Das Zentrum für Schul- und Bildungsforschung wurde 1994 als Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung gegründet. Seitdem hat sich der Forschungsschwerpunkt in Richtung Bildungsforschung verschoben. (Foto: Maike Glöckner)

Das Zentrum für Schul- und Bildungsforschung wurde 1994 als Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung gegründet. Seitdem hat sich der Forschungsschwerpunkt in Richtung Bildungsforschung verschoben. (Foto: Maike Glöckner)

Interdisziplinarität? „Man kann damit auch ironisch umgehen.“

Wie Eliten in Bildungseinrichtungen entstehen und welche Bedeutung ihnen zukommt, wird derzeit in sechs verschiedenen Projekten am Zentrum für Schul- und Bildungsforschung (ZSB) erforscht. Mit seinen Studien hat das interdisziplinäre Zentrum inzwischen bundesweit Aufmerksamkeit erlangt. Wie gut die Zusammenarbeit zwischen Soziologen und Erziehungswissenschaftler gelingt, hänge letztlich von den konkreten Personen ab, meint Professor Georg Breidenstein, Geschäftsführender Direktor des Zentrums.

Schul- und Bildungsforschung klingt für den Laien sehr erziehungswissenschaftlich. Was ist daran interdisziplinär?

Prof. Dr. Georg Breidenstein: Zu den Gründungsideen des Zentrums für Schul- und Bildungsforschung gehört, die erziehungswissenschaftliche mit der fachdidaktischen Forschung zusammenzubringen. Die Fachdidaktiken sind an den jeweiligen Fakultäten angesiedelt, wo Unterrichtsforschung selten Thema ist. Mit dem ZSB wollten wir den Fachdidaktiken einen Ort der fachlichen Anbindung zur Unterrichtsforschung geben. Die Unterrichtsforschung ist in sich schon interdisziplinär angelegt. Sie wird zum Beispiel auch von Soziologen und Psychologen betrieben.

Können Sie ein Beispiel für fächerübergreifende Zusammenarbeit am ZSB nennen?

Die DFG-Forschergruppe zu „Mechanismen der Elitebildung“ besteht aus Soziologen und Erziehungswissenschaftlern. Den Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben wir nur gemeinsam stemmen können. Allein wären wir einfach zu wenige gewesen.
In der Gruppe können wir uns gut verständigen, die Interdisziplinarität ist kein Problem. Wir bemerken zwar, dass wir aus verschiedenen Fächern kommen, aber wir haben einen gemeinsamen Blick auf unseren Forschungsgegenstand. Erziehungswissenschaftler arbeiten oft sozialwissenschaftlich, ihr Fach ist also schon interdisziplinär aufgestellt.

Wie kann interdisziplinäre Zusammenarbeit gelingen?

Eigentlich geht es bei Interdisziplinarität zuerst um die Disziplinarität. Wie sich die Zusammenarbeit gestaltet, das hängt stark vom Charakter der Disziplinen ab.
Bei der gemeinsamen Arbeit ist es interessant, sich immer mal wieder bewusst zu machen, dass man sich sonst in ganz unterschiedlichen Kontexten bewegt. Man kann damit natürlich auch ironisch umgehen und Unterschiede auf diese Weise thematisieren. Letztlich hängt es an den Personen, die sich auf die Interdisziplinarität einlassen, ob sie funktioniert. Wenn man sich gut versteht, kriegt man das in der Kommunikation auch hin.

Gibt es daneben auch strukturelle Herausforderungen für die interdisziplinären Zentren?

Das ZSB wird sehr schnell mit der Philosophischen Fakultät III assoziiert, weil dort die Erziehungswissenschaftler angesiedelt sind. Es gibt die Tendenz der Universitätsleitung, Stellen und Ressourcen des ZSB zur Fakultät dazu zu rechnen. Wir versuchen bewusst dagegen zu steuern.
Interdisziplinäre Zentren stehen quer zu den Fakultäten, aber die Dynamik innerhalb der Universität verleitet häufig dazu, in Fakultätsstrukturen zu denken und zu sortieren. Die interdisziplinären Zentren können sich wahrscheinlich nur über ihren Forschungsgegenstand Wahrnehmung verschaffen.

Interview: Corinna Bertz

Interdisziplinäre Zentren im Fokus:

Zentrum für Pietismusforschung
Zentrum für Innovationskompetenz „SiLi-nano“
Zentrum Medizin-Ethik-Recht

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