Medizinstudent Thakur Acharya (links) gehört zu jenen, denen der HauS-Verein helfen konnte. Im Bild von rechts nach links: Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Bernd Fischer, Christina Begenau, Johann Hinrich Witzel und Dr. Margarete Wein. (Foto: Maike Glöckner)

Hilfe für Studierende in Not

Seit 20 Jahren ist der Verein „Hilfe für ausländische Studierende e. V.“ (HauS) aktiv im Einsatz für Studierende aus aller Welt, die unverschuldet in Not geraten. Zwei Studierende aus der Ukraine und aus Nepal erzählen, wie ihnen der gemeinnützige Verein nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Zuversicht geholfen hat.
Dass internationale Studierende zum Teil unter sehr schwierigen Bedingungen ihr Studium fernab der Heimat absolvieren, wissen die ehrenamtlichen Mitarbeiter vom HauS. Ob bürokratische Hürden, Armut oder mangelnde Toleranz den Studierenden einen Strich durch die Rechnung zu machen drohen – der Verein hilft 35 bis 40 Antragstellern jährlich dabei, auf ihrem Bildungsweg in Halle zu bleiben.
So half HauS auch Kateryna* aus der Ukraine, einer ausgebildeten Krankenschwester, die Gesundheitsund Pflegewissenschaften studiert. Ihr Studium finanziert sie durch harte Arbeit: Gemeinsam mit einer Krankenschwester kümmert sie sich an den Wochenenden um 20 bettlägerige Personen in einem Altersheim. Dorthin zu gelangen war nicht leicht. „Es ist schwer, überhaupt Arbeit zu finden. Meine Ausbildung wird in Deutschland noch nicht anerkannt“, so Kateryna.
Während ihres Studiums befand sie sich einige Male in der Lage, für die Miete nicht aufkommen zu können oder nichts zu essen zu haben – besonders als sie krank wurde und nicht arbeiten konnte. Zufällig hörte sie von HauS und wandte sich an den Verein.
Jedes Mal wurde ihr zügig geholfen. „Der Umgang war sehr menschlich und die Unterstützung gibt einen positiven Anstoß, weiterzumachen und selbst anderen zu helfen“, berichtet sie. Wie viele ausländische Studierende kann auch Kateryna von ihrer Familie nicht unterstützt werden. „Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Dr. Margarete Wein. „Während den Familien oft die Mittel fehlen, kommt es sogar vor, dass wegen einer ‚falschen‘ Eheschließung weitere Unterstützung verweigert wird. Viele Studierende leiden aber auch darunter, dass sich Geld nicht problemlos über alle Landesgrenzen transferieren lässt.“
Diese Erfahrung macht Thakur Acharya aus Nepal. „Meine Familie würde mich gern unterstützen, darf aber aus Nepal nicht überweisen.“ Als der ehrgeizige Medizinstudent das Physikum beim ersten Mal nicht bestand und das Stipendium nicht erhielt, für das er sich beworben hatte, geriet er in finanzielle Not. „Auf die Empfehlung des Studentenwerks hin habe ich Herrn Fischer und Frau Wein getroffen.
Sie haben sich sehr bemüht, mir zu helfen“, erzählt Acharya. Insgesamt dreimal, zuletzt in seinem vierten Studienjahr, hat HauS ihm durch Übernahme der Miete und der Kosten für die Krankenversicherung unter die Arme gegriffen. „Ohne die Unterstützung hätte sich mein Studium um noch ein Semester verzögert. Ich hätte ein Semester arbeiten müssen, um im darauffolgenden weiterstudieren zu können.“ Wenige unbürokratische Zuwendungen genügen manchmal, um Studierende vor dem Dilemma endlosen Jobbens oder gar vor einem Studienabbruch zu bewahren. Dabei muss es sich nicht einmal um Geld handeln. Während seines 20-jährigen Bestehens hat der Verein diverse Kooperationen ausgebaut, etwa mit dem Studentenwerk Halle, der Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Halle (ESG) unter Betreuung des Studierenden- und Hochschulpfarrers und Vorstandsmitglied von HauS Johann-Hinrich Witzel oder der Friedrich-Ebert-Stiftung.
„Manchen Studierenden ist schon mit einem Freitisch in der Mensa geholfen, den das Studentenwerk bietet“, berichtet Wein. „Syrischen Studierenden in Not erlässt das Studentenwerk auf Antrag für drei Monate die Miete im Studentenwohnheim.“
Kooperationen wie diese machen es möglich, weit mehr Studierenden zu helfen, denn das Budget ist begrenzt. „Neben einer jährlichen Zuwendung des Allgemeinen Stiftungsfonds der Universität, für die wir sehr dankbar sind, finanziert der Verein seine Arbeit vor allem durch Mitgliedsbeiträge und Spenden“, so die Geschäftsführerin.
Gelegentlich kommt es zu einmaligen Großspenden. Etwa dann, wenn Professoren zum runden Geburtstag einen Aufruf starten. Ein anderer, allerdings sehr trauriger Anlass war die Ermordung der bulgarischen Studentin Mariya N. im Frühjahr 2014.
HauS rief gemeinsam mit der ESG und Freunden von Mariya zum Spenden auf, um ihre Familie zu unterstützen. „Die Resonanz war überwältigend: Uns erreichten so viele Spenden, dass nicht nur Mariya zu ihren Eltern überführt und dort bestattet werden konnte, sondern darüber hinaus Hilfe für weitere Studierende möglich ist.“
Doch muss HauS haushalten. „Da die Mittel begrenzt sind, kommt Unterstützung bis dato vorrangig solchen Studierenden zu, deren baldiger Abschluss absehbar ist“, erklärt Wein. Künftig wird der Verein jedoch auch Studienkollegiaten helfen, um ihre Chancen auf ein erfolgreiches Studium zu verbessern und die Attraktivität Halles als Studienort zu steigern. Dass HauS diesen Effekt erzielt, bestätigt Thakur Acharya, der schließlich ein „Brot für die Welt“-Stipendium erhielt und nun neben dem Studium bereits promoviert. Er rät seinen Bekannten in der Heimat zu einem Studium in Halle und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. „Derartige Hilfe bekommt man an anderen Unis nicht. Ich bin unendlich dankbar dafür und möchte etwas zurückgeben und anderen helfen.“
Text: Melanie Zimmermann

*Name von der Redaktion geändert.

Noch bis 31. Oktober 2014 können internationale Studierende am Literaturwettbewerb teilnehmen!

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