Die meisten Doktoranden sind befristet und in Teilzeit beschäftigt, ergab die Promovierendenumfrage an der MLU. (Grafik: Oliver Weiss)

Erstmals befragt: Der unbekannte Doktorand

Was sich Studierende mit Kind wünschen, worauf es Studienbewerbern ankommt oder warum manch einer sein Studium abbricht, ist an der Universität Halle dank diverser Umfragen vergleichsweise gut bekannt. Weniger weiß man über die Gruppe der Doktoranden. „Wir wollten wissen, mit wem wir es zu tun haben, um unsere Aufgaben und Angebote zielgerichteter nach den Bedürfnissen der Promovierenden ausrichten zu können“, erklärt Dr. Dr. Klaus-Peter Meinicke, Geschäftsführer der Internationalen Graduiertenakademie (InGrA).

Er hat im Sommer 2014, mit Unterstützung des Evaluationsbüros, die erste fakultätsübergreifende Promovierendenumfrage durchgeführt. „Eine zentrale Überlegung war auch, die fakultätsspezifischen Besonderheiten zu erfassen.“ Insgesamt 500 Doktoranden – ein Fünftel der angeschriebenen – hatten sich zurückgemeldet und die 133 Fragen in deutscher oder in englischer Sprache beantwortet. Jeder fünfte Teilnehmer stammt aus dem Ausland.

Drei bis vier Jahre brauchen die meisten Doktoranden der Uni Halle zur Fertigstellung ihrer Promotion.

Drei bis vier Jahre brauchen die meisten Doktoranden der Uni Halle zur Fertigstellung ihrer Promotion.

Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation von Doktoranden an der MLU und erlauben Rückschlusse darüber, wer in Halle promoviert wird und warum. Der Großteil der befragten Promovierenden hat zuvor bereits in Halle studiert. „Er oder sie hat sich aus wissenschaftlicher Neugier für seine Promotion entschieden und möchte auch nach deren Abschluss wissenschaftlich forschen und lehren – das ist ein so hoher Prozentsatz, wie er vom System derzeit gar nicht aufgenommen werden kann“, so Meinicke.

Doktoranden der Uni Halle arbeiten überwiegend in Teilzeit und befristet an der Hochschule. Sie benötigen etwa vier Jahre für die Fertigstellung der Dissertation. Wer in einem geisteswissenschaftlichen Fachgebiet promoviert, schreibt die Arbeit meist in deutscher Sprache. In den Naturwissenschaften setzt sich zunehmend Englisch durch. Aufschlussreich waren die Angaben zur Arbeitsweise und den Betreuungsverhältnissen: „Es war überraschend, wie wenige Promovierende angegeben haben, dass sie die Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis kennen“, berichtet Meinicke. „Und selbst jene, die in Graduiertenprogrammen promovieren, haben nicht alle eine Betreuungsvereinbarung.“

Dennoch sei die überwiegende Mehrheit der Doktoranden mit der Betreuung eher zufrieden. „Nur wenige der Befragten haben mit ihren Betreuern Probleme. Wenn sie unzufrieden sind, hat das meist andere Gründe: Zum Beispiel, dass sie ohne einen festen Zeitplan arbeiten oder unter Schreibblockaden leiden.“ Mit Hilfe der Angaben soll nun unter anderem das Weiterbildungsangebot für Promovierende passgenau auf deren Bedürfnisse ausgerichtet werden. Auch den Fakultäten und anderen Einrichtungen, die Promovierende bei ihrer Arbeit unterstützen, bietet Klaus Meinicke eine bedarfsbezogene Auswertung der Daten an. Corinna Bertz

Informationen für Promovierende der MLU:

Internationale Graduiertenakademie der MLU
Promovierenden-Initative Halle

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