Von links: Ninamarie Jeffrey aus Hawaii und Timea Tacaks aus Ungarn mit Maria Preußmann im Kafé kaju. (Foto: Maike Glöckner)

Von links: Ninamarie Jeffrey aus Hawaii und Timea Tacaks aus Ungarn mit Maria Preußmann im Kafé kaju. (Foto: Maike Glöckner)

„Die Kaffee- und Kuchenerfahrung“

Tridem, Triplet oder Dreischnell? Ganz egal, wie die korrekte Bezeichnung für ein Sprachtandem lautet, das aus drei Studierenden besteht – Ninamarie Jeffrey, Timea Tacaks und Maria Preußmann haben bei ihren Treffen ganz andere Themen. Für scientia halensis hat Maria Preußmann ein Gespräch mit den beiden Austauschstudenten festgehalten. Auf Deutsch erzählen sie von ihren Eindrücken aus deutschen Seminaren, von ganz unterschiedlichen Studienbedingungen und ihren ersten Hausschuhen.

Maria Preußmann: Warum habt ihr euch für ein Auslandssemester in Deutschland entschieden?
Ninamarie Jeffrey: Ich war das erste Mal mit 15 in Deutschland und es war im Gegensatz zu Hawaii eine ganz andere Welt. Ich habe angefangen Deutsch zu lernen und gedacht: Wenn es möglich ist, komme ich wieder.
Außerdem unterstützt die US-Regierung es finanziell, wenn ich in Deutschland studiere.

Timea Takacs: Also du bekommt Geld dafür, dass du hier bist?

Nina: Ja genau, in Form einer Studienförderung.

Timea: Wow, das ist gut. Ich habe zu Hause eine Freundin. Sie hat in Österreich studiert und mir gesagt, dass ich auf jeden Fall im Ausland studieren soll. Da hatte ich so ein gutes Gefühl. Sie hat mich unterstützt und mir Inspiration gegeben. Eigentlich hätte ich gerne in einem englischsprachigen Land Psychologie studiert, weil in der Psychologie alle Artikel auf Englisch erscheinen. Aber mein ungarisches Institut hatte keine Partneruni und Deutsch hatte ich auch schon gelernt. Deshalb bin ich hierher gekommen.

Was ist hier anders als an eurer Heimatuniversität?

Nina: An meiner Heimatuni bin ich so engagiert, ich spreche immer in den Vorlesungen. Aber hier konnte ich wegen der Sprache nicht so engagiert reden, wie ich möchte. Da ist wie eine deutsche Mauer. Gut finde ich die Mischung von Studenten. Ich hatte zwei englische Vorlesungen, da habe ich mich wohlgefühlt. In diesen Kursen war fast jeder ein ausländischer Student. Das finde ich toll, diese Internationalität habe ich zu Hause nicht.

Timea: Ich finde mein Studium in Halle sehr kompliziert, was Stundenplan und Prüfungen betrifft. Aber wenn ich mit den Professoren oder dem International Office gesprochen habe, haben sie immer geholfen. Weil sie wissen, dass ich ein Ausländer bin, möchten sie mir helfen. Sie versuchen, es mir leichter zu machen. Interessant fand ich, dass die Studenten vor der Vorlesung nicht so viel Kontakt miteinander haben. In Ungarn sprechen wir immer miteinander, aber hier sagen sie eigentlich auch nicht Hallo. Das war furchtbar für mich.

Nina: Das ist so kalt…

Timea: Bei einer Übung haben wir darüber geredet, wie ich die Deutschen sehe. Eine Kommilitonin hat mich korrigiert, dass die Deutschen nicht kalt sind, sondern zurückhaltend.

Nina: Hier in Deutschland fühle ich mich aus zwei Gründen nicht ganz wie ich selbst. Einmal muss ich viel über die Sprache nachdenken. Ich sage Sachen, die würde ich in meiner Muttersprache gar nicht sagen. Und dann versuche ich, bei den Deutschen reinzupassen. Doch das ist nicht Nina und nicht meine Kultur. Nur hier beim Tandemtreffen kann ich richtig Nina sein. Ja Timi, ich hatte das gleiche Problem. Ich möchte so gern die Leute fest umarmen und ihnen einen Kuss geben auf der Straße, aber man macht das hier nicht.

Gibt es noch andere Sachen an Deutschland, die für euch ungewohnt sind?

Timea: In Ungarn fahren die Leute nicht so gerne Rad. Wir haben keine Fahrradkultur. Mein Tutor hat mich gefragt: Möchtest du ein Fahrrad? Nur warum soll ich ein Fahrrad nehmen, wenn ich für 78 Euro ein Semesterticket kaufen kann? Warum soll ich bei Schnee ein Fahrrad nehmen? Und jeder Deutsche hat hier ein Auto. Meine Kommilitonen kommen mit dem Auto zur Vorlesung. Woher haben sie so viel Geld? Das ist eine ganz andere Welt.

Wie ist das Leben für Studenten in Ungarn?

Timea: Ich lebe mit meinen Eltern zusammen. Ich kann nicht allein leben, weil wir nicht genug Geld dafür haben. Deshalb habe ich mich dazu entschieden in Szeged zu studieren, wo auch meine Eltern wohnen. Ich könnte auch anderswo studieren, aber dann müsste ich einen Studienkredit nehmen. Mein Studium bezahlt das Land mit einem Stipendium. So muss ich nur meine Bücher und mein Essen zahlen.

Nina: Musst du deinen Kredit später zurückzahlen?

Timea: Ich nicht, weil ich ein sehr gutes Abiturzeugnis hatte. Aber es gibt ein Gesetz, dass einem das Land den Kredit erlässt, wenn man zweimal so lange in Ungarn arbeitet, wie man studiert hat. Oder man zahlt alles zurück, plus drei Prozent Zinsen.

Wir müssen die Hälfte vom Bafög zurückzahlen.

Timea: Wirklich? Ich glaube, ich sollte hier wirklich meinen Master machen… Und wenn ich hier arbeiten könnte, dann könnte ich vielleicht noch Geld nach Hause schicken!

Ich kann mir nicht vorstellen, als Studentin meinen Eltern Geld zu schicken…

Nina: Ein Ding, das mir immer auffällt, ist, dass alles in Deutschland so sauber und ordentlich aussieht, fast steril. Man merkt, dass es kein Meer in der Nähe gibt und weniger Sonne. Und vielleicht ist es bekannt, dass das Studium in den USA so teuer ist. Ich zahle pro Semester 8000 Dollar, und das ist billig.

Weißt du schon, wie du das zurückzahlst?

Nina: Ja, ich habe den Plan, mich für ein Programm zu bewerben, wo ich ein ganzes Jahr arbeite, so dass ich dann die Studienförderung zurückzahlen kann. Das wäre ein Anfang, falls ich nicht gleich einen guten Job finde. Wie viel kostet das Studium in Ungarn?

Timea: Also für Psychologie würde es 1000 Euro pro Semester kosten. Was zahlt man in Halle pro Semester?

Hier zahlt man 74 Euro Semestergebühren…

Timea: Und wie viel Studiengebühren zahlt man?

Das ist alles.

Timea: Nur 74 Euro? Ich komme her. Ich komme her! Oh mein Gott, wenn ich hier meine letzte Prüfung abgelegt habe, dann gehe ich zur Studienberatung und ich bin sicher, dass ich in Deutschland meinen Master machen werde.

Nina: Von diesem Moment an?

Timea: Von diesem Moment an!

Wie hat euch das Sprachtandem in der Zeit hier geholfen?

Nina: Für mich war das eine der besten Erfahrungen in Deutschland. Das meine ich wirklich. Ich fühle mich hier so wohl. Sprachlich hat es mir auch sehr geholfen. Und ich habe Freundinnen gefunden. Ich freue mich jede Woche mehr und mehr darauf.

Timea: Dieses Tandem war sehr gut. Bei uns in Ungarn an der Uni haben wir keine solche Möglichkeit.

Was ist eure Lieblingssache aus Deutschland?

Nina: Ich mag so sehr die Gastfreundschaft der Deutschen. Jedes Mal war in meinem Zimmer ein kleiner Teller mit Süßigkeiten und eine Flasche Mineralwasser. Ich mag auch sehr die Kaffee- und Kuchenzeit. Das würde ich gerne zu Hause weitermachen. Ich hatte hier mehr Kuchen- und Kaffeeerfahrung, als in meinem ganzen Leben. Und ich mag so sehr die deutschen Hausschuhe. Immer diese Hausschuhe … Dann habe ich welche gekauft und jetzt verstehe ich es!

Interview: Maria Preußmann

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