Fortsetzung: Leipziger Trio glänzt mit abwechslungsreichen Interpretationen

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Und trotz der Beschränkung der Interpretation auf lediglich vier der eigentlich sechs Stücke – diese sind in freiem Verbund ausschließlich hinsichtlich ihrer kompositorischen Anlage miteinander verbunden – erschienen die Kompositionsstudien nicht aus dem Zusammenhang gerissen, sondern erlangten durch die wohlüberlegte Auswahl erst einen zyklischen Charakter, dessen zunehmende Dramatik im Höhepunkt der fünften Etüde in h-Moll kumulierte.

 

Nick Shay Deutsch an der Oboe (Foto: Maike Glöckner)

Nick Shay Deutsch an der Oboe (Foto: Maike Glöckner)

 

Kaum weniger mitreißend luden die Interpretationen der Serenade f-Moll op. 73 Robert Kahns sowie der fünfteiligen, auf einer Gedichtvorlage Nikolaus Lenaus basierenden Schilflieder August Klughardts in die schwärmerische Klangwelt der Romantik ein. Wann immer die hochromantische Natursymbolik der Textgrundlage Lenaus in neudeutscher Manier einen tiefschürfenden Duktus forderte, wann immer das einfühlsame Spiel der Oboe sanft „des Mondes holden Glanz“ nachzeichnete und wann immer die über den schwarzen Nachthimmel jagenden Blitze ein rauschend-virtuoses Allegro forderten, glänzte das Trio mit einer leidenschaftlich empfundenen Ausdeutung.

 

Dass die lyrische Grundlage der Klughardt’schen Phantasiestücke dem Publikum nicht im Einklang mit ihrer musikalischen Ausdeutung dargeboten wurde, schmälerte die Qualität der Interpretation freilich nicht, sieht sich doch der Zuhörer auch ohne das vorliegende Programm keineswegs des musikalischen Genusses beraubt. Allein die selten so deutlichen Einblicke in die äußeren Beweggründe der kompositorischen Empfindung blieben der Zuhörerschaft zu einem gewissen Grade verwehrt.

 

Mit der gelungen Interpretation des „Kegelstatt“-Trios KV 498 Wolfgang Amadeus Mozarts, in dessen konzerthaften Rondo Allegretto allem voran der Pianist Alexander Schmalcz brillierte, stellte das Trio eindrucksvoll unter Beweis, dass es sich nicht nur im romantischen Repertoire beheimatet fühlt, ehe die Musiker mit der Zugabe des Allegro con moto aus den Acht Stücken für Klarinette, Bratsche und Klavier op. 83 von Max Bruch den Bogen zurück in die Spätromantik spannten. Pascal Schiemann