Mit der Reformationssinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffnete das Orchester der Medizinischen Fakultät das Universitätskonzert. (Foto: Maike Glöckner)

Großes Universitätskonzert: Einheit durch Vielfalt

Am Abend der Feierlichkeiten zur 200. Wiederkehr der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg ließen es sich vier Universitäts-Ensembles nicht nehmen, das Jubiläum mit einem Großen Universitätskonzert auch musikalisch zu begehen: Erstmals luden das Orchester der Medizinischen Fakultät, das Akademische Orchester, die Uni-Bigband und der Universitätschor Halle „Johann Friedrich Reichardt“ zum musikalischen Schulterschluss und zelebrierten in der voll besetzten Händelhalle die Vielfalt nicht allein der Musik.

Fraglos, es ist ein Gedanke, der einiger Gewalt bedarf, aus der Zusammenführung der entlegenen Extreme des akademischen Musiklebens das Selbstbekenntnis zu einem universitären Pluralismus herauslesen zu wollen – und doch: Es scheint nicht minder fraglos, dass für die Kunst des Miteinander-unterschiedlich-Seins hier nicht weniger gilt als dort, dass voneinander nur lernen kann, wer einander auch hört – Einheit durch Vielfalt, eben auch in der Kunst.

Ganz in diesem Sinne versuchte sich das Große Universitätskonzert gerade nicht an einer Glättung der schroffen Gegensätze der Klangkörper, sondern kultivierte den Kontrast. Der musikalische Festakt erhob das Prinzip des bruchstückhaft Gefügten zum Leitmotiv und reihte in einem zweiteiligen Parforceritt Werke aneinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: verjazzte Arrangements der Neuen Deutschen Welle an Reformationssinfonien und Lobgesänge, Peter Schilling an Felix Mendelssohn Bartholdy, Bigband an Sinfonieorchester – ein repräsentativer Querschnitt durch den Klang der Martin-Luther-Universität.

Die Ensembles wussten dabei durchweg mit ihrer eigenen Tonsprache zu überzeugen. Besonders wandelbar zeigte sich der Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“, der in der Darbietung von Auszügen aus Martin Völlingers „Latin Jazz Mass“ mit dem Jazz-Quartett ebenso brillierte wie in der Vereinigung mit dem Akademischen Orchester in der meisterhaft musizierten Interpretation der Zweiten Sinfonie („Lobgesang“) Mendelssohn Bartholdys. Und wer aus der etwas zu emphatischen Bläserpartie der langsamen D-Dur-Einleitung der „Reformationssinfonie“ noch Antworten auf die Frage zu hören glaubte, warum Musiker nicht operieren, wurde mit der klanggewaltigen Interpretation von Leopold Stokowskis Orchestertranskription der Bachkantate „Ein feste Burg“ (BWV 80) eines Besseren belehrt, ehe die Uni-Bigband mit einem feinen Arrangement Markus Lämmels zum Kehraus blies – variatio delectat! Pascal Schiemann

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Kommentare [ 4 ]

1 Volker Thäle schrieb am 24.06.2017 um 10:05

Ich habe mich sehr gefreut, gemeinsam mit den Musikern des OMF und des AO in der voll besetzten Händelhalle (die Händelhalle war für das OMF vollkommenes Neuland, akustisch heikel, aus meiner Sicht der Auftritt deshalb um so gelungener zu betrachten) auftreten zu dürfen, dem Rektorat gebührt mein Dank für dieses Ambiente zu diesem Anlaß! Vielen Dank auch an das aufmerksame Publikum, das mit einem warmen Applaus unser Spiel so gewürdigt hat! Das OMF hat sich korrekt an die eng gesteckte inhaltliche und zeitliche Konzertkonzeption gehalten. Ich freue mich bereits jetzt auf das Neujahrskonzert 2018 für den Rektor der Universität, zu dem wir, das Orchester der Medizinischen Fakultät OMF, mit einem tollen Programm in der Aula aufspielen werden, um unser Publikum zu verwöhnen und wie gewohnt zu begeistern!

2 Musikfreund schrieb am 23.06.2017 um 12:49

Kann Herrn Steuer nur zustimmen! Seine Meinung teile ich von ganzen Herzen und habe ganz ähnliche Aussagen auch von verschiedenen anderen Zuhörern gehört. Das Orchester der Medizinischen Fakultät spielt mindestens in der gleichen Liga wie das Akademische Orchester, schien aber von den sich selbst zelebrierenden "großen" universitären Ensembles als lästiger Mitspieler gesehen zu werden, den man zum Festkonzert einladen muss, aber eigentlich nicht dabei haben will (was war das bitte für eine ungerechte Verteilung der Spielzeiten?!)... Schade! Dabei zeichnete sich gerade das Orchester der Medizinischen Fakultät durch exzellente Klangfarbe, Musikalität und Spielfreude aus. Und für mich am überzeugendsten: Der Dirigent (der das Ensemble übrigens neben einer vollen Oberarztstelle am Uniklinikum in seiner Freizeit leitet) tritt bescheiden auf und hat nicht das Bedürfnis sich permanent in den Vordergrund zu drängen! Davon kann sich das Akademische Orchester mal eine Scheibe abschneiden. Und unter aller Kanone auch der Aufruf zur Spende für die Arbeit des AO! Damit hat sich dieses Orchester in meinen Augen disqualifiziert. Daumen hoch übrigens für die Uni Bigband! Ihr habt wirklich eine super Stimmung verbreitet und eine klasse Leistung gebracht! Wäre das Konzert nicht viel zu lang und wären die angesprochenen Aspekte nicht so offensichtlich, peinlich und traurig zu gleich gewesen, so hätte es ein wirklich schöner Abend sein können.

3 Gerhard Steuer schrieb am 23.06.2017 um 12:02

Viel zu langes Konzert mit disproportional verteilten Wichtungen der Klangkörper. Der Start der Mediziner mit Mendelssohn "Reformation" klanglich erstaunlich homogen, regelrecht professionell (bitte mehr von diesem Orchester!), Stokowski "Burg" genial, dagegen AO und Chor mit "Lobgesang" viel zu laut, ich habe die Sängerinnen und Sänger zutiefst bedauert, sie mussten schreien! Mit knapp einer Stunde Aufführungsdauer auch deutlich zu lang! Zweiter Teil kurzweilig, aber ebenfalls zu lang, etliche Besucher haben auch die Lautstärke bedauert und sind deshalb vorfristig gegangen. "Unplugged" hätte auch funktioniert ...

4 Matthias Erben schrieb am 23.06.2017 um 10:31

War ein großartiger Abend.

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