Altersstarrsinn mit 35?

Der Zeitgeist, Jahrgang 1760, tauchte zuerst bei Johann Gottfried Herder auf. Auch Johann Wolfgang von Goethe setzte ihm ein Denkmal, indem er Faust vom "Geist der Zeiten" sprechen ließ. (Zeichnung: Oliver Weiss)

Der Zeitgeist, Jahrgang 1760, tauchte zuerst bei Johann Gottfried Herder auf. Auch Johann Wolfgang von Goethe setzte ihm ein Denkmal, indem er Faust vom „Geist der Zeiten“ sprechen ließ. (Zeichnung: Oliver Weiss)

„Hach, wenn ich noch mal 20 wär’…“ oder: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – diese beiden Ausdrücke spiegeln am besten wider, wie gespalten selbst ein und dieselbe Person zum Altern stehen kann. Was ist denn nun besser: Ewiger Jungbrunnen oder Altersweisheit? Wer damit leben kann, dass er bereits mit 30 Jahren graue Strähnchen im Haar findet, mit 35 akzeptiert, dass die Haare „demnächst“ grau werden und mit 40 zu seinem angegrauten Haarschopf steht – der ist wohl frühzeitig darauf vorbereitet, dass er eben keine 20 mehr ist.

Wer aber flucht, dass sein acht Jahre alter Computer deshalb nicht mehr zu gebrauchen ist, weil der Support für das Betriebssystem eingestellt wird oder bei seinem fünf Jahre alten Handy die Buchse für das Aufladekabel so locker ist, dass kein Strom mehr fließen kann – ist derjenige fortschrittsfeindlich und dem Altersstarrsinn anheim gefallen?

Vielleicht. Oder er wird mit einem neueren Ersatzgerät gezwungenermaßen zum „Silversurfer“, ist also trendy, und entdeckt dann doch die schöne neue Kommunikationswelt: facebookt an der Straßenbahnhaltestelle und twittert aus dem Supermarkt die Sonderangebote. Am Ende kommt der 35-jährige Silversurfer zu der Einsicht, dass er nicht noch einmal 20 sein möchte, aber auch nicht bis 66 warten will, bis das Leben anfängt. Das Leben ist im vollen Gange. Ob mit oder ohne Haartönung und Anti-Aging-Creme.

Dr. Usus Zeitgeist

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