Angeführt vom Rektor Udo Sträter und zwei Pedellen mit den Zeptern der Universität Halle und Wittenberg zog der Festzug in das Löwengebäude ein. (Foto: Maike Glöckner)
Angeführt vom Rektor Udo Sträter und zwei Pedellen mit den Zeptern der Universität Halle und Wittenberg zog der Festzug in das Löwengebäude ein. (Foto: Maike Glöckner)

Festakt zum Jubiläum: Akademische Tradition mit Zepter und Talaren

Am Mittwochnachmittag fand die Festwoche zur 200. Wiederkehr der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg ihren eindrucksvollen Höhepunkt: Gemeinsam mit rund 300 hochrangigen Gästen feierte die Universität auf den Tag genau das Jubiläum mit einem Festakt in der Aula. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und die Oberbürgermeister der beiden Städte überbrachten ihre Glückwünsche. Leopoldina-Präsident Prof. Dr. Jörg Hacker skizzierte anschließend in seiner Festrede das Ideal der Universität, die sich auch im 21. Jahrhundert dem Humboldtschen Ideal verpflichtet sehen sollte.

Die lange akademische Tradition der Universitäten Halle und Wittenberg wurde zum Auftakt des Festakts auf dem Universitätsplatz für alle sichtbar: Gemeinsam mit den Oberbürgermeistern und Stadtratsvorsitzenden der Städte Halle und Wittenberg, mit dem Leopoldina-Präsidenten, dem Vizepräsidenten der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und zahlreichen hochrangigen internationalen Gästen zog der Akademischen Senat in seinen historischen Talaren vom Rektoratsgebäude zum Löwengebäude. Halloren der Salzwirkerbrüderschaft im Thale zu Halle flankierten den Zug, Blechbläser des Akademischen Orchesters begleiteten das Ereignis mit barocken Klängen.

Angeführt wurde der Festzug von zwei Pedellen, die erstmals wieder seit 1867 die Zepter der beiden vereinigten Universitäten trugen. Damals zur 50-Jahr-Feier der Vereinigung schritten dem akademischen Festzug, der vom Universitätshauptgebäude zur Marktkirche zog, vier Pedellen mit den halleschen und Wittenberger Zeptern voran, um die Vereinigung symbolisch darzustellen. Zu den Klängen des Orgelspiels von Universitätsorganist Prof. Wolfgang Kupke traf der Festzug in der vollbesetzten Aula ein. Internationale Gäste von 16 Partneruniversitäten, unter ihnen Rektoren und Prorektoren, und Vertreter der Botschaften Chinas, Russlands und Sloweniens waren extra zum Jubiläum angereist.

In seiner Eröffnungsrede machte Rektor Prof. Dr. Udo Sträter deutlich, warum sich die Uni Halle an diesem Tag auf ihre Traditionen – auf Zepter und Talare – beruft. Beides stehe für eine akademische Freiheit, die es gegen Gefährdungen von außen und von innen zu schützen gelte. Sträter forderte dazu auf, Restriktionen akademischer Freiheit in aller Welt stets zu widersprechen. „Universitäten brauchen Raum für den offenen Diskurs, und dafür sind Standards nötig. Es gibt kein Recht auf bewusst zelebrierte Ignoranz.“

Rektor Udo Sträter eröffnete den Festakt. (Foto: Maike Glöckner)

Sträter sprach in seiner Rede auch über das Schicksal der Wittenberger Universität Leucorea und zitierte den Historiker Prof. Dr. Walter Friedensburg, der im 19. Jahrhundert in Halle lehrte. Die Weltbedeutung dieser Einrichtung sei unbestritten. „Aber der Geist ist nicht an den Ort gebunden! Im Besonderen mag über das jähe Ende der alten Hochschule noch der Gedanke hinweg trösten, dass die vermehrten Mittel und Kräfte, die ihr Untergang der benachbarten Anstalt zuführte, dort reiche Frucht getragen haben, der Art, dass in dem erfreulichen Aufblühen Halles im 19. Jahrhundert Wittenberg gleichsam seine Wiedererstehung gefeiert hat“, gab der Rektor Friedensburgs Worte wieder.

Als nächster Redner überbrachte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff die Glückwünsche der Landesregierung und versicherte: „Wir wissen, was wir an unserer größten Universität des Landes haben. Deshalb sind wir heute hier. Herzlichen Glückwunsch zu erfolgreichen 200 gemeinsamen Jahren.“ Die Martin-Luther-Universität habe maßgeblich zum sehr guten Ruf Sachsen-Anhalts als Wissenschafts- und Hochschulstandort beigetragen. Und auf die Unterstützung des Landes könne die Hochschule zählen. Als Wittenberger sagte Haseloff: „Mit der Vereinigung ist kein Schmerz verbunden, dass uns etwas entrissen wurde. Man hat sich damals, nach dem Ende der napoleonischen Kriege, für die größere Universität entschieden und ich glaube, das war eine richtige Entscheidung.“

Auch der hallesche Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand reihte sich in die Riege der überschwänglichen Gratulanten ein: „Die Universität kann sich feiern lassen – und das mit Recht. Neben Kultur und Wirtschaft gehört sie zum Dreiklang unserer Stadt.“ Er unterstrich ihre Bedeutung für Halle: „Sie ist der größte Arbeitgeber, trägt maßgeblich zur Stadtentwicklung sowie zum Wissens- und Innovationstransfer bei.“ Stets seien Stadt und Uni eng verbunden gewesen und diese Beziehung habe sich bis heute erhalten. „Die Stadt kümmert sich fürsorglich um die Universität“, sagte Wiegand. So haben die Stadt im Jahr der Gründung die Friedrichs-Universität in der Ratswaage am Markt beherbergt und später der Hochschule die beiden Löwen geschenkt, die heute das Bild der Universität prägen. Auch die große Freitreppe am Universitätsplatz sei mit städtischen Mitteln finanziert worden.

Der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör überbrachte anschließend die Glückwünsche seiner Stadt. Er blickte noch einmal auf den historischen Moment zurück, als Wittenberger Professoren 1813 um die Verlegung ihrer Universität baten. „Aber der Drops ist gelutscht“, scherzte Zugehör 200 Jahre später, bevor er sich mit ernsten Worten an seine halleschen Kollegen wandte: „Hegen und pflegen sie ihre Universität. Die Lutherstadt Wittenberg hat zunächst mit Freude und später schmerzlich erfahren müssen, was eine Universität für die Stadt bedeutet. Ohne die Universität wäre unsere Stadt heute lange nicht so wunderschön und charmant, wie sie sich jetzt zum Reformationsjubiläum präsentieren kann. Luther allein reicht nicht aus.“

Leopoldina-Präsident Jörg Hacker (Foto: Maike Glöckner)

Leopoldina-Präsident Jörg Hacker (Foto: Maike Glöckner)

Nach einem kurzen musikalischen Zwischenspiel am Klavier sprach schließlich Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina als Festredner zum Thema „‘Allein der Hauptgesichtspunkt bleibt die Wissenschaft‘ – Die Universität als Herzstück des deutschen Wissenschaftssystems“. Er warf die Frage auf, wie eine Universität auch im 21. Jahrhundert das Herzstück der Wissenschaft bleiben könne.

Heute gebe es die Vorstellung von Universitäten als reinen Bildungsstätten oder von „Multiversitäten“, die aus einer Vielfalt unterschiedlicher Organisationsformen bestehen, so Hacker. „Aber je weiter diese Entwicklung  geht, umso relevanter wird das Universitätsmodell von Alexander von Humboldt.“ Sein Ideal hatte Humboldt nur wenige Jahre vor der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg in der Denkschrift „Über die innere und äussere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“ (1809/10) skizziert.

„Wer auf der Suche nach der Wahrheit ist, hat das Recht auf die Freiheit der Wissenschaft und die Pflicht zur Einsamkeit. Wissenschaftler sind dazu aufgefordert, sich nicht vom Staat unter Druck setzen zu lassen, und zwischen den Inhalten ihrer Forschung und außerwissenschaftlichen Interessen die notwendige Distanz zu bewahren“, so Hacker über das Humboldtsche Modell, das Normen formuliere, an denen sich Wissenschaftler auch heute orientieren sollten.

„Außerwissenschaftliche Interessen dürfen nicht zur Triebfeder werden und eine Wissenschaftspolitik nach Humboldts Ideal sollte auf die indirekte Förderung des Gemeinwohls durch Forschung setzen“, mahnte der Leopoldina-Präsident. „Umso stärker sich eine Universität gegen Interessen aus Wirtschaft und Politik behaupten muss, umso stärker muss sie die Wissenschaft zu ihrem Hauptgesichtspunkt machen.“

Ministperpräsident Reiner Haseloff und Rektor Udo Sträter beim Auszug des Senats. (Foto: Maike Glöckner)

Der Festakt endete mit dem feierlichen Auszug des akademischen Festzugs, der sich vom Löwengebäude zurück zum Rektoratsgebäude bewegte. Corinna Bertz

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