischen Fachwissenschaftlern und Didaktikern, in manchen Fällen schlichtweg nicht vorhanden.

Prof. Dr. Martin Heinrich von der Universität Bielefeld bestätigte diese Erfahrung und berichtete aus seinem beruflichen Alltag als Erziehungswissenschaftler. Außergewöhnlich: Er hat sein Büro direkt in einer Schule. Er sprach über seine Beobachtung, dass die Sichtweisen auf den Lehrerberuf während der Ausbildungszeit in der Universität, im Referendariat und als reguläre Lehrkraft sehr unterschiedlich seien. Deshalb schaffe er Räume, in denen alle Gruppen zusammenkommen, miteinander sprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten: „In diesem Mikrokosmos wollen wir herausfinden, wie die Sichtweisen sind, wie wir uns verständigen und so das Ausbildungssystem für Lehrerinnen und Lehrer besser machen können.“

Unterricht gemeinsam planen

Daniela Caspari, Professorin für Didaktik der romanischen Sprachen und Literaturen an der Freien Universität Berlin, untermauerte das mit eigenen Erfahrungen. So würden die besten Ergebnisse bei einer „interkollegialen Unterrichtsabfassung“ erzielt. „Wenn sich Lehrer gegenseitig besuchen, den Unterricht gemeinsam planen und darüber sprechen, was Schüler leisten und welche Ergebnisse dabei herauskommen, bringt das den größten Erkenntnisgewinn.“

Dass der Wille unter den heute aktiven Lehrerinnen und Lehrern da ist, Nachwuchskräfte von morgen bestmöglich auszubilden und zu begleiten, erklärte Dr. Monika Käther-Zopf, Leiterin des Staatlichen Seminars für Lehrämter Halle. So biete ihre Einrichtung seit etwa vier Jahren eine Fortbildung für Mentoren an, die während des Studiums und Referendariats Ansprechpartner für die künftigen Lehrer sind. Diese Fortbildung dauere ein Schuljahr und beinhalte fünf Module. „Wir haben immer sehr hohe Anmeldezahlen aus allen Schulen zu verzeichnen. Das zeigt, dass sich auch die Ausbilder gut darauf vorbereiten wollen, um die Absolventen bestmöglich betreuen zu können.“ Katharina Ziegler

Über KALEI

Das KALEI-Projekt ist 2016 mit dem Ziel gestartet, die Lehramtsausbildung an der Universität Halle durch einen verstärkten Fokus auf die Unterrichtspraxis zu verbessern. Gefördert wird es für vier Jahre mit rund zwei Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“.

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