"Die Liebe zum Cello ist bei mir erst im Alter gekommen.": Cellist und Theologe Ernst-Joachim Waschke (Foto: Maike Glöckner)

"Die Liebe zum Cello ist bei mir erst im Alter gekommen.": Cellist und Theologe Ernst-Joachim Waschke (Foto: Maike Glöckner)

Morgens Bibel, abends Bach

Selbst gestandene Hochschullehrer werden hier zu fleissigen Schülern: In einer neuen Serie stellt scientia halensis künftig regelmäßig musikbegeisterte Professorinnen und Professoren vor, die einen Teil ihrer Freizeit einem Instrument widmen. Professor Ernst-Joachim Waschke macht den Auftakt. Die Liebe zum Cello wurde dem Theologen nicht in die Wiege gelegt, doch heute sind ihm die Montagabende im Akademischen Orchester heilig.

„Das Violoncello ist ein bewundernswertes Instrument, ob man die Süße des Tones, die Vielfalt des Ausdrucks oder den erstaunlichen Umfang bedenkt…“ (Anonymus um 1765). Ohne die charakteristisch warme Klangfarbe eines Cellos ist ein klassisches Streich Quartett kaum denkbar. Für den Alttestamentler Prof. Dr. Ernst Joachim Waschke ist dieses Instrument wie eine zweite Stimme, mit der er musizierend den Ausgleich zum Arbeitsalltag schafft und entspannen kann. So spielt er das Cello seit 1999 im Akademischen Orchester der Martin-Luther-Universität, bei dessen zahlreichen Auftritten ihn musikbegeisterte Uni Angehörige regelmäßig erleben können. Darüber hinaus wirkt er in zwei privaten Quartetten mit. „Zwei sind in jedem Fall besser als eins, weil aus Mangel an Zeit gemeinsame Termine schwer zu finden sind, und ich mich so wenigstens einmal im Monat mit anderen zum gemeinsamen Musizieren treffen kann“, sagt er augenzwinkernd.

„Seit dem fünften Lebensjahr hatte ich Klavierunterricht. Als ich mit zehn Jahren Flausen im Kopf hatte, die meiner Mutter missfielen, kaufte sie mir ein Violoncello, das ich nun neben dem Klavier auch noch üben musste. Damit waren für sie zwei Probleme gelöst. Ich hatte weniger Zeit für die Straße, und für die Hausmusik konnte das bis dahin fehlende Bassinstrument besetzt werden“, erinnert sich Waschke. „Musik zu studieren, war unter uns vier Geschwistern sicher irgendwann einmal eine Idee. Aber am Ende galt der Grundsatz, dass man Musik – als das Schönste der Welt – nicht zum Beruf machen sollte“.

Musik ist für Ernst Waschke das schönste der Welt - deshalb hat er sie nicht zu seinem Beruf gemacht. (Foto: Maike Glöckner)

Musik ist für Ernst Waschke das schönste der Welt – deshalb hat er sie nicht zu seinem Beruf gemacht. (Foto: Maike Glöckner)

Die große Liebe des Theologen gehört von Anfang an der klassischen Musik. So ist es kaum ein Zufall, dass seine Lieblingskomponisten zumeist mit B anfangen – Bach, Beethoven Brahms, Bruckner, aber auch Mozart und Mendelssohn gehören dazu… Für sich allein spielt er am liebsten aus Bachs Cello-Suiten, vor allem die Suite Nr. 2 d Moll, BWV 1008. Die Solo Suiten des Altmeisters gelten als „oberster Prüfstein für jeden Cellisten“, einigen haftete einst sogar der Ruf an, aufgrund ihres Schweregrades unspielbar zu sein. Sie stellen die „Quintessenz von Bachs Werk“ dar, davon sind berühmte Cellisten überzeugt. Wer sie spielen kann, der verfügt über hohe Musikalität sowie entsprechende Fertigkeiten und hat nicht zuletzt viele Jahre Fleiß beim Üben investiert. „Dies habe ich in meiner Jugend leider nicht getan“, bemerkt Ernst Waschke ein wenig wehmütig. „Aber – wie gesagt – ich hatte mir dieses Instrument ja nicht selbst gewählt, und die Liebe zum Cello ist bei mir erst im Alter gekommen.“

Am meisten begeistert ihn das gemeinsame Spiel mit anderen. Deshalb trat das Klavier im Laufe der Jahre immer mehr in den Hintergrund. Das Cello ist sowohl für einen dahin schmelzenden Solopart geeignet, als auch für die begleitende Bass Stimme im Hintergrund eines Orchesters. Mit unbändiger Freude am Musizieren jedenfalls nimmt er an seinem „heiligen“ Montagabend seit seiner Prorektorenzeit an den Proben des Akademischen Orchesters teil. Besonders gern erinnert er sich an die Konzerte mit Beethovens 7. und Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Sinfonie.

Auf Grund der Tatsache, dass die berühmtesten Oratorien biblische Texte, darunter auch aus dem Alten Testament, in Musik umsetzen, gibt es auch vielfältige Bezüge von dieser Musik zum eigenen Fach. Als Beispiel führt er an: „Auf einer wissenschaftlichen Konferenz zu Händels biblischen Gestalten während der Händel Festspiele 2005 habe ich in einem Vortrag das Libretto für das Oratorium ,Saul‘ mit den Texten der Samuelbücher im Alten Testament verglichen. Dabei konnte ich seitens des Alten Testaments deutlich machen, dass es sich bei diesem Musikwerk im engeren Sinne nicht um ein Oratorium über Saul, sondern um eins über David handelt.“ Der Aufsatz erschien im Händel Jahrbuch 2006 (105–117): Die Beurteilung Sauls im Spannungsfeld des „Gesanges der Frauen“ (1Sam 28,6f.) und der „Klage Davids“ (2Sam 1,17–27).

Abschließend sei noch ein besonderes Anliegen von Ernst-Joachim Waschke erwähnt: „Als Vorsitzender des Freundeskreises des Akademischen Orchesters würde ich mich freuen, wenn wir weitere Mitglieder gewinnen könnten, die für einen Jahresbeitrag von 40 bzw. 20 Euro (Studierende) die musikalische Arbeit des Orchesters unterstützen.“

Text: Ute Olbertz

 

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