Im Herbst 1980 wurde das "Kolleg der veteranen der Arbeit" an der Uni Halle gegründet. (Foto: Leef Hansen)

Lernen bis ins hohe Alter: 35 Jahre Seniorenkolleg

Seit 35 Jahren gibt es das Seniorenkolleg an der Uni Halle. Geleitet wird es von Dr. Gisela Heinzelmann. Lebenslanges Lernen ist hier seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Dabei bleiben die Senioren längst nicht nur unter sich. Was lockt sie in die Hörsäle?

Ein Besucher des halleschen Seniorenkollegs ist im Schnitt 69,3 Jahre alt. Er oder sie besucht gern Kurse wie „Everyday English“ – Englisch für den Alltag, Gehirnjogging, Clubgespräche oder die zahlreichen Angebote zu Computer, Internet und neuen Medien. „Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Angebote zum Umgang mit Computer, Internet und den neuen Medien sind immer sehr schnell belegt. Das ist ein Themenbereich, der auf sehr großes Interesse stößt“, sagt die Leiterin des Kollegs Dr. Gisela Heinzelmann.

700 Senioren sind in diesem Semester am Kolleg eingeschrieben. Für einen Semesterbeitrag von 30 Euro ermöglicht die Universität älteren Menschen Vorlesungen, Projekte und Kurse zu unterschiedlichen Themen zu besuchen.

Lerngemeinschaften aus Alt und Jung

Von links: Hildegard Stange, Irene Wiens, Dr. Gisela Heinzelmann und Brunhilde Assberger. (Foto: Leef Hansen)

Von links: Hildegard Stange, Irene Wiens, Dr. Gisela Heinzelmann und Brunhilde Asberger. (Foto: Leef Hansen)

Die 86-jährige Hildegard Stange hat sich zum Wintersemester erneut eingeschrieben. Am meisten interessiert sie sich für die wissenschaftliche Vortragsreihe, die jedes Semester zu wechselnden Themen stattfindet. „So bin ich immer auf dem neuesten Stand und habe viele Themen, über die ich mich mit anderen austauschen kann. Mir geht es darum, interessante Dinge zu lernen“, sagt die Rentnerin. Die wissenschaftliche Vortragsreihe ist bis heute das Basisangebot des Kollegs und wird von Professoren und Dozenten der verschiedenen Fakultäten unserer Universität jedes Semester neu gestaltet. Mit einer Vorlesungsreihe nur für Ältere ist das Kolleg im Oktober 1980 gestartet.

Brunhilde Asberger (85) besucht das Seniorenkolleg schon seit 1997. „Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, meine Zeit sinnvoll zu verbringen. Nach einem Todesfall in meiner Familie hatte sich bei mir ein Leerlauf eingestellt, den ich durch das Seniorenkolleg füllen konnte“, erzählt Asberger.

Während des Semesters bleiben die Senioren nicht nur unter sich. In zahlreichen regulären Vorlesungen wie „Ethik der Sozialen Marktwirtschaft“ oder „Tempel im alten Ägypten“ sitzen sie neben jungen Studenten. „Das ist von uns ausdrücklich gewünscht. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist sehr positiv“, sagt die Leiterin Dr. Gisela Heinzelmann. „Es haben sich sogar Freundschaften entwickelt. Auch Lerngemeinschaften zwischen Senioren und jungen Studenten hat es schon gegeben.“

Jahrzehnte im Erzählcafé

Auch bei den Dozenten seien die Senioren gern gesehen, berichtet die Leiterin: „Die Dozenten schätzen die älteren Teilnehmer wegen ihres Wissenshungers und ihrer lebensgeschichtlich erworbenen Erfahrungen. Sie kommen bei Wind und Wetter, um keine Vorlesung zu verpassen. Mittlerweile teilen mir Dozenten auch direkt mit, welche Vorlesungen für Seniorenen besonders gut geeignet sind.“

Neben den Vorlesungen des Seniorenkollegs erfreut sich auch das Erzählcafé in den Franckeschen Stiftungen großer Beliebtheit. Seit 1995 treffen sich hier Senioren, um gemeinsam über Themen aus Zeit- und Alltagsgeschichte zu sprechen. Die Teilnehmer tauschen sich bei Kaffee und Kuchen über alle denkbaren Themen aus – etwa über den öffentlichen Nahverkehr in der DDR. „Das Erzählcafé besteht für ein Semester aus den gleichen Leuten. Doch viele kommen schon seit Jahrzehnten regelmäßig“, sagt Gisela Heinzelmann. Brunhilde Asberger und Hildegard Stange beispielsweise sind seit 1997 dabei.

Gegründet wurde das Seniorenkolleg am 23. Oktober 1980 an der Medizinischen Fakultät. Zu diesem Zeitpunkt hieß es noch Kolleg der Veteranen der Arbeit. 1990 wurde die Einrichtung in Seniorenkolleg umbenannt. Die ersten universitären Weiterbildungsmöglichkeiten für Ältere entstanden Ende der 70er Jahre in Frankreich und anderen europäischen Ländern und hießen „Universitäten des dritten Lebensalters.“

In der DDR entstanden vergleichbare Kollegs um 1979/1980 in Berlin, Leipzig und Halle. In der BRD wurden ebenfalls in den 80er Jahren an den Universitäten Frankfurt am Main und Dortmund Weiterbildungsmöglichkeiten für Ältere ins Leben gerufen. Heute gibt es an allen deutschen Universitäten Bildungsangebote für Senioren. Leef Hansen

Webseite des Seniorenkollegs an der Uni Halle
Aktuelles vom Seniorenkolleg auf Diaspora

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