Mit Hilfe rekombinanter Proteine ist es möglich, Krankheiten wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder auch bestimmte Tumoren zu behandeln. (Foto: Melanie Zimermann)

Halle Conference: Proteine im Fokus

Renommierte Proteinforscher aus aller Welt werden am 19. und 20. Februar zur „5th Halle Conference on Recombinant Proteins“ im Haus der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle erwartet. Auch Studierende der MLU können kostenfrei an der Veranstaltung teilnehmen. Aus erster Hand können sie auf der Konferenz erfahren, wie industrielle Forschung abläuft. Organisator Prof. Dr. Frank Bordusa im Interview über die Bedeutung der Konferenz für Fach und Region.

Rekombinante Proteine – worum geht es da genau?

Frank Bordusa: Rekombinante Proteine sind Eiweißmoleküle, die von gentechnisch veränderten Organismen quasi im Reagenzglas hergestellt werden. Sie spielen auf vielfältige Art und Weise eine Rolle, etwa in der Ernährungsindustrie, der Medizin und der Pharmazie. Auf der Konferenz steht der Einsatz zu Therapiezwecken in der Medizin im Vordergrund.

Prof. Dr. Frank Bordusa leitet die Abteilung Naturstoffbiochemie (Foto: )

Prof. Dr. Frank Bordusa leitet die Abteilung Naturstoffbiochemie (Foto: Saburo Aimoto )

Was sind aktuelle Fragen, die kommende Woche besprochen werden?

Neue Verfahren zur Herstellung, Analytik und zielgenauen Modifizierung von rekombinanten Proteinen wie z.B. von Antikörper-Derivaten, das heißt von Antikörpern abgeleitete Proteine, sind beispielsweise Thema. Sie werden in der Medizin seit einigen Jahren zunehmend zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.

Die Konferenz geht auf eine Initiative des verstorbenen Proteinforschers Prof. Dr. Rainer Rudolph zurück. Wie hat sich das Format seit der ersten Veranstaltung 2003 entwickelt?

Die Intention ist dieselbe geblieben: Wir wollen eine Plattform zur Verfügung stellen, die Forscher aus dem akademischen Umfeld und damit überwiegend aus der Grundlagenforschung mit Unternehmen zusammenbringt, die Anwendungsforschung betreiben. Professor Rudolph, der aus der Pharmaindustrie kam, vereinigte beide Forschungswelten in einer Person und war entsprechend exzellent vernetzt. Seit der ersten Konferenz ist das Interesse stetig gewachsen: 2011 hatten wir noch 260 Anmeldungen, in diesem Jahr waren es mehr als 350. Die Halle Conference hat sich zu einem internationalen Forum etabliert, zu der wir Forscher laden, die an der Spitze ihres Fachgebiets stehen.

Was ist aus diesen Konferenzen entstanden?

Kooperationen zwischen Arbeitsgruppen aus der Universität und aus der Industrie mit großen Unternehmen wie Roche, Boehringer Ingelheim zum Beispiel oder mit ortsansässigen Firmen wie scilProteins oder idt-Biologika im Dessauer Raum. Wir sind in Sachsen-Anhalt nicht unbedingt mit einer Unmenge großer Pharmaunternehmen beseelt, deshalb sind solche Kontakte weit über die Region hinaus umso wichtiger.

Was erhoffen Sie sich als Organisator von diesen zwei Tagen?

Ich erhoffe mir, dass wir mit dieser Konferenz den anwendungsorientierten proteintechnologischen Forschungsschwerpunkt an der MLU stärken und einen Beitrag zu dessen Sichtbarkeit in Deutschland und international leisten. Ich erhoffe mir natürlich auch aktuellen Input aus der Industrie, um daraufhin neue Ideen zu entwickeln und Kooperationen abschließen können. Außerdem wünsche ich mir, dass unsere Studierenden diese einmalige Gelegenheit zahlreich nutzen. Sich aus erster Hand kundig zu machen, wie industrielle Forschung abläuft – dazu hat man in dieser Dichte und noch dazu kostenfrei selten Gelegenheit. Wir verzichten – historisch bedingt – auf eine Teilnahmegebühr und sind den Sponsoren sehr dankbar, die uns das ermöglichen. Interview: Corinna Bertz

Die Halle Conference 2015 wird organisiert von der MLU, der Rainer-Rudolph-Stiftung und dem Proteinnetzwerk ProNetT3. Mehr zur Konferenz und Anmeldung: www.biochemtech.uni-halle.de/halle_conference

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